Hotelkrise: 500 Stellen fallen bei Revo-Übernahme durch Prism weg
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 13:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die insolvente Hotelkette Revo-Gruppe baut im Zuge der geplanten Übernahme durch den Investor Prism rund 500 Stellen in Deutschland ab. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kritisierte die Maßnahmen scharf und fordert Aufklärung über die Zukunft der verbleibenden Standorte.
Prism übernimmt 24 Häuser
Nach der Insolvenz der Revo-Gruppe, die zuvor über 5.000 Mitarbeiter beschäftigte, zeichnet sich eine Teilübernahme durch die international agierende Prism-Gruppe ab. Prism betreibt weltweit rund 22.000 Hotels und will 24 Häuser der insolventen Kette unter der Marke Sunday Hotels weiterführen.
Betroffen sind zahlreiche bekannte Hotelmarken, die unter dem Dach der Revo-Gruppe geführt wurden: H+ Hotels, H2, Dorint, Mercure, Vienna House Easy, Ramada sowie Standorte von Holiday Inn, Ibis, Intercity, Mövenpick und Steigenberger.
Scharfe Kritik an Kündigungspraxis
Die NGG berichtet, dass bereits 500 Beschäftigte Kündigungen erhalten haben. Das Unternehmen nutzt dabei Sonderregelungen der Insolvenzordnung (§ 113 InsO), die verkürzte Kündigungsfristen von maximal drei Monaten ermöglichen. Die Arbeitnehmervertreter fordern einen sofortigen Stopp der Entlassungen und bemängeln fehlende Transparenz.
Besonders deutlich zeigen sich die Auswirkungen in Leipzig: Bereits zum 31. Juli wurden im dortigen Vienna House 15 von 45 Mitarbeitern entlassen. Im Leipziger H-Plus Hotel sei sogar der Abbau der halben Belegschaft angekündigt worden. Die Gewerkschaft zweifelt an der Rechtmäßigkeit der Sozialauswahl. Prism bestätigte den Stellenabbau grundsätzlich, wies die Zahl von 500 Kündigungen jedoch zurück und verwies auf die Einhaltung geltenden Arbeitsrechts.
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Branche unter Druck
Die Entwicklungen bei Revo stehen exemplarisch für den erhöhten Kostendruck in der gesamten Reise- und Beherbergungsbranche. Zeitgleich gab die Lufthansa Group bekannt, im Rahmen ihres Freiwilligenprogramms „New Ways" bis zu 550 Vollzeitstellen bei der Kernmarke abzubauen. Das Sparprogramm sieht bis 2030 den Wegfall von insgesamt 4.000 Stellen vor. Hintergrund sind wirtschaftliche Belastungen durch die Krise im Nahen Osten und die Notwendigkeit, das EBIT kurzfristig um 150 bis 200 Millionen Euro zu verbessern.
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Angesichts der volatilen Marktlage veröffentlichten die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) und das Beratungsunternehmen profitize Anfang August einen Praxisleitfaden zur Liquiditätssteuerung. Branchenexperten raten Hotelbetrieben darin, ihre finanzielle Stabilität anhand von fünf zentralen Kennzahlen zu überwachen: Cashflow, Working Capital, Deckungsbeiträge, Break-even-Point und Kapitaldienstfähigkeit. Das unterstreicht die wachsende Bedeutung eines präzisen Finanzmanagements – auch um künftige Insolvenzen zu vermeiden.
