Hitzearbeit, Grad

Hitzearbeit: Ab 32,5 Grad dürfen Beschäftigte die Arbeit einstellen

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 22:33 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Rekordtemperaturen von über 41 Grad fordern das Bau- und SHK-Handwerk. Betriebe führen Hitzeregelungen ein, während die Politik Förderkürzungen plant.

Hitzewelle belastet Bauhandwerk: Betriebe reagieren mit neuen Regeln
Hitzearbeit - Ein Bauarbeiter wischt sich auf einem sonnenüberfluteten Dach den Schweiß von der Stirn, mit moderner SHK-Ausrüstung im Hintergrund. 08.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ende Juni 2026 wurden in Deutschland Spitzenwerte zwischen 41,1 und 41,7 Grad Celsius gemessen. Besonders auf Dächern und Außenflächen heizen sich Oberflächen auf bis zu 80 Grad auf.

Bereits ab 30 Grad sinkt die Leistungsfähigkeit messbar. Experten beziffern den Produktivitätsverlust auf rund drei Prozent pro Grad über dieser Schwelle. Für Baden-Württemberg allein liegt der wirtschaftliche Schaden eines einzigen Hitzetages bei etwa 60 Millionen Euro – durch Krankheitsausfälle, Unfälle und geringere Produktivität.

Betriebe reagieren mit neuen Hitzeregelungen

Einige Unternehmen gehen bereits über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus. Der Dachdeckerbetrieb Drascher hat Anfang Juli eine Betriebsvereinbarung geschlossen, die Beschäftigten ab 32,5 Grad erlaubt, die Arbeit einzustellen.

Viele Betriebe verlegen ihre Arbeitszeiten in die frühen Morgenstunden. Montageteams beginnen bereits zwischen 5:00 und 6:00 Uhr, um der Mittagshitze zu entgehen. Bei temperaturbedingten Arbeitsunterbrechungen springt das Sommerausfallgeld ein: Es deckt bis zu 53 Stunden Arbeitsruhe und bietet einen Lohnersatz von 75 Prozent.

Gesundheitliche Vorsorge wird zudem immer wichtiger. Branchenberichte thematisieren verstärkt das erhöhte Hautkrebsrisiko durch intensive Sonneneinstrahlung. Zu den Standardmaßnahmen gehören mindestens drei Liter Trinkwasser pro Mitarbeiter und Tag, verschattete Pausenbereiche und regelmäßige Gefährdungsbeurteilungen der Einsatzorte.

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Scharfe Kritik an geplanten Förderkürzungen

Während die Temperaturen steigen, kühlt die politische Unterstützung für das SHK-Handwerk ab. Die Bundesregierung plant eine Neuordnung der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Ziel: bis 2030 rund 2,1 Milliarden Euro einsparen.

Michael Hilpert, Präsident des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), kritisierte die Pläne scharf. Der Effizienzbonus und der Emissionsminderungszuschlag sollen gestrichen werden. Auch der Geschwindigkeitsbonus und die förderfähigen Investitionskosten stehen zur Disposition.

Branchenvertreter warnen: Die Wärmewende drohe für Verbraucher unbezahlbar zu werden. Die Verunsicherung am Markt sei massiv. Der Haushaltsausschuss sollte sich Anfang Juli mit dem Thema befassen.

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Ansturm auf Kühltechnik – nationale Strategie gefordert

Trotz der Förderunsicherheit verzeichnet das Fachhandwerk einen regelrechten Run auf Klimaanlagen. Die Nachfrage aus dem Privatsektor steigt rasant. Fachleute weisen darauf hin, dass moderne reversible Wärmepumpen über vorhandene Heizsysteme auch kühlen können – allerdings mit technischen Risiken wie dem Taupunkt.

Die unkoordinierte Klimatisierung treibt die Spitzenlasten im Stromnetz in die Höhe. Experten warnen vor bis zu 12,9 Gigawatt zusätzlicher Last. Sie fordern eine nationale Kühlstrategie, die auch den sommerlichen Wärmeschutz nach Gebäudeenergiegesetz (GEG) stärker berücksichtigt.

Ökologische Lösungen rücken ebenfalls in den Fokus. Der Bund deutscher Baumschulen plädiert für mehr urbane Begrünung, um die Umgebungstemperaturen nachhaltig zu senken. Förderprogramme für Kälteanlagen mit natürlichen Kältemitteln sind noch bis zum 31. Dezember 2026 befristet.

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