Metall, Mercedes-Benz

IG Metall protestiert: Mercedes-Benz plant Arbeitszeitausweitung

Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 23:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mercedes-Mitarbeiter protestieren gegen Sparpläne und Arbeitszeitdebatte. Der Konzern verweist auf hohe Kosten und schwache Halbjahreszahlen.

IG Metall bei Mercedes: Offener Brief gegen Rente mit 70 und längere Arbeitszeiten
Arbeitsprozess in einer modernen Mercedes-Benz Montagehalle mit Fokus auf Fertigungsroboter und Industriearbeiter. Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de

Die Vertrauenskörperleitungen der IG Metall bei Mercedes-Benz haben sich in einem offenen Brief an Bundeskanzler Merz gewandt. Ihr Protest richtet sich gegen die Diskussion über eine Anhebung des Renteneintrittsalters und die Forderungen der Konzernleitung nach flexibleren Arbeitszeitregelungen. Die Gewerkschafter warnen vor einer einseitigen Belastung der Beschäftigten und fordern einen Kurswechsel.

„Realitätsfern“ – Widerstand gegen längere Arbeitszeiten

Die Arbeitnehmervertreter bezeichnen die Debatte über eine mögliche Rente mit 70 als realitätsfern. Sie pochen auf den Erhalt des Achtstundentags und lehnen eine Aufweichung gesetzlicher Arbeitszeitregelungen ab. Die IG Metall spricht von einem Versuch des sozialen Rückschritts. Bereits Anfang Juli hatten rund 33.000 Mitarbeiter unter anderem am Standort Bremen gegen die Sparpläne des Vorstands demonstriert – damals ging es um die mögliche Abschaffung der 35-Stunden-Woche.

CEO Källenius pocht auf Kostensenkungen

Parallel zum Gewerkschaftsappell bekräftigte Mercedes-CEO Ola Källenius seine Forderung nach strukturellen Anpassungen. Der Vorstandsvorsitzende verweist auf einen erheblichen Kostennachteil der deutschen Standorte. Die Arbeitskosten liegen hier bei rund 49,50 Euro pro Stunde – in Ungarn sind es lediglich 15,60 Euro. Um diesen Unterschied von etwa 70 Prozent auszugleichen, drängt die Konzernführung auf längere Arbeitszeiten und mehr Leiharbeitnehmer.

Schwache Halbjahresbilanz heizt den Konflikt an

Die wirtschaftliche Lage verschärft den internen Streit. In der am 28. Juli vorgestellten Halbjahresbilanz prognostiziert Mercedes für 2026 einen Umsatzrückgang von bis zu 7,5 Prozent. Die operative Rendite liegt bei mageren 4 Prozent – im Vorjahr waren es noch 9,6 Prozent. Besonders das Chinageschäft bereitet Sorgen: Die Auslieferungen brachen im ersten Halbjahr um 28 Prozent ein.

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Zwar stieg das operative Ergebnis im zweiten Quartal auf 1,09 Milliarden Euro. Dennoch hält der Konzern an seinem Sparkurs fest. In der Verwaltung wurden bereits 5.500 Stellen gestrichen, was die Kosten um 14 Prozent senkte. Der Gewinn in der Pkw-Sparte halbierte sich im ersten Halbjahr nahezu. Um die Aktionäre bei Laune zu halten, kündigte Mercedes einen Aktienrückkauf im Volumen von einer Milliarde Euro an.

Produktion wandert nach Osteuropa ab

Das Management setzt zunehmend auf den Standort Ungarn. Das Werk in Kecskemét hat seine Kapazität auf 400.000 Fahrzeuge verdoppelt und ist nun die größte Fabrik des Konzerns in Europa. Künftig soll dort auch das Modell GLC vom Band laufen – das erhöht den Druck auf das Werk in Bremen. Die IG Metall kritisiert den starken Fokus auf Arbeitskostensenkung, verweist aber auf eine Beschäftigungssicherung für deutsche Standorte bis 2035.

Für das Werk in Ludwigsfelde, wo der Sprinter gefertigt wird, gibt es laut Gewerkschaft derzeit keine Schließungspläne. Dort entsteht eine Pilotfabrik für Elektroantriebe, und es wird über die Auslastung über 2030 hinaus verhandelt.

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Branchenweiter Stellenabbau

Die Situation bei Mercedes steht exemplarisch für einen trend in der deutschen Industrie. Laut Bundesagentur für Arbeit wurden 2025 rund 177.000 Industriearbeitsplätze abgebaut – 52.000 davon in der Automobilbranche und bei Zulieferern. Auch die Konkurrenz kämpft: BMW verzeichnete im zweiten Quartal 2026 einen Gewinneinbruch von 35 Prozent und plant den Abbau von 8.000 Stellen weltweit. Bei Volkswagen stehen Berichten zufolge Kürzungen von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen im Raum.

Die IG Metall kündigt für die kommenden Monate verstärkte Proteste an. Die Bundesregierung plant für Ende August eine Kabinettsklausur. Die Arbeitnehmervertreter fordern eine Industriepolitik, die den Erhalt der Kernbelegschaften sichert – statt den Standortwettbewerb über die Arbeitszeit zu führen.

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