LĂ€nder wollen rasche Lösung fĂŒr SteuerausfĂ€lle
18.06.2025 - 12:14:38Bis zur kommenden Woche mĂŒsse es eine Lösung fĂŒr die EinnahmeausfĂ€lle von LĂ€ndern und Kommunen geben, sagte der niedersĂ€chsische Regierungschef Olaf Lies (SPD) vor Beratungen in Berlin. "Wir werden in der nĂ€chsten Woche ja die Entscheidung des Bundestags haben. Bis dahin muss die Einigung so gefestigt sein, dass alle wissen, woran sie dran sind."
ThĂŒringens MinisterprĂ€sident Mario Voigt wĂŒnschte sich ebenfalls Tempo. "Wir wĂ€ren gut beraten, wenn wir uns heute auf die Grundpfeiler verstĂ€ndigen können", sagte der CDU-Politiker. Das sei nötig, um wieder Zuversicht zu schaffen. Nach VorgesprĂ€chen am Morgen wollen sich die LĂ€ndervertreter am Nachmittag mit Kanzler Friedrich Merz (CDU) treffen.
Was der Bund plant - und was das fĂŒr LĂ€nder und Kommunen hieĂe
Der Bundestag soll am Donnerstag der kommenden Woche ĂŒber ein Programm entscheiden, das die maue Wirtschaftslage in Schwung bringen soll. Es enthĂ€lt Anreize fĂŒr Investitionen, unter anderem durch erweiterte steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten fĂŒr Maschinen und Elektrofahrzeuge. Ab 2028 soll zudem die Körperschaftsteuer sinken.
Allerdings wĂŒrden die PlĂ€ne wegen sinkender Steuern Einnahmeverluste fĂŒr Bund, LĂ€nder und Kommunen mit sich bringen. Laut Gesetzentwurf wĂ€ren es fĂŒr die Kommunen 13,5 Milliarden Euro weniger, fĂŒr die LĂ€nder 16,6 Milliarden und fĂŒr den Bund 18,3 Milliarden - also insgesamt rund 48 Milliarden.
Was LĂ€ndervertreter fordern
Die LĂ€nder verlangen vom Bund einen finanziellen Ausgleich und verweisen dabei vor allem auf die prekĂ€re Haushaltslage vieler hoch verschuldeter Kommunen. Mecklenburg-Vorpommerns MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig (SPD) deutete allerdings an, die LĂ€nder könnten sich auch mit einem Teil-Ausgleich zufriedengeben. "Das Hauptziel ist, dass die Kommunen eine vollstĂ€ndige Kompensation bekommen und dass man natĂŒrlich auch den LĂ€ndern entgegenkommt", sagte sie.
Vor allem fĂŒr die Kommunen sei die Belastung hoch, argumentieren die LĂ€nder - so hoch, dass sie eventuell als GegenmaĂnahme dann die Gewerbesteuern erhöhen mĂŒssten und man letztlich nichts gewonnen hĂ€tte.
Wie es weitergehen könnte
Dass es heute bereits eine vollstĂ€ndige Einigung gibt, ist unwahrscheinlich. Die MinisterprĂ€sidenten mahnten, man mĂŒsse sich aber zumindest ĂŒber den Grundsatz verstĂ€ndigen, dass es eine Kompensation geben werde. Ăber Umfang und Weg könne man dann noch sprechen. "Wichtig ist, dass bis zur nĂ€chsten Entscheidung des Bundestags zur letzten Lesung ein Vorschlag vorliegt", sagte Schwesig. Nach der Abstimmung im Bundestag geht das Gesetz an den Bundesrat, wo die LĂ€nder am 11. Juli das letzte Wort haben.
Beide Seiten wollen verhindern, dass die PlĂ€ne im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat landen, weil sich damit alles zeitlich verzögern wĂŒrde.
Wie eine Lösung aussehen könnte
Die CDU-MinisterprĂ€sidenten haben in einem Schreiben an Kanzler Merz eine grundsĂ€tzliche Lösung gefordert: Einen dauerhaften Mechanismus, der immer dann automatisch zugunsten von LĂ€ndern und Kommunen greift, wenn Bundesgesetze zu Mehrausgaben oder Mindereinnahmen fĂŒhren.
ThĂŒringens MinisterprĂ€sident Mario Voigt (CDU) warb am Morgen noch einmal fĂŒr eine solche grundsĂ€tzliche KlĂ€rung der Bund-LĂ€nder-Finanzbeziehungen. Dann könne man wĂ€hrend der Legislaturperiode schneller Entscheidungen treffen und immer wieder neuen Streit vermeiden. Er könne sich auch vorstellen, dass die LĂ€nder erst einmal entlastet wĂŒrden - und wenn die Wirtschaft dann anspringe, auch Geld an den Bund zurĂŒckzahlten. "Das sind alles Wege, die man diskutieren kann."
Der Bremer BĂŒrgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) zeigte sich hier skeptisch. "Wenn wir tatsĂ€chlich so viel höhere Einnahmen haben, kann man sich ja ĂŒber so einen Mechanismus Gedanken machen." Wenn die Wirtschaft wachse, kĂ€men mehr Menschen in Arbeit, Sozialleistungen sĂ€nken - aber zu erheblich wachsenden Steuereinnahmen fĂŒhre das nicht.
Möglich wĂ€re, dass es zunĂ€chst keine Grundsatz-Lösung, sondern nur einen Kompromiss fĂŒr dieses konkrete Gesetz gibt. Zur Kompensation könnten die LĂ€nder einen höheren Anteil an der Umsatzsteuer bekommen. Denkbar wĂ€re aber auch, dass der Bund den Kommunen gezielt bei Klimawandel-Programmen oder Sanierungsvorhaben unter die Arme greift und sie so ĂŒber einen Umweg entlastet.

