ROUNDUP, Union

Union setzt im Sog der Bauernproteste auf Ende der Ampel-Regierung

08.01.2024 - 15:19:58

Im Sog der Bauernproteste fordert die Union einen radikalen Kurswechsel der Ampel-Regierung oder Neuwahlen.

"Der Frust in der Bevölkerung, der sich jetzt mit diesen Bauernprotesten ausdrĂŒckt, muss geklĂ€rt werden", sagte Sachsens MinisterprĂ€sident Michael Kretschmer (CDU) am Montag zum Abschluss der Winterklausur der CSU-Bundestagsabgeordneten im oberbayerischen Kloster Seeon. Vertreter beider Unionsparteien stellten sich bei der Klausur demonstrativ hinter die deutschlandweiten Demonstrationen von Landwirten. Als Gast hatte die CSU auch BauernverbandsprĂ€sident Joachim Rukwied eingeladen.

Rukwied forderte in Seeon erneut die vollstĂ€ndige RĂŒcknahme der SubventionskĂŒrzungen fĂŒr die Landwirte. Der von der Bundesregierung nachtrĂ€glich vorgelegte Kompromiss bei den Streichungen sei inakzeptabel. "Das heißt ja am Ende Sterben auf Raten." Die von der Ampel geplanten SubventionskĂŒrzungen seien eine Steuererhöhung von einer Milliarde Euro. Den Bauern werde dadurch die ZukunftsfĂ€higkeit genommen, die ErnĂ€hrungssicherheit werde gefĂ€hrdet. Seit dem Morgen demonstrierten bundesweit Bauern unter anderem mit Traktorblockaden.

"Die Ampel ist zum grĂ¶ĂŸten gesellschaftlichen Klimarisiko geworden", sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt zum Abschluss der Klausur. SPD, GrĂŒne und FDP reagierten nur mit einer Trotzreaktion auf die Proteste. "Es brĂ€uchte aber einen "Wir-haben-verstanden-Moment"." Die Ampel bringe mit ihrer "Respektlospolitik" BĂŒrger, Mittelstand und viele Berufsgruppen an die Belastungsgrenze und verursache damit eine "seit Jahrzehnten auch nicht geahnte Polarisierung in Deutschland". "Wir kommen zur gemeinsamen EinschĂ€tzung: Deutschland droht zu kippen."

Auch Kretschmer warnte: "Politik darf nicht spalten, Politik muss verbinden." Der CDU-Politiker forderte die Bundesregierung auf, mit den betroffenen Bauern zu sprechen und mit ihnen zusammen die Probleme zu lösen. "Man kann dieser Bundesregierung nur zurufen: Setzen Sie sich mit den Betroffenen zusammen. Und reden Sie nicht ĂŒber, sondern reden Sie mit diesen Leuten."

Sollte der Bundesregierung es nicht gelingen, die Sorgen und Nöte der Bevölkerung zu lindern, drohe im Juni bei der wichtigen Europawahl eine gefÀhrliche Protestabstimmung, warnten Kretschmer und Dobrindt. In dem Fall wÀre eine Neuwahl der bessere Weg. "Jeder Tag, der vergeht und an dem es nicht möglich ist, die Dinge zu lösen, stÀrkt die Extremisten", sagte Kretschmer. Er wies in diesem Zusammenhang auch auf andere offene Fragen wie die ungeregelte Zuwanderung nach Deutschland hin.

Mit Blick auf die von der CSU schon lĂ€nger geforderten Neuwahlen - am liebsten im Juni zeitgleich zur Europawahl - beschloss die Landesgruppe auf ihrer dreitĂ€gigen Klausur auch ein Positionspapier, welches Grundlage fĂŒr das neue Wahlprogramm werden soll. "CDU und CSU sind keine Variante der Ampel-Politik. Wir sind der politische Gegenentwurf zur Ampel", heißt es darin etwa.

Um dies zu bekrĂ€ftigen, enthĂ€lt das 25-seitige Papier eine Liste der "10 Ampel-Ideologieprojekte, die wir wieder abschaffen werden". Neben dem Heizungsgesetz und dem BĂŒrgergeld findet sich darin auch die Legalisierung von Cannabis, das Abschalten der Atomkraftwerke, das neue Bundestagswahlrecht und auch das Selbstbestimmungsgesetz, "weil der Jugendschutz und das Erziehungsrecht der Eltern dadurch untergraben wird".

@ dpa.de