Wettbewerb, Handel

Wie die USA abkassieren – Expertin erklĂ€rt, wie Trumps Zölle funktionieren und warum sie so schĂ€dlich fĂŒr die deutsche Wirtschaft sind

25.11.2025 - 11:30:00

Herrenberg - Donald Trump macht keinen Hehl aus seiner protektionistischen Agenda: Neue Strafzölle auf europĂ€ische Waren sollen die heimische Industrie schĂŒtzen, doch in Wahrheit zahlen vor allem die Handelspartner die Rechnung. FĂŒr deutsche Unternehmen bedeutet das: steigende Exportkosten, sinkende WettbewerbsfĂ€higkeit und Unsicherheit bei der Planung.

Zölle sind kein Mittel gegen Globalisierung, sie sind ein Preisaufschlag auf wirtschaftliche Zusammenarbeit. Besonders hart trifft es exportstarke Industriezweige wie Maschinenbau oder Automobilzulieferer. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche wirtschaftlichen Folgen drohen und wie Unternehmen jetzt gegensteuern können.

Trumps protektionistische Agenda und ihre Folgen

Mit neuen Strafzöllen und Drohungen weiterer Handelshemmnisse verschĂ€rft Donald Trump seinen protektionistischen Kurs. Seit April 2025 gelten auf nahezu alle EU-Waren pauschal 10 Prozent Strafzoll, zeitweise drohten sogar 20 bis 30 Prozent AufschlĂ€ge. Nach harten Verhandlungen wurde Ende Juli jedoch ein Rahmenabkommen erzielt: Seit August sind die Zölle auf EU-Produkte (außer Stahl/Aluminium) auf maximal 15 Prozent gedeckelt. Besonders im Automobilsektor und bei Fahrzeugteilen bedeutet das zwar eine Entlastung gegenĂŒber den anfĂ€nglichen 27,5 Prozent aber weiterhin erhebliche Mehrkosten.

Offiziell sollen die Maßnahmen die US-Industrie schĂŒtzen, tatsĂ€chlich fĂŒhren sie jedoch dazu, dass auslĂ€ndische Produzenten stĂ€rker belastet werden und Produkte auf dem amerikanischen Markt teurer werden können. Vor allem deutsche Exporteure aus der Automobilindustrie und dem Maschinenbau geraten dadurch unter Druck. Viele Firmen mĂŒssen steigende Kosten schultern, wĂ€hrend gleichzeitig die Nachfrage schwankt und GeschĂ€ftsbeziehungen komplizierter werden. Zwar hat das Abkommen die akute Eskalation gebremst, dennoch erschweren unklare Umsetzungsregeln und drohende neue Maßnahmen weiterhin die Planung.

Unterschiedliche Ausgangslagen fĂŒr Konzerne und MittelstĂ€ndler

Große Konzerne verfĂŒgen hĂ€ufig ĂŒber eigene Zollabteilungen und können auf eine solide Datenbasis zurĂŒckgreifen. Dadurch sind sie besser in der Lage, die finanziellen Mehrbelastungen zu kalkulieren und alternative Strategien zu entwickeln. MittelstĂ€ndische Betriebe hingegen stehen vor grĂ¶ĂŸeren Herausforderungen. Ihnen fehlt oft die nötige Expertise, sodass sie kurzfristig gezwungen sind, die steigenden Kosten direkt an ihre Kunden weiterzugeben. Das wiederum kann zu sinkenden UmsĂ€tzen fĂŒhren. Besonders problematisch wird es, wenn große GeschĂ€ftspartner ihre Marktmacht ausnutzen und die zusĂ€tzlichen Belastungen auf kleinere Zulieferer ĂŒbertragen.

FlexibilitĂ€t als SchlĂŒssel zum Erfolg

Neben solider Daten und Planung ist vor allem FlexibilitĂ€t entscheidend, um trotz Zöllen wettbewerbsfĂ€hig zu bleiben. Unternehmen, die ihre Lieferketten variabel gestalten und Zolloptimierungen frĂŒhzeitig einplanen, können schneller auf politische Richtungswechsel reagieren. Gerade Trumps unberechenbarer Kurs macht es notwendig, dass Betriebe innerhalb kĂŒrzester Zeit auf neue Vorgaben reagieren können, um nicht den Anschluss auf dem US-Markt zu verlieren. Beispiele aus 2025 zeigen, dass Autohersteller wie Volvo oder auch deutsche OEMs bereits Teile ihrer Produktion in die USA verlagern, um die Strafzölle zu umgehen.

