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WDH / ROUNDUP: Warnschuss fĂŒr Biden bei Vorwahl in Michigan - Trump siegt klar

28.02.2024 - 09:36:12

(Im 1. Absatz "der frĂŒhere" ergĂ€nzt vor Trump)LANSING/WASHINGTON - US-PrĂ€sident Joe Biden hat bei der Vorwahl der Demokraten im Bundesstaat Michigan zwar wie erwartet einen klaren Sieg eingefahren - das Ergebnis dĂŒrfte ihm aber dennoch Sorgen bereiten.

(Im 1. Absatz "der frĂŒhere" ergĂ€nzt vor Trump)

LANSING/WASHINGTON (dpa-AFX) - US-PrĂ€sident Joe Biden hat bei der Vorwahl der Demokraten im Bundesstaat Michigan zwar wie erwartet einen klaren Sieg eingefahren - das Ergebnis dĂŒrfte ihm aber dennoch Sorgen bereiten. Der faktisch konkurrenzlose Amtsinhaber gewann die Abstimmung am Dienstag Prognosen zufolge mit rund 80 Prozent der Stimmen, zehntausende WĂ€hlerinnen und WĂ€hlern votierten bei der Vorwahl fĂŒr die PrĂ€sidentschaftskandidatur aber fĂŒr "unentschieden". Das dĂŒrfte in großen Teilen als Protest gegen Bidens UnterstĂŒtzung fĂŒr Israel im Gaza-Krieg zu werten sein, zumal in Michigan verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig viele Muslime leben. Auch der frĂŒhere US-PrĂ€sident Donald Trump siegte bei der Vorwahl der Republikaner klar gegen seine Konkurrentin Nikki Haley und holte Prognosen zufolge rund 67 Prozent der Stimmen, wobei die AuszĂ€hlung noch nicht abgeschlossen war. Trotz der fast 40 Prozentpunkte Vorsprung kann der 77-JĂ€hrige sich nicht zurĂŒcklehnen.

Michigan ist ein wichtiger Swing State

Wer in den Vereinigten Staaten PrĂ€sidentschaftskandidat werden will, muss sich zunĂ€chst in parteiinternen Abstimmungen in den verschiedenen Bundesstaaten durchsetzen. Ein Duell zwischen Trump und Biden bei der PrĂ€sidentenwahl am 5. November gilt als sehr wahrscheinlich. Trump liegt in parteiinternen Umfragen bei den Republikanern weit vor Haley und hat bereits bei Vorwahlen in Iowa, New Hampshire und South Carolina klar gegen die ehemalige US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen gewonnen, die einst Trumps Außenpolitik auf internationaler BĂŒhne zu vertreten hatte. Bei den Demokraten hat Biden keine ernst zu nehmende Konkurrenz. Die Republikaner kĂŒren ihren Kandidaten auf einem Parteitag Mitte Juli, die Demokraten Mitte August.

Michigan liegt im Norden der USA und zĂ€hlt rund 10 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Der industriell geprĂ€gte Bundesstaat gilt als sogenannter Swing State, der weder Demokraten noch Republikanern fest zugerechnet werden kann. Viele Bewohner Michigans arbeiten fĂŒr Autokonzerne oder deren Zulieferer, Gewerkschaften haben eine große Bedeutung. Die einflussreiche Gewerkschaft der Automobilarbeiter (UAW) unterstĂŒtzt Amtsinhaber Biden. Doch bei der Vorwahl lag das Augenmerk auf einem außenpolitischen Thema.

Große muslimische Gemeinde in Michigan

Die Abstimmung in Michigan galt als Stimmungstest dafĂŒr, wie sich Bidens Politik im Nahen Osten auf die Wahlen im November auswirken könnte, denn Muslime sind in dem Bundesstaat eine bedeutende WĂ€hlergruppe. Nach Angaben der Interessengruppe Emgage leben dort etwa 200 000 muslimische WĂ€hlerinnen und WĂ€hler. Sie könnten im November einen merklichen Einfluss auf das Wahlergebnis haben. Bei der PrĂ€sidentenwahl 2020 gewann Biden in dem Bundesstaat mit rund 155 000 Stimmen Vorsprung vor Trump.

