Hitzeschutz, Arbeitsplatz

Hitzeschutz am Arbeitsplatz: Ab 26°C müssen Arbeitgeber handeln

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 20:04 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Hitzewellen belasten Unternehmen und Beschäftigte. Arbeitgeber müssen ab 26 Grad handeln, sonst drohen Bußgelder und Millionenverluste.

Hitzepflichten für Arbeitgeber: Ab 26 Grad wird es teuer
Hitzeschutz - Ein Thermometer zeigt eine hohe Temperatur an, mit einem unscharfen Büroangestellten im Hintergrund, der unter der Hitze leidet. 07.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während Österreich für den 8. Juli 2026 einen Hitzeschutzgipfel plant, zeigen Studien: Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm.

Der Schutz von Beschäftigten vor hohen Temperaturen ist keine Komfortfrage. In Deutschland regeln die Arbeitsstättenverordnung und die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR A3.5) die Anforderungen an das Raumklima.

Ab wann Arbeitgeber handeln müssen

Die ASR A3.5 setzt klare Schwellenwerte. Ab 26 Grad Celsius müssen Arbeitgeber erste Maßnahmen ergreifen – etwa Getränke bereitstellen oder den Sonnenschutz steuern. Ab 30 Grad sind wirksame Maßnahmen verpflichtend.

Räume mit über 35 Grad Celsius gelten ohne zusätzliche Hilfsmittel wie Luftduschen oder Hitzeschutzkleidung als ungeeignet für die Arbeit. Juristen verweisen auf die Fürsorgepflicht nach § 618 BGB. Zwar gibt es keinen automatischen Anspruch auf „hitzefrei“, doch bei Untätigkeit drohen Bußgelder.

Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf zeigte im Mai 2024 die Grenzen auf: Es bestätigte eine Kündigung, nachdem ein Mitarbeiter das Tragen von Sicherheitskleidung trotz hoher Temperaturen abgelehnt hatte (Az. 3 SLa 224/24).

Hitzetage kosten Milliarden

Die wirtschaftlichen Schäden sind messbar. Allianz Trade schätzt: Die Leistungsfähigkeit sinkt ab 30 Grad um etwa 3 Prozent pro zusätzlichem Grad. Das European Trade Union Institute (ETUI) beziffert die Zahl der gefährdeten Arbeitnehmer europaweit auf rund 130 Millionen.

Bereits ab 16 Grad Celsius sinke die Produktivität um 2 Prozent pro Grad, so das ETUI. Jährlich seien 277.000 Krankenhausaufenthalte und 230 Todesfälle in der EU auf Hitze am Arbeitsplatz zurückzuführen.

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Für Baden-Württemberg errechnete das Institut Prognos: Ein einziger Hitzetag verursacht Kosten von rund 60 Millionen Euro – durch Produktivitätsverluste, Unfälle und hitzebedingte Erkrankungen.

Schulen und Krankenhäuser besonders betroffen

Besonders prekär ist die Lage in öffentlichen Gebäuden. In der Steiermark ergab eine Umfrage der Gewerkschaftsjugend: 60 Prozent der Berufsschüler leiden unter massiven Hitzesymptomen wie Schwindel oder Übelkeit. In einer Werkstatt wurden 58 Grad Celsius gemessen.

Bildungsminister Christoph Wiederkehr hat für den 8. Juli 2026 einen Hitzeschutzgipfel einberufen. Thema sind Gebäudesanierungen und eine mögliche Vorverlegung der Sommerferien.

Auch im Gesundheitswesen werden die Folgen sichtbar. Die Staatsanwaltschaft Köln prüft zwölf Todesfälle in einem Leverkusener Krankenhaus zwischen dem 26. und 29. Juni 2026. Es besteht der Verdacht eines Zusammenhangs mit der Hitzewelle – in Brandenburg wurden bis zu 41,7 Grad gemessen.

Wie Unternehmen reagieren

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Die Wirtschaft sucht nach Lösungen. Am Flughafen Amsterdam Schiphol sorgte Ende Juni ein Pool auf dem Rollfeld für Aufsehen – der Betreiber kritisierte die Aktion als unzulässig. Andere Branchen setzen auf strukturelle Änderungen: Landwirtschaftliche Betriebe stellen Arbeitszeiten um, Rechenzentren investieren in Kühlkonzepte.

Aktuell sind nur etwa 20 Prozent der Privathaushalte und 50 Prozent der Büros in Deutschland klimatisiert. Die Partei Die Linke fordert daher ein Klima-Kurzarbeitergeld und einen gesetzlichen Anspruch auf hitzefreie Zeiten bei Extremwetter. Experten drängen auf EU-Ebene auf verbindliche Hitzerisikobewertungen.

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