Deutschland, Agrar

Özdemir: Klimakrise macht Ernten immer stĂ€rker zu Lotteriespiel

28.08.2023 - 14:55:33 | dpa.de

Im FrĂŒhsommer war es lange trocken, dann bremste hĂ€ufiger Regen die MĂ€hdrescher immer wieder aus. Branche und Politik stellen sich darauf ein, dass die Lebensmittelgewinnung schwerer wird.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen) bei der Vorstellung des amtlichen Ernteberichts 2023. - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Bundesagrarminister Cem Özdemir sieht zunehmende Klimarisiken fĂŒr die Ernten auch in Deutschland. Landwirtschaft sei schon immer Draußenwirtschaft gewesen, und mit Wetterschwankungen könnten die Betriebe umgehen, sagt der GrĂŒnen-Politiker bei der Vorlage erster amtlicher Daten zur Ernte 2023.

«Das neue Normal sieht aber anders aus: Extremwetter als Folgen der Klimakrise machen unsere Ernten immer stĂ€rker zu einem Lotteriespiel.» Das zeige sich an langen Hitzephasen und DĂŒrren sowie andererseits an Unwettern mit Regen, Hagel und Sturm. Damit mĂŒssten Betriebe zunehmend umgehen.

Mit Blick auf die voraussichtlichen Ergebnisse dieses Sommers sagt Özdemir: «Alles in allem können wir zufrieden sein mit der Ernte.» Laut ersten vorlĂ€ufigen Daten dĂŒrften 38 Millionen Tonnen Getreide (ohne Körnermais) hereinkommen - 4,1 Prozent weniger als im Vorjahr und 2,1 Prozent weniger als im mehrjĂ€hrigen Mittel.

Özdemir sagt, die Landwirte hĂ€tten in den vergangenen Wochen Großes geleistet und dafĂŒr gesorgt, dass die Speicher in Deutschland insgesamt gut gefĂŒllt seien - obwohl die Betriebe je nach Region und Anbaukultur mit teils enormen Wetterherausforderungen zu kĂ€mpfen gehabt hĂ€tten.

Der Deutsche Bauernverband hatte die Ernte 2023 in der vergangenen Woche als «echte Zitterpartie» bezeichnet und in einer vorlĂ€ufigen Bilanz ebenfalls von einem RĂŒckgang der Getreidemenge berichtet. Auf ein nasses FrĂŒhjahr folgte lange Trockenheit im Mai und Juni, die Ernte war dann hĂ€ufig von Regen unterbrochen. Angesichts der deutlich spĂŒrbaren Auswirkungen des Klimawandels gelte es alles zu tun, um ErtrĂ€ge und die ErnĂ€hrung sichern zu können, betont der Verband. Dazu gehörten widerstandsfĂ€higere Pflanzen, eine breite Palette an Pflanzenschutz-Wirkstoffen und eine wassersparende Bodenbearbeitung.

FlĂ€chen mĂŒssen naturvertrĂ€glichen genutzt werden

Özdemir sagte, es gelte die Landwirtschaft klimafest zu machen. Wer glaube, man könnte spĂ€ter mit Klimaschutz und Klimafolgenanpassung anfangen, vertrete nicht die Interessen der Branche. «Kurzfristige Erntemaximierungen gehen zulasten unserer natĂŒrlichen Ressourcen und gefĂ€hrden damit langfristig die Versorgungssicherheit.» Der Naturschutzbunds (Nabu) erklĂ€rte, der diesjĂ€hrige Regensommer zeige das andere Gesicht der Klimakrise, die die Lebensmittelproduktion vor Herausforderungen stelle. Umso wichtiger sei es, die AgrarflĂ€chen naturvertrĂ€glich zu nutzen und so widerstandsfĂ€higer gegen DĂŒrren und Starkregen zu machen, etwa mit humusreichen Böden und BlĂŒhstreifen.

Özdemir sagte: «Die Lebensmittelpreise bleiben ein Inflationstreiber. Ganz besonders dort, wo Produktionskosten hoch sind durch teure Energie oder Betriebsmittel.» Die Branche werde deshalb darin unterstĂŒtzt, sich unabhĂ€ngiger von synthetischem DĂŒnger oder Pflanzenschutzmitteln zu machen. «In eine klimafeste Landwirtschaft zu investieren, macht uns unabhĂ€ngiger von volatilen WeltmĂ€rkten und ist sinnvoller und gĂŒnstiger, als SchĂ€den auszugleichen.»

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