IG Metall droht mit Streiks für vier Millionen Beschäftigte
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 06:26 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSTarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie
- IG-Metall-Chefin Christiane Benner erklärt die Gewerkschaft in der laufenden Tarifrunde für streikbereit.
- Die Verhandlungen betreffen rund vier Millionen Beschäftigte.
- Benner schlägt eine allgemeine Gehaltserhöhung und eine tarifliche Gewinnbeteiligung vor.
- Forderungen nach längeren Arbeitszeiten bei Mercedes weist sie als Provokation zurück.
Die IG Metall droht den Arbeitgebern in der laufenden Tarifrunde für vier Millionen Beschäftigte mit Streiks. Gewerkschaftschefin Christiane Benner sagte der Süddeutschen Zeitung, man werde den Forderungen Nachdruck verleihen, falls die Arbeitgeber mauerten.
Benner schlägt zweigeteilten Abschluss vor
Um auf die Probleme der Autoindustrie Rücksicht zu nehmen, plädiert Benner für einen Tarifabschluss in zwei Teilen. Vorgesehen seien eine allgemeine Gehaltserhöhung, mit der auch die Autobranche leben könne, und eine tarifliche Gewinnbeteiligung für Beschäftigte in Boomfirmen.
Benner wies Forderungen etwa von Mercedes nach längeren Arbeitszeiten zurück. Mercedes-Chef Ola Källenius wisse genau, was er tue, nämlich „pure Provokation“, sagte sie.
Kritik an der Autoindustrie
Wenn Källenius den Konflikt wolle, könne er ihn haben, erklärte Benner. Die deutschen Autokonzerne müssten ihre Bürokratie abbauen, Innovationen fördern, investieren und neue Märkte erschließen.
Die Automanager wollten 40-Stunden-Wochen einführen, „aber selber weiterschlafen“, kritisierte die IG-Metall-Chefin. Zugleich warf sie den deutschen Automanagern vor, in der Vergangenheit viele Fehler gemacht zu haben.
Streit über Stellenabbau bei Volkswagen
Benner widersprach außerdem dem Eindruck, die IG Metall habe dem Abbau von 50.000 Stellen bei Volkswagen zugestimmt. Wenn VW etwas wolle, müsse der Konzern mit der Gewerkschaft verhandeln.
Die Beschäftigten vermissten zu Recht Respekt für ihre Arbeit, sagte Benner. „Statt Perspektiven kriegen die VW-Beschäftigen vom Vorstand ständig Schläge in den Nacken.“
Die Tarifrunde betrifft rund vier Millionen Beschäftigte und fällt in eine Phase, in der die deutsche Metall- und Elektroindustrie zugleich mit schwacher Nachfrage, hohen Kosten und dem technologischen Umbau der Autoindustrie konfrontiert ist. Dadurch stehen Lohnforderungen, Beschäftigungssicherung und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen unmittelbar nebeneinander.
Der von Christiane Benner vorgeschlagene zweistufige Abschluss zielt auf einen Ausgleich zwischen diesen Interessen. Eine allgemeine Erhöhung würde allen Beschäftigten zugutekommen, während eine Gewinnbeteiligung besonders erfolgreiche Unternehmen und deren Belegschaften stärker verbinden könnte. Für die Gewerkschaft wäre ein solcher Ansatz zugleich eine Reaktion auf die unterschiedliche Lage einzelner Branchen und Betriebe.
Tarifrunde mit hoher Konfliktgefahr
Die Auseinandersetzung über längere Arbeitszeiten verschärft den Konflikt zusätzlich. In der Autoindustrie werden Arbeitszeitmodelle als möglicher Beitrag zur Kostensenkung diskutiert, während die IG Metall darin eine Verlagerung des Anpassungsdrucks auf die Beschäftigten sieht. Besonders sensibel ist die Lage bei Volkswagen, wo bereits über umfangreiche Einsparungen und Stellenabbau gestritten wird.
Für die Beschäftigten bedeutet die Drohung mit Streiks, dass nach dem Ende der Friedenspflicht Arbeitskampfmaßnahmen möglich werden, falls die Verhandlungen scheitern. Für Unternehmen könnten längere Ausstände Produktion und Lieferketten beeinträchtigen. Der weitere Verlauf hängt deshalb vor allem davon ab, ob beide Seiten einen Abschluss finden, der finanzielle Entlastung der Betriebe mit Einkommenserhöhungen und Beschäftigungsperspektiven verbindet.