FĂŒr Biden war der Sieg bei der Vorwahl in Michigan zwar Formsache. Doch er dĂŒrfte vor allem auf die Zahl derer schauen, die "unentschieden" gewĂ€hlt haben. Bei den vergangenen drei Vorwahlen der Demokraten in Michigan stimmten jeweils rund 20 000 Demokraten "unentschieden". Am Dienstagabend (Ortszeit) lag die Zahl bei erst 41 Prozent der ausgezĂ€hlten Stimmen bereits bei rund 50 000. Vor der Wahl hatten mehrere Gruppen aus Protest gegen Bidens Politik im Nahen Osten dazu aufgerufen, mit "unentschieden" zu stimmen. Sie fordern einen sofortigen Waffenstillstand im Gaza-Krieg und ein Ende der US-MilitĂ€rhilfe fĂŒr Israel.

Biden wegen UnterstĂŒtzung fĂŒr Israel in der Kritik

Doch nicht nur Muslime dĂŒrften Biden in Michigan ihre Stimme verwehrt haben. Auch jĂŒngere, progressive Demokraten kritisieren den PrĂ€sidenten angesichts der vielen zivilen Opfer im Gazastreifen. Biden verschĂ€rfte zwar in den Wochen nach dem beispiellosen Massaker am 7. Oktober, das Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen im SĂŒden Israels verĂŒbt hatten, seine Tonart gegenĂŒber der israelischen Regierung. Die US-Regierung betont aber gleichzeitig immer wieder Israels Recht auf Selbstverteidigung und lĂ€sst MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu nach Empfinden vieler weiterhin gewĂ€hren.

Eigentlich sind Muslime als WĂ€hlergruppe in den USA tendenziell eher den Demokraten als den Republikanern zugewandt. Auch gilt es als unwahrscheinlich, dass Muslime, die wĂŒtend ĂŒber Bidens UnterstĂŒtzung fĂŒr Israel sind, bei der PrĂ€sidentenwahl zu den Republikanern abwandern. FĂŒr Biden könnte es in einem wichtigen Swing State wie Michigan jedoch auch dann eng werden, sollten viele WĂ€hlerinnen und WĂ€hler fĂŒr einen unabhĂ€ngigen Drittkandidaten stimmen oder sich dazu entscheiden, gar nicht zu wĂ€hlen. In einer ersten Mitteilung seines Wahlkampfteams nach Veröffentlichung der Prognosen zum Wahlausgang ging der 81-JĂ€hrige weder auf das Thema Gaza-Krieg noch auf den hohen Anteil der Unentschiedenen ein.

Haley will nicht aufgeben

Wie Biden konnte auch Trump mit einem klaren Sieg bei den Vorwahlen seiner Partei in Michigan rechnen. Doch Haley holte nach AuszĂ€hlung von rund der HĂ€lfte der Stimmen immerhin gut 27 Prozent, wĂ€hrend der Rest fĂŒr unentschieden stimmte oder sich auf aussichtslose Kandidaten verteilte. Die Frage wird sein, wie viele dieser Haley-AnhĂ€nger bei der PrĂ€sidentenwahl im November am Ende fĂŒr Trump stimmen werden, falls er antreten sollte. Einige von ihnen schließen nicht aus, sogar Biden zu wĂ€hlen, um eine zweite Amtszeit Trumps zu verhindern. Dies dĂŒrfte zwar nicht fĂŒr die Mehrheit der Haley-UnterstĂŒtzer gelten. Aber sollte diese Gruppe nicht zur Wahl gehen oder einen dritten, unabhĂ€ngigen Kandidaten unterstĂŒtzen, könnte das zum großen Problem fĂŒr Trump werden.

Nun liegt ein besonderes Augenmerk auf dem 5. MĂ€rz, dem sogenannten Super Tuesday. An diesem Tag finden in 15 Bundesstaaten gleichzeitig Vorwahlen der Republikaner statt. Haley hatte am Dienstagabend in einem Interview mit dem Sender CNN deutlich gemacht, mindestens bis zum Super Tuesday im Rennen bleiben zu wollen. Trump hat sich in der Vergangenheit darĂŒber echauffiert, dass die ehemalige Gouverneurin von South Carolina trotz mangelnder Erfolgsaussichten nicht aus dem parteiinternen Rennen aussteigen wollte. Denn solange die 52-JĂ€hrige nicht aufgibt, kann er sich nicht ausschließlich auf seinen politischen Gegner Biden konzentrieren. Stattdessen muss Trump weiterhin Geld und Zeit aufwenden, um Wahlkampf gegen Haley zu machen.

@ dpa.de