Warnstreiks, FluggÀste

Warnstreiks treffen zahlreiche FluggÀste

07.03.2024 - 13:10:13

Hunderte FlugausfĂ€lle bei der Lufthansa, geschlossene SicherheitszugĂ€nge zu den FlughĂ€fen Hamburg und Frankfurt. Große Teile des deutschen Flugverkehrs lahm. Einige Aktionen kamen ĂŒberraschend.

Warnstreiks an mehreren deutschen FlughĂ€fen fĂŒhren seit DonnerstagfrĂŒh zu zahlreichen FlugausfĂ€llen. Bei der grĂ¶ĂŸten deutschen Fluggesellschaft Lufthansa ist der nĂ€chste Warnstreik des Bodenpersonals angelaufen; er soll bis Samstagmorgen (7.10 Uhr) dauern. Zudem legten an mehreren FlughĂ€fen die Luftsicherheitskontrolleure die Arbeit nieder. Die Lufthansa will wĂ€hrend des Warnstreiks 10 bis 20 Prozent ihres ursprĂŒnglichen Flugplans fliegen.

Umsteigen auf ZĂŒge ist fĂŒr die Passagiere nur in Grenzen möglich: Bei der Deutschen Bahn streiken seit DonnerstagfrĂŒh fĂŒr 35 Stunden die LokfĂŒhrer im Personenverkehr.

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi am Frankfurter Flughafen lief der Lufthansa-Ausstand sehr erfolgreich an. An dem Flughafen können keine Passagiere einchecken, weil die Sicherheitskontrolle ebenfalls bestreikt wird. Nur das Umsteigen von einem Flugzeug in das andere ist möglich - die Lufthansa fliegt ein Notprogramm. Auch in Hamburg, DĂŒsseldorf und Köln/Bonn legte das Kontrollpersonal die Arbeit nieder. Bei den beiden NRW-FlughĂ€fen begann der Arbeitskampf ohne AnkĂŒndigung - sodass sich der Flughafen und seine Partner nicht darauf einstellen konnten.

Alle Passagiere, die fĂŒr Donnerstag einen Flug ab DĂŒsseldorf geplant hĂ€tten, seien gebeten, sich vor ihrer Anreise bei den Airlines oder den Reiseveranstaltern ĂŒber ihren Flugstatus zu informieren, so der Flughafen. In Köln/Bonn soll insbesondere der Frachtverkehr empfindlich getroffen werden, PassagierflĂŒge sollen nicht betroffen sein.

Hunderte bei Streikversammlung

Am Frankfurter Flughafen versammelten sich am Donnerstagmorgen mehrere Hundert Streikende auf einem Parkplatz zu einer Kundgebung. «Auch unsere Löhne sollen abheben», stand auf einem an der BĂŒhne angebrachten Plakat. «Wir sind es wert», hieß es auf einem Banner am GebĂ€ude schrĂ€g gegenĂŒber. «Der 'brave Boden' ist ein fĂŒr allemal Geschichte», rief eine Rednerin begeistert. Nach der Kundgebung war eine Demonstration am Lufthansa-GebĂ€ude geplant, wo die Bilanz-Pressekonferenz des Unternehmens stattfand.

In der sehr ruhigen Ankunftshalle des Frankfurter Terminal 1 mussten sich die gestrandeten Passagiere selbst helfen. Das Ehepaar Susana und Alexander Gerlach aus DĂŒsseldorf saß nach der Ankunft aus Brasilien erstmal am Flughafen fest. «Wir haben vorgestern von der Lufthansa die Info bekommen, dass unser Anschlussflug gestrichen wurde», erzĂ€hlte Susana Gerlach. Ein Zug nach DĂŒsseldorf fahre wegen des LokfĂŒhrer-Streiks nicht, die Mietwagen seien alle ausgebucht, nun wĂŒrden sie von einer Bekannten mit dem Auto abgeholt. «Sie hat schon angerufen und gesagt, dass sie im Stau steht», ergĂ€nzte ihr Mann.

Bereits am Mittwochabend waren die technischen Abteilungen der Lufthansa in die inzwischen fĂŒnfte Warnstreikwelle gegangen, die am Morgen auf die passagiernahen Bereiche im Terminal ausgeweitet wurde. Verdi will auf diese Weise höhere ZugestĂ€ndnisse des Managements bei den laufenden Tarifverhandlungen fĂŒr rund 25.000 BeschĂ€ftigte des Bodenpersonals erzwingen. Auch bei den Verhandlungen mit den privaten Luftsicherheitsunternehmen geht es um rund 25.000 Leute.

