Hitzeschutz, Gastronomie

Hitzeschutz in der Gastronomie: Ab 30 Grad Maßnahmen Pflicht

26.06.2026 - 22:31:50 | boerse-global.de

Ab Sommer 2026 gelten für Gastronomen erweiterte Regeln bei Sicherheit, Hitzeschutz und Arbeitszeit. Ein Urteil stärkt zudem Urlaubsansprüche.

Gastronomie: Neue Pflichten bei Hitze, Arbeitszeit und Urlaub
Hitzeschutz - Ein Thermometer zeigt eine hohe Temperatur an, mit einer unscharfen modernen Großküche im Hintergrund. 26.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neue gesetzliche Vorgaben, aktuelle Gerichtsurteile und steigende Temperaturen verändern die Anforderungen an Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Personalverwaltung grundlegend.

Sicherheitsbeauftragte: Neue Grenze ab 50 Mitarbeitern

Seit dem 29. Mai 2026 gilt eine wichtige Änderung: Betriebe müssen Sicherheitsbeauftragte erst ab 50 Beschäftigten benennen. Bisher lag die Grenze bei 20 Mitarbeitern. Die Neufassung des § 22 SGB VII bringt damit eine deutliche Verschiebung.

Unabhängig von dieser Schwelle bleibt die Gefährdungsbeurteilung für alle Betriebe Pflicht. Das gilt nach dem Arbeitsschutzgesetz und den DGUV-Vorschriften.

Schutzausrüstung: Arbeitgeber in der Pflicht

Die Bereitstellung persönlicher Schutzausrüstung (PSA) wird konkretisiert. Arbeitgeber müssen notwendiges Schuhwerk für Küche und Service kostenlos stellen. Branchenempfehlungen nennen für den Küchenbereich Schuhe der Schutzklasse S3 mit erhöhter Rutschfestigkeit (SRC). Für Servicekräfte empfehlen sich Modelle der Klassen S1 oder S2 mit entsprechender Rutschhemmung.

Verstöße gegen diese Pflicht können Haftungsfolgen für die Betriebsleitung haben.

Hitzeschutz: Grenzwerte für sommerliche Temperaturen

Steigende Temperaturen zwingen zum Handeln. Ab 30 Grad Innentemperatur müssen Arbeitgeber wirksame Maßnahmen ergreifen. Jalousien, Ventilatoren oder die Bereitstellung von Getränken sind dann Pflicht.

Anzeige

Unabhängig von sommerlichen Temperaturen ist die Gefährdungsbeurteilung das zentrale Instrument für den Arbeitsschutz in jedem Gastronomiebetrieb. Mit diesen kostenlosen Vorlagen und Checklisten erstellen Sie eine rechtssichere GBU, die vor jeder Aufsichtsbehörde standhält. Gefährdungsbeurteilung: Vorlagen und Checklisten kostenlos herunterladen

Bei über 35 Grad gilt ein Raum ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen als ungeeignet für die Arbeit. Luftduschen oder Hitzepausen werden notwendig. Besonders schutzbedürftige Gruppen wie Jugendliche, Ältere oder Schwangere brauchen gesonderte Berücksichtigung. Gewerkschaften fordern bereits EU-weite verbindliche Grenzwerte und bezahlte Abkühlpausen.

Arbeitszeitreform: Wochenmodell mit 48 Stunden

Die Bundesregierung bereitet eine Reform des Arbeitszeitgesetzes vor. Ab Sommer 2026 soll ein Wochenmodell greifen. Die maximale Arbeitszeit beträgt dann 48 Stunden. Die tägliche Regelarbeitszeit bleibt formal bei acht Stunden.

Die Reform zielt primär auf tarifgebundene Betriebe ab. Wirtschaftsvertreter befürchten steigenden bürokratischen Aufwand. Arbeitnehmervertreter sehen die mögliche Aufweichung von Tagesgrenzen kritisch.

Urlaubsansprüche: Gericht stoppt Begrenzung

Das Landesarbeitsgericht Thüringen traf eine richtungsweisende Entscheidung. Eine betriebliche Praxis, die zusammenhängenden Jahresurlaub auf maximal zwei Wochen begrenzte, ist unzulässig. Urlaub muss grundsätzlich zusammenhängend gewährt werden – es sei denn, zwingende betriebliche oder persönliche Gründe sprechen dagegen.

Zudem betont das Gericht: Resturlaub verfällt nicht automatisch. Arbeitgeber müssen Mitarbeiter individuell und nachweisbar über bestehende Ansprüche informieren und zur Inanspruchnahme auffordern.

Wegeunfall im Homeoffice: Sturz zum Mittagessen zählt

Das Landessozialgericht Darmstadt erkannte den Sturz einer Mitarbeiterin auf dem Weg zum Mittagessen als Arbeitsunfall an. Voraussetzung: Das Zuhause muss ausdrücklich als Arbeitsort vereinbart sein. Der Weg muss unmittelbar der Aufrechterhaltung der Arbeitsfähigkeit dienen.

Minijob-Reform: Existenzbedrohung für Mittelstand?

Die Branche diskutiert die Zukunft flexibler Beschäftigungsmodelle. Branchenexperten warnen vor den Folgen einer geplanten Minijob-Reform. Für den gastronomischen Mittelstand könnte sie existenzbedrohend wirken. Ohne die Flexibilität dieser Stellen drohe eine Verschärfung des Personalmangels.

Anzeige

Da Minijobs in der Gastronomie unverzichtbar sind, sollten Arbeitgeber gerade bei neuen gesetzlichen Grenzen auf maximale Rechtssicherheit achten. Sichern Sie sich diese gratis Mustervorlage für einen rechtssicheren Minijob-Arbeitsvertrag, der schnell angepasst und sofort einsatzbereit ist. Kostenlose Mustervorlage: Arbeitsvertrag für Minijobber sichern

Hygienekontrollen: Hoher Druck bleibt

Der Kontrolldruck im Bereich Betriebshygiene bleibt hoch. Berichte über kurzfristige Betriebsschließungen wegen gravierender Mängel zeigen die strikte Linie der Aufsichtsbehörden. Statistiken aus dem Vorjahr belegen: In Ballungsräumen musste ein signifikanter Anteil der Betriebe temporär schließen. Häufigste Beanstandungen: verschimmelte Anlagen und mangelhafte Reinigung der Thekenbereiche.

de | wirtschaft | 69635889 |