Hitzewelle im ÖPNV: 50 Busse in Saragossa fallen aus
25.06.2026 - 01:11:30 | boerse-global.de
Die Folgen sind verheerend für Busse und Bahnen.
Die aktuelle Hitzewelle bringt den öffentlichen Nahverkehr in Europa an seine Grenzen. Eine Analyse des Projekts Climameter vom 22. Juni zeigt: Der Klimawandel verstärkt die Temperaturen in Westeuropa um bis zu vier Grad Celsius. Die Folge sind technische Defekte, Betriebsausfälle und Sicherheitsrisiken in zahlreichen Städten.
Busse und Bahnen fallen reihenweise aus
Besonders hart traf es Saragossa. Bei 40 Grad fielen am 23. Juni gleich 50 Busse aus. Fahrgäste warteten über 30 Minuten. Die Gewerkschaft Sattra kritisierte den schlechten Wartungszustand der Flotte. Zahlreiche Fahrer konnten ihren Dienst nicht antreten. Einen Tag später musste die Stadt zudem den Straßenbahnbetrieb einstellen – Grund war ein elektrischer Defekt im Batteriesystem.
Auch Deutschland kämpft mit den Folgen. In Heidelberg stoppten am 22. Juni die Straßenbahnlinien 23 und 24. Die Bitumen-Fugenmasse zwischen Schienen und Asphalt war weich geworden und verklebte die Gleise.
In Köln fielen bereits am 19. Juni zwei Klimaanlagen in einem Rechenzentrum der KVB aus. Die Server mussten runtergefahren werden. Tagelang funktionierten weder die App noch die Anzeigetafeln für Fahrgäste.
Böschungsbrand nach Bremsenüberhitzung
Ein Zugunglück verhinderte nur Glück. Am 23. Juni überhitzten gegen 14:30 Uhr auf der Main-Weser-Bahn bei Karben die Bremsen eines Zuges. Funkenflug löste einen Böschungsbrand aus. Rund 200 Fahrgäste mussten evakuiert werden. Das Feuer griff auf eine Gartenhütte und Holzstapel über.
Klimaanlagen: Große Unterschiede in den Flotten
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Die Hitzewelle offenbart die Modernisierungslücken. In Berlin absolvierten am 24. Juni neue U-Bahn-Züge ohne Klimaanlage ihren ersten Hitzestresstest.
Hamburg hat seine Busflotten komplett klimatisiert. Bei den Schienen sieht es anders aus: 126 Fahrzeuge der älteren Baureihe DT4 lassen sich nicht nachrüsten. Die neueren DT5-Züge haben Kühlung.
Wien kommt besser weg. 80 Prozent der gesamten Flotte sind klimatisiert. Bei den U-Bahnen sind es 114 von 162 Zügen, bei den Straßenbahnen 306 von 507 Fahrzeugen. Ab 25 Grad Außentemperatur kühlen die Wiener Linien automatisch um etwa fünf Grad herunter. Stärker runterkühlen wollen sie nicht – das schont den Energieverbrauch und die Kreisläufe der Fahrgäste.
In Rom gerieten Elektrobusse an ihre Grenzen. Die Klimaanlagen fraßen so viel Strom, dass die Batterieleistung nicht mehr reichte. Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) warnt zudem vor aufgeheizten Asphaltflächen an Haltestellen: Bis zu 60 Grad sind möglich – eine extreme Belastung für ältere und kranke Menschen.
Wissenschaft bestätigt den Trend
Die Climameter-Daten zeigen die regionale Intensivierung. In München lag die Temperatur am 22. Juni um 2,3 Grad höher als bei vergleichbaren Wetterlagen im vergangenen Jahrhundert. In Frankfurt waren es 1,7 Grad, in Berlin 1,2 Grad.
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Eine Studie des ECMWF im Fachmagazin Nature belegt: Extremer Hitzestress tritt in Südeuropa heute 2,5-mal häufiger auf als in den 1970er-Jahren.
Die Folgen betreffen längst nicht nur den Verkehr. In Frankreich musste Mitte Juni ein Reaktor des Kernkraftwerks Golfech vom Netz. Die Wassertemperatur der Garonne hatte die 28-Grad-Marke überschritten – zu warm für die Kühlung.
