Hugo-Dorf in Berlin: Zeltstadt nach zweitem Verlust der Bleibe geräumt
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 22:36 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie als Mahnwache geführte Zeltstadt Hugo-Dorf gegenüber der Gürtelstraße im Berliner Stadtteil Friedrichshain ist zwangsgeräumt worden. Wie die Zeitung nd-aktuell am 14. Oktober 2026 berichtete, handelte es sich für die Betroffenen bereits um den zweiten Verlust ihrer Bleibe innerhalb kurzer Zeit. Zuvor war im September 2026 das ehemals besetzte Hostel in der Gürtelstraße 39–41 polizeilich geräumt worden.
Die Bewohner forderten wiederholt eine Rückkehr in das Gebäude oder die Bereitstellung einer alternativen gemeinsamen Unterkunft. Diese Forderungen seien von der Politik jedoch ignoriert worden. Nach Angaben der Bewohnerin Martina kommen einige Betroffene nun vorerst bei Bekannten unter, während andere erwägen, die Stadt zu verlassen. Ein Teil der Gruppe wisse derzeit nicht, wohin er sich wenden solle.
Kritik aus der Politik und Position des Eigentümers
Kritik an dem Vorgehen äußerte der Grünen-Abgeordnete Vasili Franco. Er bezeichnete die Maßnahme als unnötige und gesundheitsgefährdende kalte Räumung.
Aufseiten der Immobilieneigentümerin dBS Investment GmbH hieß es hingegen, das Camp sei aufgelöst worden, da die behördliche Genehmigung nicht verlängert worden sei. Das Unternehmen widersprach zudem der Einordnung des vorherigen Einsatzes: Die Maßnahme im September 2026 habe auf Grundlage eines richterlichen Durchsuchungsbeschlusses des Amtsgerichts Tiergarten stattgefunden und sei formal keine Räumung gewesen.
Der Fall Hugo-Dorf in Friedrichshain zeigt, wie schnell aus einer Mahnwache der zweite Verlust der Bleibe wird — und wie unterschiedlich Eigentümer und Betroffene dieselbe Maßnahme einordnen. Wer als Eigentümer oder Verwalter in Berlin tätig ist, sollte die formalen Anforderungen an Räumungen und die Erwartungen an Ersatzwohnraum kennen, bevor der nächste Fall eskaliert. Kostenlosen Leitfaden zu Räumungen und Ersatzwohnraum anfordern
Zudem begründete die dBS Investment GmbH ihre Schritte mit vorangegangenen Angriffen auf Bau- und Sicherheitskräfte. Mitarbeiter seien unter anderem mit Urin und Glasflaschen attackiert worden, wobei ein Arbeiter Verletzungen im Gesicht erlitten habe.
Überregionale Solidarität aus Tübingen
Der Konflikt um das Friedrichshainer Objekt sorgt auch überregional für Reaktionen in der Hausbesetzerszene. Wie indymedia am 15. Oktober 2026 berichtete, kamen Anfang der Woche Solidaritätsbekundungen aus einer Besetzung in der Kronenstraße 3 in Tübingen.
Kalte Räumungen sind politisch umstritten und rechtlich angreifbar — im Fall Hugo-Dorf bezeichnete ein Abgeordneter die Maßnahme als unnötig und gesundheitsgefährdend, während der Eigentümer auf eine fehlende Genehmigungsverlängerung und einen richterlichen Beschluss verweist. Wer sein Objekt rechtssicher halten will, braucht eine belastbare Dokumentation und ein klares Verfahren. Leitfaden zur rechtssicheren Räumung jetzt anfordern
Dortige Aktivisten sprachen den Bewohnern des geräumten Berliner Hauses ihre Unterstützung aus und forderten unter anderem, dass Wohnraum keine Ware sein dürfe, Freiräume erkämpft werden müssten und Tausende neue Hausbesetzungen folgen sollten.
