Hitze-Ausfallgeld, DGB

Hitze-Ausfallgeld: DGB fordert Schutz für Millionen Arbeitnehmer

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 00:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de

DGB fordert staatliches Hitze-Ausfallgeld, um Produktionsausfälle und Gesundheitsrisiken bei Extremtemperaturen abzufedern.

DGB-Chefin Fahimi: Gesetzliches Hitze-Ausfallgeld für Arbeitnehmer gefordert
Ein Arbeiter wischt sich bei intensiver Sommerhitze den Schweiß von der Stirn. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Yasmin Fahimi, fordert ein gesetzliches Hitze-Ausfallgeld. Damit sollen Arbeitsausfälle, Produktionseinbrüche und Gesundheitsrisiken für Arbeitnehmer bei extremen Temperaturen abgefedert werden.

Jeder Hitzetag kostet 431 Millionen Euro

Die wirtschaftliche Dimension ist enorm. Laut einer Prognos-Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) aus Februar 2026 verursacht jeder Hitzetag Kosten von rund 431 Millionen Euro. Eine Hitzewelle im Juni 2026 forderte Schätzungen zufolge mehr als 5.000 Todesopfer in Deutschland.

Hitze ist das tödlichste Klimarisiko, warnen Experten. Bereits ein Flüssigkeitsverlust von zwei Prozent führe zu einem Leistungsabfall von etwa 20 Prozent. Gewerkschaften fordern daher verbindliche Hitzeschutzstandards für Pflegeheime, Schulen und Kitas.

Jeder dritte Arbeitnehmer stark belastet

Eine DGB-Umfrage unter 4.000 Beschäftigten zwischen Januar und April 2026 zeigt das Ausmaß: Jeder dritte Arbeitnehmer fühlt sich durch Hitze stark belastet. Bei Beschäftigten unter hohem Zeitdruck sind es sogar 48 Prozent.

Ohne Schutzregelungen steige nicht nur die Fehlerquote, sondern auch das Risiko für Arbeitsunfälle, warnt Fahimi. Das Hitze-Ausfallgeld soll als präventives Instrument dienen – es ermöglicht finanzierte Arbeitspausen oder -einstellungen bei Extremtemperaturen.

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Vorbild Dachdeckerhandwerk

Eine praktische Umsetzung gibt es bereits. Im Dachdeckerhandwerk erhalten Beschäftigte ein Ausfallgeld von 75 Prozent ihres Stundenlohns für bis zu 53 Stunden im Jahr. Die Erstattung läuft über die Sozialkasse des Dachdeckerhandwerks (Soka-Dach).

Kritik kommt aus der Rechtswissenschaft. Ein Arbeitsrechtler warnt vor einem erheblichen Bürokratieanstieg. Zudem fehlten in vielen Branchen flächendeckende Tarifverträge, was die Umsetzung erschwere.

Aktionsplan zur Tarifbindung beschlossen

Die Debatte fällt mit einem wichtigen Kabinettsbeschluss zusammen. Am 22. Juli 2026 verabschiedete das Bundeskabinett den Nationalen Aktionsplan zur Tarifbindung. Ziel ist es, die Quote von derzeit 49 Prozent wieder anzuheben – 1996 lag sie noch bei 79 Prozent. Die EU gibt eine Zielmarke von 80 Prozent vor.

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Der DGB beziffert den volkswirtschaftlichen Schaden durch mangelnde Tarifbindung auf jährlich rund 123 Milliarden Euro. Bereits umgesetzt wurden das Bundestariftreuegesetz (seit Mai 2026) und ein steuerlicher Bonus für Gewerkschaftsbeiträge (seit Jahresbeginn). Fahimi kritisierte den Aktionsplan jedoch als zu wenig ambitioniert.

Parallel plant die Regierung weitere Reformen: Ein Koalitionsbeschluss von Anfang Juli 2026 sieht vor, die Krankschreibung per Telefon abzuschaffen und die Pflicht zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits ab dem ersten Krankheitstag einzuführen. Die Maßnahmen werden noch diskutiert.

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