Rhein-Niedrigwasser: Schifffahrt fÀhrt auf dem Mittelrhein nur noch mit weniger Ladung
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 12:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie auĂergewöhnlich niedrigen PegelstĂ€nde am Rhein schrĂ€nken den Schiffsverkehr auf dem Mittelrhein und in Nordrhein-Westfalen stark ein.
Nur noch wenige GĂŒterschiffe unterwegs
Auf dem besonders betroffenen Abschnitt zwischen St. Goar und Mainz seien nur noch vereinzelt GĂŒterschiffe unterwegs, sagte Fabian SpieĂ, stellvertretender GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt. Im Rheineinzugsgebiet fehle es an ergiebigeren NiederschlĂ€gen.
Die Schifffahrt stehe ihren Kunden weiterhin zur VerfĂŒgung, könne jedoch nur mit deutlich weniger Ladung fahren, sagte SpieĂ. Gefahren werde, solange es sicher möglich sei; darĂŒber entscheide die SchiffsfĂŒhrung.
Kaub unterschreitet den Nullpunkt
Der Abschnitt zwischen St. Goar und Mainz gilt als Nadelöhr der Rheinschifffahrt, weil die Fahrrinne dort schlechter ausgebaut ist als flussaufwÀrts und flussabwÀrts. Der Pegel in Kaub unterschritt am Wochenende zeitweise den Nullpunkt und erreichte damit einen historischen Tiefstand.
Auch in Köln wurde am Montag mit 40 Zentimetern ein Niedrigwasser-Rekord gemessen. Nach Beobachtung des WasserstraĂen- und Schifffahrtsamtes nahm die Schifffahrt dort stark ab. Die Fahrrinne liegt in Köln 1,11 Meter tiefer als der Pegelstand am Ufer.
Prognose: WasserstÀnde sollen steigen
Die Bundesanstalt fĂŒr GewĂ€sserkunde und die WasserstraĂen- und Schifffahrtsverwaltung rechnen damit, dass die PegelstĂ€nde in Köln zum Ende der Woche und in Kaub ab dem kommenden Wochenende steigen.
Bereits in der ersten AugusthĂ€lfte waren die PegelstĂ€nde am Rhein deutlich gesunken. Die Frachtschifffahrt brach daraufhin ein; GĂŒterschiffe konnten teilweise gar nicht oder nur leer fahren. In der zweiten AugusthĂ€lfte stiegen die WasserstĂ€nde nach NiederschlĂ€gen wieder an.
Ein Fluss als Verkehrsader
Der Rhein ist eine zentrale Transportstrecke fĂŒr Deutschland und Westeuropa. Niedrige WasserstĂ€nde treffen deshalb nicht nur einzelne Reedereien, sondern können Lieferketten fĂŒr Rohstoffe, Baustoffe, Getreide, Energieprodukte und chemische Vorprodukte belasten. Der Pegelstand am Ufer beschreibt dabei nicht die tatsĂ€chliche Wassertiefe der Fahrrinne; maĂgeblich fĂŒr die Schifffahrt ist, wie viel Tiefgang an der jeweiligen Stelle sicher möglich bleibt.
Besonders kritisch ist der Abschnitt zwischen St. Goar und Mainz. Die Fahrrinne ist dort weniger tief ausgebaut als in anderen Rheinabschnitten und begrenzt damit die Ladung, die Schiffe wirtschaftlich transportieren können. Weniger Ladung erhöht den Bedarf an zusĂ€tzlichen Fahrten oder an Ersatztransporten per Lastwagen und Bahn. Die im Vormonat aufgehobenen Sonn- und Feiertagsfahrverbote fĂŒr Lastwagen können solche EngpĂ€sse teilweise abfedern.
Folgen fĂŒr Wirtschaft und Alltag
FĂŒr Unternehmen bedeutet Niedrigwasser zunĂ€chst höhere Transportkosten und lĂ€ngere Planungszeiten. Besonders empfindlich reagieren GĂŒter, die in groĂen Mengen per Schiff bewegt werden. Eine lĂ€nger andauernde EinschrĂ€nkung kann sich deshalb regional auf Preise und VerfĂŒgbarkeit auswirken, auch wenn der Rhein nicht vollstĂ€ndig unpassierbar ist.
Die angekĂŒndigte Erholung der Pegel in Köln und spĂ€ter in Kaub wĂŒrde den Druck zunĂ€chst mindern. Dauerhaft abhĂ€ngig bleibt die Lage jedoch von ergiebigen NiederschlĂ€gen im gesamten Einzugsgebiet. Einzelne Schauer reichen dafĂŒr meist nicht aus, weil Wasser zeitverzögert aus NebenflĂŒssen und Zuflussgebieten in den Rhein gelangt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WDR: âPrognose unter 40 Zentimeter: Der Rheinpegel erreicht einen neuen Tiefstandâ (28.09.2026)
Der Bericht hebe den neuen Kölner Tiefstand von 40 Zentimetern hervor und verweise auf eine mögliche weitere Absenkung. Anders als die dpa-Meldung konzentriere er sich stĂ€rker auf die Folgen in Nordrhein-Westfalen und nenne neben der reduzierten Ladung auch EinschrĂ€nkungen fĂŒr FĂ€hren sowie Gefahren durch freiliegende Kampfmittel.
n-tv: âRhein erreicht abermals RekordtiefstĂ€nde in NRWâ (27.09.2026)
Der Bericht bestĂ€tige die sinkenden Pegel in Nordrhein-Westfalen und ordne ein, dass die Messwerte verschiedener Stationen wegen unterschiedlicher Nullpunkte nicht unmittelbar vergleichbar seien. Sein Schwerpunkt liege auf DĂŒsseldorf, Köln und Duisburg-Ruhrort; die aktuelle dpa-Meldung richte den Blick dagegen auf die besonders wichtige Engstelle zwischen St. Goar und Mainz sowie auf die Auswirkungen fĂŒr den GĂŒterverkehr. Ăbereinstimmend bleibe, dass die Fahrrinnentiefe fĂŒr die Schifffahrt entscheidender sei als der Pegelwert am Ufer.
Beide Berichte stellten die historische Niedrigwassersituation und die Belastung der Schifffahrt heraus; Unterschiede ergĂ€ben sich vor allem bei regionalem Fokus und Detailtiefe. Offen bleibe, wie schnell und nachhaltig die angekĂŒndigten steigenden WasserstĂ€nde die Transportlage entspannen könnten.
