ROUNDUPNeue, Gegenzoll-PlÀne

EU wappnet sich fĂŒr Eskalation mit USA

08.05.2025 - 14:09:55

Im Handelskonflikt mit den USA bereitet die EuropÀische Kommission weitere Sonderzölle auf US-Exporte im Wert von bis zu 95 Milliarden Euro vor.

Diese Zusatzabgaben könnten auf Industrie- und Agrarprodukte wie Autos, SĂŒĂŸkartoffeln und Whiskey erhoben werden, sollten Verhandlungen mit Washington nicht zu einer Lösung fĂŒhren, wie aus einer Mitteilung der BrĂŒsseler Behörde hervorgeht.

Als Frist dafĂŒr gilt derzeit der Monat Juli. In ihm lĂ€uft eine 90-Tage-Frist ab, die US-PrĂ€sident Donald Trump fĂŒr Angebote der EU gesetzt hat. Wenn diese ihm nicht ausreichen, will er umfangreiche neue Sonderzölle auf Einfuhren aus der EU erheben lassen. Sie wĂŒrden zu bereits geltenden Sonderzöllen von ihm hinzukommen.

EU sieht US-Zölle als nicht gerechtfertigt

Der US-PrĂ€sident will mit den Zöllen angebliche Handelsungleichgewichte korrigieren und Produktion in die USA verlagern. Zugleich sollen die Zolleinnahmen dazu dienen, sein teures Wahlversprechen großer Steuersenkungen zumindest teilweise gegenzufinanzieren.

Die EU sieht die Zölle hingegen als nicht gerechtfertigt und unvereinbar mit den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) an. Sie will deswegen zurĂŒckschlagen, sollte es keine einvernehmliche Einigung geben.

"Die EU ist nach wie vor fest entschlossen, mit den USA zu Verhandlungsergebnissen zu kommen. Wir sind davon ĂŒberzeugt, dass es gute Vereinbarungen zum Nutzen der Verbraucher und Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks geben kann", erklĂ€rte EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen zu den Planungen fĂŒr Gegenmaßnahmen. Gleichzeitige bereite man sich weiter auf alle Möglichkeiten vor.

Liste soll noch diskutiert werden

Betroffen sein könnten von zusÀtzlichen Zöllen auch Maschinen, Auto- und Flugzeugteile, Chemikalien sowie neben Whiskey auch Rum und Wein aus den USA. Die mehr als 200 Seiten lange Liste mit Produkten, die aus Sicht der Kommission mit Zöllen belegt werden könnten, soll nun öffentlich und von der Wirtschaft diskutiert werden.

Hoffnung ist gleichzeitig, dass die Liste auch in den USA analysiert wird und exportorientierte Unternehmen die Regierung in Washington drÀngen, eine Einigung mit der EU zu erzielen.

Parallel zu der Vorbereitung neuer möglicher Gegenzölle will die EU-Kommission die USA wegen der Zölle bei der WTO verklagen, wie die Behörde weiter mitteilte. Dort richtet der Streitschlichtungsausschuss dann ein Expertengremium ein, das begutachtet, ob die Zölle gegen WTO-Regeln verstoßen.

Neben den Zusatzabgaben zieht die Kommission fĂŒr diesen Fall außerdem EU-AusfuhrbeschrĂ€nkungen fĂŒr bestimmte Produkte im Wert von 4,4 Milliarden Euro in ErwĂ€gung. Dazu gehören etwa Stahlschrott und chemische Erzeugnisse, die von US-Unternehmen bislang gerne importiert werden.

Bereits seit lĂ€ngerem geplant und nicht mehr umstritten ist fĂŒr den Fall eines Scheiterns von Verhandlungen die WiedereinfĂŒhrung von schon frĂŒher vereinbarten EU-Sonderzöllen auf US-Produkte wie Jeans, Bourbon-Whiskey, MotorrĂ€der und Erdnussbutter.

EU-Handelskommissar warnt vor möglichen weiteren US-Zöllen

Zuletzt hatte EU-Handelskommissar Maros Sefcovic vor möglichen weiteren US-Zöllen auf europĂ€ische Waren gewarnt. Washington fĂŒhre derzeit mehrere Untersuchungen und begrĂŒnde diese mit der nationalen Sicherheit, sagte der Spitzenpolitiker am Dienstag bei einer Rede im Europaparlament in Straßburg. Sollten alle diese Untersuchungen zu Zöllen fĂŒhren, wĂ€ren zusĂ€tzlich Exporte im Wert von 170 Milliarden Euro betroffen.

Dies bedeute, dass insgesamt rund 549 Milliarden Euro an EU-Ausfuhren in die USA mit Zöllen belegt wĂŒrden und damit 97 Prozent der Exporte, sagte Sefcovic. Das wĂ€re "ein gewaltiges Ausmaß". Konkret geht es bei den US-Untersuchungen laut EU-Kommission etwa um Halbleiter, Arzneimittel und Rohstoffe.

Um den Handelsstreit zu entschĂ€rfen, hat die EU den USA bereits eine Vereinbarung zur gegenseitigen Aufhebung aller Zölle auf IndustriegĂŒter angeboten. Die Trump-Regierung ist darauf bislang aber nicht eingegangen.

Neben Zolldeals gelten neue Abkommen als Option. Nach EinschĂ€tzung der EU-Kommission könnten die EU und Trump etwa einen neuen Deal zum Ausbau amerikanischer Exporte von FlĂŒssiggas (LNG) schließen. Zudem wĂ€re es möglich, mehr MilitĂ€rtechnik und AgrargĂŒter zu importieren, um das US-Handelsdefizit mit der EU abzubauen.

@ dpa.de