Organisatorische Maßnahmen: Daten und VertrĂ€ge im Fokus

Die Basis fĂŒr schnelle Reaktionen liegt in der Organisation. Wer Stammdaten wie Ursprungslandangaben und Zolltarifnummern sorgfĂ€ltig pflegt, kann sofort erkennen, welche Auswirkungen neue Zölle auf den eigenen Betrieb haben. Fehlende Daten hingegen fĂŒhren dazu, dass wertvolle Zeit verloren geht, weil zunĂ€chst ermittelt werden muss, ob ein Unternehmen ĂŒberhaupt betroffen ist.

Auch die Vertragsgestaltung spielt eine zentrale Rolle. Viele Firmen sichern ihren Partnern DDP-Lieferbedingungen zu, bei denen sie die Zollkosten ĂŒbernehmen. Diese Praxis bindet sie jedoch stark an die politischen Rahmenbedingungen. Flexibler sind VertrĂ€ge mit Klauseln, die Zollrisiken begrenzen oder ausschließen. Gerade seit EinfĂŒhrung des 15 Prozent-Deckels raten Experten, solche Klauseln noch stĂ€rker zu nutzen, um bei erneuten Drohungen (zum Beispiel Stahl/Alu-Sonderzölle von 50 Prozent) abgesichert zu sein.

Handelsbeziehungen strategisch gestalten

DarĂŒber hinaus können Unternehmen ihre Handelsbeziehungen so planen, dass sie Zollrisiken von vornherein minimieren. Freihandelsabkommen wie das USMCA zwischen den USA, Mexiko und Kanada zeigen, wie sich bestimmte MĂ€rkte strategisch nutzen lassen, um zusĂ€tzliche Zölle zu vermeiden. Auch regelmĂ€ĂŸige Szenarienanalysen sind wichtig, um sich frĂŒhzeitig auf mögliche VerĂ€nderungen vorzubereiten. Die EU versucht zudem, durch neue Abkommen (etwa mit Mercosur und Indien) AusweichmĂ€rkte zu schaffen, damit deutsche Exporteure weniger abhĂ€ngig von den USA sind. Wer wirtschaftliche und politische Entwicklungen eng verfolgt und FrĂŒhwarnsysteme einsetzt, verschafft sich einen entscheidenden Zeitvorteil, um rechtzeitig gegenzusteuern.

Fazit

Zölle sind kein Schutzschild gegen Globalisierung, sondern eine kĂŒnstliche Verteuerung internationaler Zusammenarbeit. FĂŒr deutsche Unternehmen bedeuten sie steigende Kosten, sinkende Nachfrage und große Unsicherheit. WĂ€hrend Konzerne ihre Erfahrung und Daten nutzen können, stehen MittelstĂ€ndler unter besonderem Druck. Der 15 Prozent-Kompromiss zwischen den USA und der EU hat die schlimmsten Eskalationsszenarien verhindert, aber er belastet Exporteure weiterhin erheblich. Wer jedoch frĂŒhzeitig Transparenz schafft, Daten aufbereitet, VertrĂ€ge anpasst und Handelsbeziehungen strategisch plant, kann flexibel auf Trumps Politik reagieren. Die richtige Kombination aus kurzfristigen Maßnahmen und langfristiger Strategie erhöht die Chancen, auch in einem von Unsicherheit geprĂ€gten Umfeld erfolgreich zu bestehen.

Über Janine Lampprecht:

Janine Lampprecht ist die GrĂŒnderin der Grenzlotsen GmbH. Sie unterstĂŒtzt Unternehmen bei der Optimierung ihres Zollwesens. Mit ihren maßgeschneiderten Programmen in den Bereichen Coaching, Beratung und Outsourcing bietet das Team der Grenzlotsen GmbH flexible Lösungen fĂŒr jedes Unternehmen. Weitere Informationen unter: https://www.grenzlotsen.de/

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