WDH / ROUNDUP / Oxfam: Vermögen der MilliardÀre wÀchst immer schneller
20.01.2025 - 17:38:08(Im 7. Absatz muss es korrekt die Vorstandsvorsitzende heiĂen)
DAVOS (dpa-AFX) - Das Vermögen der Superreichen auf der Welt wÀchst immer schneller. Das geht aus einem Bericht hervor, den die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam vor dem Start des Weltwirtschaftsforums in Davos veröffentlicht. Demnach gibt es weltweit inzwischen 2.769 MilliardÀrinnen und MilliardÀre - allein im vergangenen Jahr kamen 204 neu dazu. Gleichzeitig stagniere die Zahl der Menschen, die unter der erweiterten Armutsgrenze der Weltbank lebten und die Zahl hungernder Menschen steige.
Dem Oxfam-Bericht liegen Daten aus verschiedenen Quellen zugrunde. So fĂŒhrte Oxfam etwa Forbes-SchĂ€tzungen zum Vermögen von MilliardĂ€ren mit Daten der Weltbank und solchen aus dem UBS CH0244767585-Weltvermögensreport zusammen.
"Breite Schultern mĂŒssen mehr tragen"
"Die aktuellen Zahlen von Oxfam bestĂ€tigen eine Entwicklung, die wir mit groĂer Sorge beobachten - die Gesellschaft driftet wirtschaftlich weiter auseinander", kommentierte Michaela Engelmeier, die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD).
Aus der eigenen Sozialberatung bekomme der Verband immer hĂ€ufiger die RĂŒckmeldung, dass immer mehr Menschen nicht mehr wissen, wie sie ihr Leben bestreiten sollen. Immer mehr fĂŒhlten sich abgehĂ€ngt. Engelmeier: "Die Politik muss hier dringend gegensteuern. Deutschland ist seit Jahren im Dauer-Krisen-Modus und deshalb gilt jetzt besonders: Breite Schultern mĂŒssen mehr tragen."
Gibt es bald den ersten BillionÀr?
Bei ihrer Auswertung kommt Oxfam zu dem Schluss, dass die Welt innerhalb eines Jahrzehnts bereits fĂŒnf Dollar-BillionĂ€re haben könnte. Im vergangenen Jahr sei das Vermögen der MilliardĂ€re dreimal stĂ€rker gewachsen als noch im Vorjahr. Es sei von 13 auf 15 Billionen US-Dollar angestiegen.
Das Vermögen einer MilliardĂ€rin oder eines MilliardĂ€rs vergröĂerte sich demnach pro Tag im Schnitt um zwei Millionen US-Dollar. Die reichsten zehn MilliardĂ€re wurden pro Tag sogar um durchschnittlich 100 Millionen US-Dollar reicher. Selbst wenn sie ĂŒber Nacht 99 Prozent ihres Vermögens verlieren wĂŒrden, blieben sie MilliardĂ€re, erklĂ€rte Oxfam.
"Der Vermögenszuwachs der Superreichen ist grenzenlos, wĂ€hrend es bei der BekĂ€mpfung der Armut kaum Fortschritte gibt und zum Beispiel Deutschland die UnterstĂŒtzung einkommensschwacher LĂ€nder sogar kĂŒrzt", kritisierte die geschĂ€ftsfĂŒhrende Vorstandsvorsitzende von Oxfam Deutschland, Serap Altinisik.
"Der Oxfam-Bericht ist empörend, aber leider erwartbar. Die Schere zwischen arm und reich geht auch in Deutschland unaufhaltsam weiter auf", schrieb Christian Görke, Erster Parlamentarischer GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Gruppe Die Linke im Bundestag. Görke fordert als Lösung eine Vermögenssteuer und "eine Erbschaftssteuer, die diesen Namen wirklich verdient".
In Deutschland viele MilliardÀre dank Erbschaft
Deutschland hat laut dem Oxfam-Bericht die viertmeisten MilliardÀre weltweit. Ihre Zahl stieg demnach im vergangenen Jahr um neun auf 130. Ihr Gesamtvermögen liege inzwischen bei 625,4 Milliarden US-Dollar.
Oxfam errechnete zudem, dass deutsche MilliardĂ€rinnen und MilliardĂ€re ĂŒberdurchschnittlich von Erbschaften profitieren. WĂ€hrend weltweit 36 Prozent des MilliardĂ€rsvermögens aus Erbschaften stammt, sind es hierzulande sogar 71 Prozent.
"Auch in Deutschland wĂ€chst der Superreichtum unaufhaltsam", warnt Oxfam. Zugleich habe die Armut in den letzten Jahren stark zugenommen, viele Menschen könnten ihren gewohnten Lebensstandard nicht halten. "Diese extreme Ungleichheit entsteht maĂgeblich durch eine ungerechte Steuerpolitik", erklĂ€rte Oxfam-Referent Manuel Schmitt. "Superreiche zahlen hierzulande oft weniger Steuern und Abgaben als Mittelschichtsfamilien."
Die kommende Bundesregierung mĂŒsse deshalb eine Besteuerung groĂer Vermögen beschlieĂen, fordert Oxfam. Unter anderem SPD und GrĂŒne schlagen dies in ihren Programmen fĂŒr die Bundestagswahl im Februar vor. "Schon mit sehr kleinen SteuersĂ€tzen auf die Vermögen Ultrareicher könnte man viele Probleme lösen", sagte Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) der Funke Mediengruppe.
Warnung vor Elon Musks politischer Macht
Sorgen macht Oxfam auch, dass sich die Wirtschaftsmacht der MilliardĂ€re deutlich sichtbar auch in politischer Macht niederschlĂ€gt. Die Ungleichheit habe Folgen fĂŒr die Demokratie, warnte Altinisik. "Denn Reichtum geht Hand in Hand mit politischer Macht. Das sehen wir heute bei der AmtseinfĂŒhrung des US-PrĂ€sidenten Donald Trump: ein milliardenschwerer PrĂ€sident unterstĂŒtzt vom reichsten Mann der Welt, Elon Musk."
"Mit demokratischen Prinzipien nicht vereinbar"
Laut einer Studie der gemeinnĂŒtzigen Initiative LobbyControl verfĂŒgen besonders die groĂen US-Tech-Konzerne fĂŒr die Durchsetzung ihrer Interessen ĂŒber ein breites Lobbynetzwerk auch in Europa. Mit 33 Millionen Euro fĂŒhren demnach Google US02079K1079, Amazon US0231351067, Meta US30303M1027, Microsoft US5949181045 und Apple US0378331005 die Liste der Unternehmen nach Lobbyausgaben in Europa an. "Diese immense Lobbymacht, gepaart mit groĂer Markt- und Monopolmacht, und der damit wachsende Einfluss auf die Politik sind mit demokratischen Prinzipien nicht vereinbar", heiĂt es in der Studie.