Die BeeintrÀchtigungen nach Regionen

Frankfurt: Am Frankfurter Flughafen kamen wegen der fehlenden Sicherheitskontrollen keine Passagiere, die von Frankfurt aus abreisen wollen, in den Sicherheitsbereich des Flughafens. Es finden dennoch Starts und Landungen statt, sodass zumindest TransitgÀste umsteigen konnten. Auch Ausstiege in Frankfurt sind möglich.

MĂŒnchen: Der Flughafen MĂŒnchen soll trotz des Warnstreiks beim Bodenpersonal am Donnerstag und Freitag geöffnet bleiben, es wird aber mit vielen FlugausfĂ€llen gerechnet. Am Donnerstag sollen laut Flughafen rund 500 von 800 FlĂŒgen entfallen.

Stuttgart: Am Stuttgarter Flughafen seien aufgrund des Warnstreiks am Donnerstag jeweils vier Lufthansa-FlĂŒge von und nach MĂŒnchen sowie Frankfurt annulliert worden, teilte eine Sprecherin des Flughafens am Mittwoch mit.

Berlin: Auch am Hauptstadtflughafen BER soll es laut Flugplan am Donnerstag und Freitag zu vielen AusfĂ€llen bei Lufthansa-FlĂŒgen von und nach MĂŒnchen und Frankfurt kommen.

Hamburg: Der Flughafenbetreiber hat alle 141 AbflĂŒge fĂŒr Donnerstag abgesagt. FĂŒr Freitag sind laut Flughafen jeweils 15 AnkĂŒnfte und AbflĂŒge der Lufthansa annulliert worden.

DĂŒsseldorf: An den FlughĂ€fen DĂŒsseldorf und Köln/Bonn wurden wegen des Verdi-Warnstreiks fast alle Lufthansa-Verbindungen gestrichen, 13 weitere FlĂŒge wurden wegen des unangekĂŒndigten Streiks des Sicherheitspersonals gestrichen.

Weitere Streiks möglich - auch bei den Flugbegleitern

Im laufenden Tarifkonflikt bei der Lufthansa fordert Verdi 12,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 500 Euro monatlich bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Außerdem soll es eine konzernweit einheitliche InflationsausgleichsprĂ€mie in Höhe von 3000 Euro geben. Lufthansa verweist auf zurĂŒckliegende Lohnsteigerungen und hat fĂŒr einen Zeitraum von 28 Monaten bislang 10 Prozent mehr Gehalt sowie die InflationsausgleichsprĂ€mie angeboten. Die nĂ€chsten Verhandlungen sind fĂŒr den 13. und 14. MĂ€rz angesetzt.

Die Passagiere der Lufthansa mĂŒssen in naher Zukunft auch mit Streiks einer weiteren Berufsgruppe rechnen. Wenige Wochen vor Beginn der Osterferien haben am Mittwoch die Flugbegleiter und Flugbegleiterinnen der Lufthansa und ihrer Regionaltochter Lufthansa Cityline bei einer Urabstimmung der Gewerkschaft Ufo fĂŒr Streiks gestimmt. Wann mit AusstĂ€nden zu rechnen ist, blieb vorerst unklar.

SchĂ€den fĂŒr Lufthansa und Wirtschaft insgesamt

Die fortgesetzten Warnstreiks bei Lufthansa haben das Unternehmen nach seinen Angaben im laufenden Jahr bislang rund 100 Millionen Euro gekostet. DarĂŒber hinaus hielten sich zahlreiche Kunden mit Buchungen zurĂŒck, sagte Finanzvorstand Remco Steenbergen am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Frankfurt.

Auch die angeschlagene deutsche Wirtschaft leidet nach Darstellung des Wirtschaftsforschers Clemens Fuest unter den wiederholten Streiks im Luftverkehr und bei der Bahn. «Das ist eine zusĂ€tzliche Belastung, die wir eigentlich nicht gebrauchen können», sagte der Leiter des MĂŒnchner Ifo-Instituts im ZDF-Morgenmagazin. «Die Wirtschaft schrumpft, und wenn so etwas noch dazu kommt, dann fehlen ja plötzlich Teile in der Produktion, die nicht geliefert werden können, oder es können Menschen nicht zu Meetings kommen, vielleicht auch nicht zur Arbeit.»

Fuest fĂŒgte hinzu: «Man muss aber sagen, dass in Deutschland die Gewerkschaften insgesamt sehr vernĂŒnftig sind.» In den zurĂŒckliegenden zehn Jahren habe es in Frankreich vier- bis fĂŒnfmal so viele Streiktage gegeben wie in Deutschland.

@ dpa.de