Deutschland, Umlage

Deutschland will Umlage fĂŒr Gastransit abschaffen

30.05.2024 - 13:38:31

Höhere Gas-Transitkosten wegen der Abgabe sorgen vor allem in Mittel- und Osteuropa fĂŒr Unmut - damit soll jetzt Schluss sein. MĂŒssen jetzt Kunden in Deutschland mehr zahlen?

Deutschland will die in Europa umstrittene Gasspeicherumlage an den GrenzĂŒbergangspunkten mit den NachbarlĂ€ndern abschaffen. Darauf habe die Bundesregierung sich verstĂ€ndigt, sagte WirtschaftsstaatssekretĂ€r Sven Giegold in BrĂŒssel bei einem Treffen der EU-Energieminister.

Dies werde die Kosten fĂŒr den Gastransit durch Deutschland erheblich senken und die gemeinsamen BemĂŒhungen unterstĂŒtzen, auch NachbarlĂ€ndern eine Abkehr vom russischen Gas zu ermöglichen. FĂŒr Verbraucher in Deutschland könnte der Schritt Mehrbelastungen zur Folge haben.

Gasspeicherumlage als Kriseninstrument eingefĂŒhrt

Die Umlage wurde im Herbst 2022 infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine und der daraus folgenden Energiekrise eingefĂŒhrt und ersetzt der Firma Trading Hub Europe, die fĂŒr die deutsche Gasmarkt-Organisation zustĂ€ndig ist, Kosten zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit, etwa fĂŒr den Gaseinkauf. Die Umlage betrifft nicht nur Unternehmen und Verbraucher in Deutschland, sondern auch Importeure in NachbarlĂ€ndern, die Gas ĂŒber deutsche Pipelines beziehen. Da fĂŒr die Abschaffung eine gesetzliche Änderung nötig wird, ist der frĂŒhestmögliche Zeitpunkt den Angaben zufolge der Jahresbeginn 2025.

Es sei niemals die Absicht gewesen, mit der Umlage die Integration der MĂ€rkte in Europa zu behindern oder gar die UnabhĂ€ngigkeit von Russland zu stören, sagte Giegold. «Es ist geradezu umgekehrt. Mit dieser Umlage wurde die BefĂŒllung der Gasspeicher finanziert, die uns geholfen hat, unabhĂ€ngiger und stabiler den Markt in Europa zu halten.» 

Genaue Folgen fĂŒr Verbraucher vorerst offen

Zuletzt wurde die Erhebung bis April 2027 verlĂ€ngert. Ab Juli soll die Umlage von derzeit 1,86 Euro auf 2,50 Euro pro Megawattstunde steigen. Berechnungen des Vergleichsportals Verivox zufolge bezahlt ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh ab Juli 2024 rund 60 Euro brutto pro Jahr fĂŒr die Gasspeicherumlage. Der Anteil der Gasspeicherumlage an der gesamten Gasrechnung betrage dann rund 2 Prozent.

Der energiepolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Kruse, kritisierte die Entscheidung als vorschnell. Bevor Wirtschaftsminister Robert Habeck (GrĂŒne) gegenĂŒber NachbarlĂ€ndern einseitige Versprechungen zulasten der deutschen Gaskunden mache, mĂŒssten alle Möglichkeiten einer fairen Lastenverteilung zwischen den deutschen und auslĂ€ndischen Gaskunden ausgelotet werden, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Es muss sichergestellt werden, dass Nutzer deutscher Gasspeicher aus dem Ausland angemessen an der Speicherumlage beteiligt werden. Diese Kosten dĂŒrfen nicht auf die deutschen Gaskunden umgelegt werden.»

StaatssekretĂ€r Giegold sagte: «Die Kosten werden gemĂ€ĂŸ der bisherigen Gesetzgebung natĂŒrlich verteilt werden mĂŒssen, aber das ist dann auch Gegenstand des Gesetzgebungsprozesses.». Es sei davon auszugehen, dass die Umlage - anders als beim Export im Inland - weiter erhoben werde: «Das öffentliche Gut ist ja weiter zu finanzieren.» Die zustĂ€ndige Trading Hub Europe kalkuliert die neue Umlagehöhe laut Wirtschaftsministerium zum Ende des Jahres auf Basis aktueller beziehungsweise zu erwartender GasverbrĂ€uche.

Trading Hub Europe (THE) teilte mit, das Unternehmen habe die politischen Überlegungen zur Gasspeicherumlage vernommen. Falls es zu einer Änderung im Gesetz komme, wĂŒrde THE die Umlage zum 1. Januar 2025 auf Basis der inlĂ€ndischen Verbrauchsmengen neu berechnen. «Jedoch haben wir in unseren Prognosen fĂŒr die nĂ€chsten Gasspeicherumlageperioden nur noch geringe Volumina an GrenzĂŒbergangspunkten angenommen, sodass die Auswirkungen vermutlich gering ausfallen werden.»

In Europa sehr umstritten

Die deutsche Gasspeicherumlage ist in der EU umstritten, insbesondere bei mittel- und osteuropĂ€ischen LĂ€ndern. Die durch die Umlage erhöhten Transitkosten trĂ€fen die Regionen unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig stark und erschwerten den Zugang der EU-Mitgliedstaaten dieser Regionen zu Gasimporten aus Westeuropa, monieren sie. Infolgedessen könnten einige LĂ€nder gezwungen sein, sich stĂ€rker auf Gasimporte aus Russland zu verlassen. Das könnte ihre geopolitischen AbhĂ€ngigkeiten erhöhen und die BemĂŒhungen um eine Diversifizierung der Energiequellen untergraben.

Auch EU-Energiekommissarin Kadri Simson hatte darauf hingewiesen, dass solche Maßnahmen von Einzelstaaten die breitere Streuung von europĂ€ischen Gasimporten gefĂ€hrden könnten. Sie hat nach eigenen Angaben mehrere Briefe nach Berlin geschickt. 

Österreichs Energieministerin Leonore Gewessler sprach am Donnerstag in BrĂŒssel von «guten Nachrichten». Man sehe, dass GasflĂŒsse von Deutschland nach Österreich - also Alternativen zu russischem Gas - mit Erhöhung der Abgabe drastisch zurĂŒckgegangen seien. «Das heißt, das ist ein Faktor, der Österreich die Diversifizierung erschwert.» Man habe sich daher intensiv in vielen GesprĂ€chen um eine Lösung bemĂŒht. «Ich freue mich, dass die vielen GesprĂ€che und auch der Druck aus den NachbarlĂ€ndern geholfen haben und die deutsche Regierung das jetzt angeht», sagte die GrĂŒnen-Politikerin. 

Österreich hatte zuletzt zusammen mit Delegation aus Ungarn, Tschechien und der Slowakei in einem zu dem Energieministertreffen eingebrachten Tagesordnungspunkt ernsthafte Bedenken geĂ€ußert.

@ dpa.de