DB, PĂŒnktlichkeit

Unter 70 Prozent der FernzĂŒge pĂŒnktlich

07.07.2023 - 14:37:21

Im ersten Halbjahr mussten sich erneut Millionen FahrgĂ€ste ĂŒber verspĂ€tete und ausfallende ZĂŒge Ă€rgern. Besserung ist zumindest in den nĂ€chsten Jahren nicht in Sicht.

Die Deutsche Bahn lĂ€uft ihrem selbstgesteckten PĂŒnktlichkeitsziel fĂŒr 2023 im Fernverkehr weiter hinterher: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres waren lediglich 68,6 Prozent der ICE- und IC-ZĂŒge pĂŒnktlich unterwegs, wie der Konzern mitteilte.

Eigentlich hat sich die Bahn fĂŒr das laufende Jahr eine PĂŒnktlichkeitsquote von mehr als 70 Prozent vorgenommen. Allein im Juni kamen indes lediglich 63,5 Prozent der FernzĂŒge ohne grĂ¶ĂŸere Verzögerung am Ziel an. Das ist der schlechteste Wert im laufenden Jahr. Der bisher stabilste Monat war der Januar mit 73,2 Prozent.

Als pĂŒnktlich geht ein Zug in die Statistik ein, solange er nicht mit mehr als sechs Minuten Verzögerung an einem Bahnhof ankommt. ZugausfĂ€lle oder verpasste AnschlusszĂŒge werden nicht berĂŒcksichtigt. Daher tauchen auch die beiden Warnstreiks der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) im MĂ€rz und April mit Tausenden ZugausfĂ€llen nicht in der Statistik auf.

Immerhin: Zuletzt lief es auf der Schiene wieder etwas zuverlĂ€ssiger als im Vorjahr. Im Juni 2022 waren sogar nur 58 Prozent der FernzĂŒge pĂŒnktlich.

Viele Baustellen

Der Hauptgrund fĂŒr die VerspĂ€tungen ist die an vielen Stellen marode Infrastruktur: Das gut 33.000 Kilometer umfassende Streckennetz der DB ist in großen Teilen dringend sanierungsbedĂŒrftig, auf manchen Strecken kommt es fast tĂ€glich zu Störungen. Deshalb baut und saniert die Bahn wo sie kann - und bremst damit die ZĂŒge aus. «Aktuell fahren fast 70 Prozent der ICE- und IC-ZĂŒge durch mindestens eine Baustelle», teilte die Bahn mit.

Die Baustellen mit den derzeit grĂ¶ĂŸten Auswirkungen laufen demnach auf den Strecken Kassel-Fulda, NĂŒrnberg-WĂŒrzburg sowie am digitalen Knoten Stuttgart.

Hunderte zusĂ€tzliche Baustellen gibt es derzeit, weil die Bahn in Folge des ZugunglĂŒcks in Garmisch-Partenkirchen im vergangenen Jahr Hunderttausende Betonschwellen ĂŒberprĂŒft und austauscht. «Damit verbunden sind ĂŒber 400 zusĂ€tzliche Baustellen im Schienennetz, die sich auf Reisende und GĂŒterverkehrskunden erheblich auswirken», teilte er Konzern Anfang Juni mit.

Besserung nicht in Sicht

Dass sich das PĂŒnktlichkeitsproblem bald bessert, ist nicht absehbar. Vor allem fĂŒr das kommende Jahr mĂŒssen sich FahrgĂ€ste aufgrund von Sanierungsarbeiten auf Streckensperrungen auf besonders wichtigen Bahn-Korridoren einstellen. Zu weitreichenden EinschrĂ€nkungen wird es etwa im zweiten Halbjahr auf der vielbefahrenen Strecke Hamburg-Berlin kommen. Von Mitte August bis Mitte Dezember 2024 sollen dort rund 100 Weichen und 74 Kilometer Gleise erneuert werden.

Hinzu kommt die im kommenden Jahr beginnende Generalsanierung wichtiger Korridore: Los geht es im Sommer auf der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim, einer der am meisten befahrenen Bahnstrecken Deutschlands. Sie wird vollstĂ€ndig modernisiert und dafĂŒr ein halbes Jahr gesperrt. 2025 beginnt die Generalsanierung dann erneut auf der Strecke Hamburg-Berlin.

Langfristziel 80 Prozent PĂŒnktlichkeit

Ziel der Bahn ist es, bis 2030 mit den Generalsanierungen auf 40 Strecken ein Hochleistungsnetz zu gewĂ€hrleisten, auf dem der Verkehr zuverlĂ€ssiger lĂ€uft und zudem mehr ZĂŒge fahren können. Nach der Riedbahn soll die vor allem fĂŒr den GĂŒterverkehr wichtige Trasse Emmerich-Oberhausen modernisiert werden. Insgesamt geht es einem Bahn-Papier von Februar zufolge um rund 4200 Kilometer Strecke.

Die Bahn fĂ€hrt schon seit Jahren ihren PĂŒnktlichkeitszielen hinterher. Besonders unzuverlĂ€ssig war der Konzern 2022. In manchen Monaten war fast jeder zweite Zug mit VerspĂ€tung unterwegs. Mit der Generalsanierung dutzender Strecken peilt der Konzern mittelfristig wieder eine PĂŒnktlichkeitsquote von mehr als 80 Prozent an. Ab wann dieses Ziel realistisch ist, ist derzeit noch völlig offen.

Vergleich mit dem Ausland

Neidisch können viele FahrgĂ€ste in Deutschland nur in andere LĂ€nder gucken. Bei den Schweizer Bahnen (SBB) etwa sind zwar bereits 93 Prozent der ZĂŒge pĂŒnktlich, das heißt, sie haben weniger als drei Minuten VerspĂ€tung. Aber das Unternehmen will die Effizienz noch weiter steigern. In Japan erreichen die ZĂŒge sogar eine PĂŒnktlichkeit von nahezu 100 Prozent.

Das sei in Deutschland allerdings nicht machbar, betonte Bahn-Fernverkehrsvorstand Michael Peterson jĂŒngst. «In Deutschland teilen sich GĂŒter-, Regional- und FernverkehrszĂŒge ein und dasselbe Schienennetz. Dieses Konzept ist nicht auf 99 Prozent PĂŒnktlichkeit ausgelegt», sagte er kĂŒrzlich der «Augsburger Allgemeinen».

@ dpa.de