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WDH / ROUNDUP 2: Mehr als zwei Dutzend Staaten drÀngen auf Kriegsende in Gaza

22.07.2025 - 13:35:08

(Im 10. Absatz wurde die Zahl der LĂ€nder, die die ErklĂ€rung unterzeichnet haben, angepasst.)ROM/TEL AVIV/GAZA - Die Außenminister von mehr als zwei Dutzend LĂ€ndern fordern in einer gemeinsamen ErklĂ€rung ein sofortiges Ende des Krieges im Gazastreifen und kritisieren zugleich Israels Umgang mit der humanitĂ€ren Hilfe fĂŒr das abgeriegelte Gebiet.

(Im 10. Absatz wurde die Zahl der LÀnder, die die ErklÀrung unterzeichnet haben, angepasst.)

ROM/TEL AVIV/GAZA (dpa-AFX) - Die Außenminister von mehr als zwei Dutzend LĂ€ndern fordern in einer gemeinsamen ErklĂ€rung ein sofortiges Ende des Krieges im Gazastreifen und kritisieren zugleich Israels Umgang mit der humanitĂ€ren Hilfe fĂŒr das abgeriegelte Gebiet. "Der Krieg in Gaza muss jetzt beendet werden", heißt es in dem Text. "Weiteres Blutvergießen dient keinem Zweck." Die weiter in Gaza festgehaltenen Geiseln mĂŒssten sofort freigelassen werden. Das israelische Außenministerium wies die ErklĂ€rung als "ohne Bezug zur Wirklichkeit" zurĂŒck.

Die ErklĂ€rung wĂŒrde ein "falsches Signal" an die islamistische Hamas senden, hieß es. Die Terrororganisation habe den Krieg begonnen und sei "allein" dafĂŒr verantwortlich, dass es trotz laufender GesprĂ€che noch zu keiner Waffenruhe und Geiselfreilassung gekommen sei, hieß es seitens des Außenministeriums.

Unterzeichnet wurde die ErklĂ€rung von zunĂ€chst 25 LĂ€ndern, unter anderem Italien, Frankreich, Österreich, das Vereinigte Königreich, Belgien und Kanada sowie von der EU-Kommissarin fĂŒr Gleichstellung und Krisenmanagement. In einer Mitteilung der britischen Regierung sind nun zusĂ€tzlich Griechenland, Zypern und Malta aufgefĂŒhrt. Deutschland gehört nicht zu den Unterzeichnern.

Israel rĂŒckt in Deir al-Balah vor

Israels MilitĂ€r rĂŒckte derweil laut Augenzeugen erstmals mit Bodentruppen in das Gebiet von Deir al-Balah im mittleren Abschnitt des Gazastreifens ein. Soldaten hĂ€tten GebĂ€ude im SĂŒdwesten der Stadt unter ihre Kontrolle gebracht und ScharfschĂŒtzen auf den DĂ€chern positioniert. Bei ihrem VorrĂŒcken stĂŒrmte die israelische Armee nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch LagerhĂ€user und andere Einrichtungen der UN-Organisation.

"Das MilitĂ€r drang in die Einrichtungen ein und zwang Frauen und Kinder (der WHO-Mitarbeiter) dazu, zu Fuß inmitten von Kampfhandlungen nach Al-Mawasi zu fliehen", beklagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus auf X. In Deir al-Balah befindet sich auch das zentrale Warenlager der UN-Organisation fĂŒr den Gazastreifen. Dieses sei bereits am Sonntag beschĂ€digt worden, hieß es.

Auch die anderen Lager der UN-Hilfsorganisation befĂ€nden sich in der von Israel definierten Kampfzone und seien deshalb nicht mehr in Betrieb, schrieb der WHO-Chef weiter. "Dies schrĂ€nkt unsere FĂ€higkeit ein, in Gaza tĂ€tig zu sein, und bringt das Gesundheitswesen in Gaza dem Zusammenbruch nĂ€her". Die israelischen StreitkrĂ€fte Ă€ußerten sich zunĂ€chst nicht zu den VorgĂ€ngen.

