Metall, Beschäftigte

IG Metall: 175.000 Beschäftigte protestieren gegen Stellenabbau an 280 Orten

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 02:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Betriebsräte und Gewerkschaften wehren sich gegen geplante Kürzungen, während Unternehmen mit Kostendruck und Überkapazitäten argumentieren.

Industrie-Stellenabbau: Widerstand bei Bilstein, Mercedes und VW wächst
Ein großes, älteres Fabrikgebäude mit hohen Schornsteinen unter einem bedeckten Himmel, das eine industrielle Industrieanlage darstellt. Illustration mit AI erstellt.

Betriebsräte und Gewerkschaften stellen sich mit wachsendem Widerstand gegen geplante Stellenstreichungen und den Abbau von Überkapazitäten in der deutschen Industrie. Vor allem in der Automobilbranche und bei deren Zulieferern verschärfen sich die Auseinandersetzungen zwischen Belegschaften und Unternehmensleitungen um Verlagerungspläne, Werkschließungen und Eingriffe in bestehende Arbeitszeitregelungen.

Unruhe beim Fahrwerkspezialisten ThyssenKrupp Bilstein

Exemplarisch zeigt sich der Konflikt beim Traditionszulieferer ThyssenKrupp Bilstein. Die Geschäftsführung informierte Anfang September 2026 darüber, dass an den Standorten Ennepetal und Essen bis zu 180 Arbeitsplätze wegfallen könnten.

Vorgesehen sei eine teilweise Verlagerung der betroffenen Aufgaben ins Ausland. Während die Fertigung am Gründungsort Ennepetal nach Angaben des Unternehmens unberührt bleiben soll, trifft der geplante Abbau insbesondere die Bereiche Forschung und Entwicklung.

Das Management begründete die Schritte mit anhaltendem Wettbewerbs- und Kostendruck. Für die Belegschaft stellt dies bereits die zweite Abbauwelle dar, nachdem bei einer Restrukturierung im Vorjahr rund 100 Stellen gestrichen worden waren.

Eine endgültige Entscheidung sei laut Unternehmensangaben noch nicht gefallen; die genaue Ausgestaltung soll nun mit den Mitbestimmungsgremien beraten werden. Der Betriebsratsvorsitzende Binali Ateser erklärte jedoch, das Vertrauen in Bilstein sei verloren.

Die IG Metall Ennepe-Ruhr-Wupper um Mathias Hillbrandt und der Betriebsrat schalteten daher einen externen Berater sowie rechtlichen Beistand ein. Zusätzliche Verunsicherung herrscht am Standort, da der bereits 2025 vereinbarte Stellenabbau bislang kaum umgesetzt worden war.

Massenproteste und Schließungsdrohungen bei Autobauern

Der Unmut beschränkt sich keineswegs auf Zulieferbetriebe. Bei einem bundesweiten Aktionstag der IG Metall protestierten am 21. September 2026 rund 175.000 Beschäftigte an über 280 Orten unter dem Motto Zukunft statt Kahlschlag gegen den Verlust von Arbeitsplätzen.

Schwerpunkte lagen unter anderem im Südwesten, wo rund 48.000 Beschäftigte an knapp 50 Orten auf die Straße gingen – darunter allein rund 20.000 am Mercedes-Standort Sindelfingen, über 6.000 bei Audi in Neckarsulm und über 5.000 in Stuttgart-Untertürkheim.

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Bei Mercedes-Benz verschärfte sich die Konfrontation weiter, als Produktionsvorstand Michael Schiebe am 23. September 2026 auf einer Betriebsversammlung ankündigte, zwei deutsche Standorte – ein Montagewerk und ein Powertrainwerk – schließen zu müssen, sollten die Kosten am Heimatstandort nicht deutlich sinken.

Nach Angaben von Betriebsratsvertretern fordert der Konzern eine Ausweitung auf eine 40-Stunden-Woche bei Bezahlung wie für 35 Stunden sowie Kürzungen bei Sonderzahlungen und bezahlten Pausen, um die Arbeitskosten in Deutschland um bis zu 800 Millionen Euro zu senken.

Michael Häberle, stellvertretender Gesamtbetriebsratsvorsitzender, wies darauf hin, dass die weltweite Gesamtkapazität des Konzerns von derzeit knapp 2,4 Millionen Einheiten pro Jahr mittelfristig um das Jahr 2028 oder 2029 auf 2 bis 2,2 Millionen reduziert werden solle, während in Ungarn die Kapazität in diesem Jahr auf 400.000 Fahrzeuge verdoppelt wurde.

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Industrieller Strukturwandel unter scharfem Kostendruck

Auch bei Volkswagen spitzt sich die Lage zu. Nachdem Konzernchef Oliver Blume einen verschärften Sparkurs mit dem Abbau von Überkapazitäten in Europa und dem möglichen Wegfall von bis zu 60.000 weiteren Stellen vorstellte, zogen IG Metall und Betriebsrat Mitte September die Revisionsklausel des Zukunftstarifvertrags.

Für Standorte wie das von Schließung bedrohte Werk Zwickau-Mosel forderte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer jüngst verlässliche Perspektiven und eine gemeinsame Arbeitsgruppe.

Die aktuellen Konflikte spiegeln einen branchenweiten Abwärtstrend wider. Nach Erhebungen der Bundesagentur für Arbeit gehen in der Industrie aktuell monatlich rund 15.000 Arbeitsplätze verloren; im Gesamtjahr 2025 fielen bundesweit mehr als 135.000 Industriestellen weg. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft sank die Zahl der Beschäftigten in der Industrie 2025 zudem auf ein Zehnjahrestief von 6,6 Millionen.

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