IAV-Tarifvertrag: 2.000 Stellen bis Ende 2027, Kündigungsschutz bis 2028
Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 05:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Ingenieurdienstleister IAV und die Gewerkschaft IG Metall haben am 7. August 2026 eine Einigung über einen umfassenden Zukunftstarifvertrag erzielt. Die Vereinbarung sieht vor, alle bestehenden Standorte in Deutschland dauerhaft zu sichern, während gleichzeitig ein signifikanter Abbau der Belegschaft eingeleitet wird. Mit diesem Schritt reagieren die Vertragspartner auf die strukturellen Herausforderungen in der Automobilbranche und zielen darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens langfristig zu stabilisieren.
Personalabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen
Ein zentraler Bestandteil der Einigung ist die Reduzierung der Belegschaft in Deutschland. Den Plänen zufolge soll die Anzahl der Stellen von aktuell 5.000 auf 2.970 bis zum Ende des Jahres 2027 gesenkt werden. Insgesamt bedeutet dies den Wegfall von über 2.000 Arbeitsplätzen. Um diesen Prozess sozialverträglich zu gestalten, wurde vereinbart, den Stellenabbau primär über gezielte Ansprache- und Freiwilligenprogramme umzusetzen.
Im Gegenzug für die weitreichenden Kürzungen konnten Arbeitnehmervertreter wichtige Garantien für die verbleibende Belegschaft durchsetzen. So sind betriebsbedingte Kündigungen für die Beschäftigten bis Ende 2028 explizit ausgeschlossen. Dieser Zeitraum soll dem Unternehmen die nötige Stabilität verleihen, um den personellen Umbau ohne zusätzliche soziale Härten für die Belegschaft abzuschließen.
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Strategische Neuausrichtung der deutschen Standorte
Trotz der Verkleinerung des Personalkörpers bekennt sich IAV zum Erhalt aller deutschen Standorte. Die Einigung sieht vor, dass jeder Standort eine spezifische strategische Rolle innerhalb des Konzerns einnimmt. Berlin wird dabei als Zentrum für Kernkompetenzen gestärkt und soll zudem als zentraler IT-Hub fungieren. Dies markiert eine Stabilisierung für den Berliner Stammsitz, an dem aktuell 1.250 Mitarbeiter beschäftigt sind und dem noch im Frühjahr die Schließung gedroht hatte.
Weitere Schwerpunkte der Standortstrategie betreffen Gifhorn und Stollberg. Während Gifhorn als künftiges Entwicklungszentrum positioniert wird, bleibt auch der Standort Stollberg mit seinen derzeit 800 Beschäftigten als fester Teil der Unternehmensstruktur erhalten. Insgesamt betreibt IAV in Deutschland fünf Standorte mit einer Gesamtbelegschaft von rund 5.500 Mitarbeitern, wobei die neuen Personalvorgaben die künftige Kapazitätsplanung definieren.
Hintergrund der Umstrukturierung
Die Notwendigkeit für den Zukunftstarifvertrag ergab sich aus einer wirtschaftlich angespannten Lage. Anfang Mai zeichnete sich eine existenzbedrohende Situation für den Stammsitz in Berlin ab, was die Verhandlungen über eine grundlegende Neuausrichtung beschleunigte. IAV gehört zu den bedeutenden Akteuren in der automobilen Entwicklung, wobei die Volkswagen AG mit einem Anteil von 50 % als größter Anteilseigner fungiert.
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Branchenkenner werten den nun geschlossenen Vertrag als Versuch, die Kostenstruktur des Dienstleisters an die veränderten Bedingungen der Elektromobilität und der digitalen Transformation anzupassen. Durch die Fokussierung auf IT-Kompetenzen und spezialisierte Entwicklungszentren soll IAV für künftige Aufträge innerhalb und außerhalb des Volkswagen-Konzerns besser aufgestellt werden. Die Umsetzung der Freiwilligenprogramme wird in den kommenden Monaten eine zentrale Aufgabe für die Personalabteilungen und den Betriebsrat darstellen.