UNRWA-Chef: Verteilzentren fĂŒr Hilfe sind "Todesfallen"

Um die Verteilung von Lebensmitteln kĂŒmmert sich in weiten Teilen des Gazastreifens die umstrittene Gaza Humanitarian Foundation (GHF). Israel hatte den neuen Verteilmechanismus nach eigenen Angaben eingefĂŒhrt, um zu verhindern, dass die Hamas HilfsgĂŒter abzweigt. Immer wieder gibt es Berichte ĂŒber tödliche ZwischenfĂ€lle in der NĂ€he der Verteilstellen der GHF. Der Leiter des UN-Hilfswerks fĂŒr die PalĂ€stinenser (UNRWA), Phillipe Lazarrini, bezeichnete die Verteilzentren der Stiftung als "sadistische Todesfallen".

"HeckenschĂŒtzen eröffnen das Feuer willkĂŒrlich auf Menschenmengen, als hĂ€tten sie die Lizenz zum Töten. Eine massive Menschenjagd, bei völliger Straflosigkeit", schrieb er auf X. UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres sagte: "Am Wochenende kam es in Gaza zu weiteren Massenerschießungen und Tötungen von Menschen, die UN-Hilfe fĂŒr ihre Familien suchten - eine grausame und unmenschliche Tat, die ich aufs SchĂ€rfste verurteile."

Die von den USA und Israel unterstĂŒtzte GHF hat solche Berichte wiederholt als falsch zurĂŒckgewiesen. Vor EinfĂŒhrung des neuen Verteilmechanismus durch Israel hatten die UN fĂŒr die rund zwei Millionen PalĂ€stinenser rund 400 Verteilstationen betrieben. Diese funktionieren weiterhin kaum, weil Israel deren Belieferung so gut wie gar nicht zulĂ€sst. "HumanitĂ€re Hilfe ist kein Job fĂŒr Söldner", schrieb Lazzarini unter Anspielung auf den Umstand, dass die GHF-Verteilzentren von privaten amerikanischen Sicherheitsfirmen bewacht werden.

Auch Wadephul ĂŒber Lage in Gaza besorgt

Auch die Außenminister der mehr als zwei Dutzend Staaten kritisieren in ihrer ErklĂ€rung Israels Umgang mit humanitĂ€rer Hilfe: "Das Modell der israelischen Regierung fĂŒr die Bereitstellung von HilfsgĂŒtern ist gefĂ€hrlich, schĂŒrt InstabilitĂ€t und beraubt die Menschen im Gazastreifen ihrer MenschenwĂŒrde", heißt es in dem Schreiben. Deutschlands Außenminister Johann Wadephul (CDU) Ă€ußerte seine Sorgen ĂŒber die "katastrophale humanitĂ€re Lage" in Gaza auf X. Er habe mit seinem israelischen Kollegen telefoniert. "Wir fordern Israel dringend auf, die Vereinbarungen mit der EU zur Ermöglichung humanitĂ€rer Hilfe umzusetzen."

Zuvor hatte Israels Armee die Menschen mehrerer Stadtteile in Deir al-Balah aufgefordert, sich in den SĂŒdwesten nach Al-Mawasi zu begeben. Die Zeltsiedlung definiert Israel als sicheren RĂŒckzugsraum fĂŒr Zivilisten. Allerdings hatte es in der Vergangenheit auch dort israelische Angriffe mit vielen Toten gegeben. Israel hatte sich bislang in Deir al-Balah militĂ€risch zurĂŒckgehalten, weil dort von der islamistischen Hamas verschleppte Geiseln vermutet werden.

Mit der RĂ€umungsanordnung fĂŒr Deir al-Balah befinden sich nach Angaben des UN-NothilfebĂŒros OCHA nun 87,8 Prozent der FlĂ€che des Gazastreifens unter Evakuierungsbefehl oder innerhalb Israels militĂ€rischer Sperrgebiete. Die Bevölkerung sei nun auf zwölf Prozent des Gazastreifens zusammengepfercht. Das KĂŒstengebiet am Mittelmeer ist flĂ€chenmĂ€ĂŸig etwa so groß wie MĂŒnchen.

@ dpa.de