IAB-Analyse, Algorithmen

IAB-Analyse: Algorithmen können 67 Prozent der Führungsaufgaben ersetzen

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 22:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Konzerne bauen Managementstellen ab, während KI neue Aufgaben schafft und Empathie sowie Urteilsvermögen an Bedeutung gewinnen.

KI und Kostendruck verändern deutsche Führungsetagen grundlegend
Ein modernes, leeres Bürogebäude mit Glaswänden und langen Korridoren bei Dämmerlicht, das eine Atmosphäre des Wandels und der Leere vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Ein durch Künstliche Intelligenz (KI) und steigenden Kostendruck ausgelöster Strukturwandel gefährdet zunehmend traditionelle Managementrollen in der deutschen Wirtschaft. Während zahlreiche Großkonzerne bereits signifikante Stellenstreichungen in der Führungsebene eingeleitet haben, definieren Experten die Bedeutung spezifischer Kompetenzen wie Empathie und Kommunikation für die verbleibenden Posten neu.

Radikaler Stellenabbau bei deutschen Schwergewichten

Mehrere deutsche Großunternehmen haben weitreichende Kürzungspläne für ihre Führungsebenen vorgelegt. Volkswagen plant, bis zum Ende des Jahrzehnts konzernweit mehr als 5500 Führungsstellen abzubauen. Dies entspricht bei weltweit rund 21.500 Managern fast jedem vierten Posten.

Auch bei der Deutschen Bahn zeichnen sich deutliche Einschnitte ab: Laut Bahnchefin Evelyn Palla sollen rund 30 Prozent der Arbeitsplätze in der Konzernleitung entfallen, was mehr als 1000 Mitarbeiter betrifft. Zudem werden 21 von 43 Führungsposten unmittelbar unterhalb der Vorstandsebene gestrichen.

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer hat seit 2023 bereits rund 14.000 Stellen weltweit abgebaut und dabei die Führungspositionen um zwei Drittel reduziert – von ursprünglich 17.000 auf nun gut 5000 Manager.

Die Lufthansa wiederum kündigte einen Abbau von 4000 Stellen bis zum Jahr 2030 an, wobei bis zu 550 Vollzeitstellen auf die Lufthansa Airlines und zentrale Bereiche entfallen sollen.

Statistiken belegen zunehmenden Druck auf Führungskräfte

Die Entwicklung schlägt sich bereits in offiziellen Statistiken und Umfragen nieder. Eine Civey-Umfrage für das Handelsblatt aus dem Juli 2026 ergab, dass 40 Prozent der Topmanagement-Entscheider angaben, ihr Unternehmen habe in den vergangenen zwölf Monaten Stellen im mittleren Management abgebaut. Die Bundesagentur für Arbeit registrierte für das Jahr 2025 bereits 14,3 Prozent mehr arbeitslose Führungskräfte als im Vorjahr.

Laut dem Job-Futuromat des IAB lassen sich Führungsaufgaben zu 67 Prozent durch Algorithmen ersetzen, wobei das mittlere Management als besonders gefährdet gilt. Michael Brigl, Zentraleuropachef der BCG, wies darauf hin, dass durch den Einsatz von KI die Anzahl der Managementebenen in Unternehmen von zehn auf vier sinken könne. WHU-Professorin Fabiola Gerpott warnte zudem, dass das eigentliche Erdbeben für die Branche erst noch bevorstehe.

Anzeige

Angesichts des massiven Wandels in den Managementebenen wird die gezielte Förderung und Bindung von Leistungsträgern für Unternehmen immer kritischer. Dieser kostenlose Praxisleitfaden liefert konkrete Maßnahmen, die moderne Führungskräfte sofort im Alltag umsetzen können, um Potenziale zu erkennen und das Team zu stärken. Praxiswissen zur Mitarbeiterentwicklung jetzt kostenlos herunterladen

KI als Treiber für Effizienz und neue Rollenbilder

In der Praxis zeigt KI bereits deutliche Auswirkungen auf die Arbeitsgeschwindigkeit. Ein Bericht des Bitkom zum Projekt „Beyond the Pilot“ aus dem Jahr 2026 belegt am Beispiel des Unternehmens DOMCURA, dass die Bearbeitungszeit von Schäden durch KI-Unterstützung von sechs bis acht Wochen auf wenige Tage sank; bei vollständigen Unterlagen verkürzte sich der Prozess auf zehn Minuten.

Unternehmen reagieren auf diese Entwicklung mit neuen Verantwortlichkeiten. Die ERGO Group besetzt zum 1. Oktober 2026 mit Guy Goldstein die neu geschaffene Position des Chief Artificial Intelligence Officers (CAIO) im Vorstand.

Parallel dazu verlässt der bisherige Chief Digital Officer Mark Klein das Unternehmen Ende des Jahres. Bei Google erreichte der Anteil von KI-erzeugtem Code in der Softwareentwicklung im Sommer 2026 bereits 75 Prozent, wie Deutschlandchef Philipp Justus ausführte.

Anzeige

Da KI-Systeme zunehmend Managementaufgaben übernehmen, rücken rechtliche Rahmenbedingungen wie der EU AI Act in den Fokus der Unternehmensführung. Ein kostenloser Download verschafft Ihnen den Überblick über Fristen und Pflichten, den Ihre Rechts- und IT-Abteilung jetzt dringend braucht. Umsetzungsleitfaden zur EU-KI-Verordnung kostenlos sichern

Neue Anforderungen an die Führungskompetenz

Trotz der Automatisierung bleiben menschliche Fähigkeiten laut Experten entscheidend. Martina van Hettinga von I-Potentials betonte, dass das Urteilsvermögen zur entscheidenden Führungskompetenz werde. Auch Amazon-Gründer Jeff Bezos vertritt die Ansicht, dass Menschen mit Erfindergeist nicht durch KI ersetzt werden könnten.

Eine Studie von Advance und McKinsey prognostiziert, dass bis 2030 rund 25 Prozent der von Frauen und 28 Prozent der von Männern ausgeübten Arbeitsaktivitäten automatisiert werden könnten.

In den Bereichen Pflege, Gesundheit und Bildung liege dieses Potenzial hingegen nur bei 19 Prozent. Rund ein Viertel der befragten HR-Verantwortlichen sieht im steigenden Stellenwert von Empathie, Zusammenarbeit und Beziehungsarbeit eine besondere Chance für Frauen in Führungspositionen.

Gleichzeitig verschärfen sich die regulatorischen Anforderungen. Laut TÜV Rheinland müssen Hersteller seit dem 11. September 2026 im Rahmen des Cyber Resilience Act Sicherheitsvorfälle aktiv melden. Zudem sind Unternehmen bereits seit Februar 2025 durch den EU AI Act dazu verpflichtet, die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten aktiv zu fördern.

Disclaimer...

de | wirtschaft | 70187091 |