LÀngere Kurzarbeit soll in der Krise BeschÀftigung sichern
18.12.2024 - 13:16:36Mit mehr Kurzarbeit stemmt sich die Bundesregierung gegen die wirtschaftlichen Probleme in Deutschland. Den BeschĂ€ftigten sollen ihre bedrohten Jobs gesichert werden. Den Unternehmen soll das Halten ihrer oft langjĂ€hrigen bewĂ€hrten ArbeitskrĂ€fte erleichtert werden. Das Bundeskabinett beschloss dazu eine VerlĂ€ngerung der Bezugsdauer fĂŒr das Kurzarbeitergeld auf bis zu 24 Monate.Â
Regierungsbeschluss nach Vertrauensfrage
Die Ministerrunde gab zwei Tage nach der Vertrauensfrage von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) somit noch grĂŒnes Licht fĂŒr eine gerĂ€uschlos auf den Weg gekommene Verordnung von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Die Verordnung verĂ€ndert geltendes Recht. Die Verordnung und somit die VerlĂ€ngerung der Bezugsdauer gelten bis 31. Dezember 2025.
Heils Lieblingsinstrument
Heil wendet damit das Instrument an, das bereits wĂ€hrend der Corona-Krise - stimuliert durch entsprechende Regelungen - tausende Jobs zu retten half: Kurzarbeit. Kurzarbeit bedeutet, dass alle oder nur ein Teil der BeschĂ€ftigten in einem Betrieb weniger Stunden arbeiten, als sie normalerweise arbeiten mĂŒssten. Die Auszahlung des Kurzarbeitergeldes durch die Agentur fĂŒr Arbeit soll Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber bei den Kosten entlasten und KĂŒndigungen verhindern.Â
Heil verwies auf groĂe Herausforderungen aktuell in der Wirtschaft. Gerade Unternehmen in einem exportorientierten Land wie Deutschland hĂ€tten derzeit oft Probleme zu meistern. Heil: «Jetzt geht es darum, FachkrĂ€fte zu sichern.»
Immer mehr Firmen gehen in Kurzarbeit
In den vergangenen Wochen hat es einen deutlichen Anstieg der Kurzarbeit in Deutschland gegeben. Ziel der verlÀngerten Bezugsdauer ist es, Betrieben in schwierigen Zeiten mehr Planungssicherheit zu geben. Vor allem die erfahrenen und eingearbeiteten BeschÀftigten sollen gehalten werden können, hieà es seitens des Arbeitsressorts.
Im September 2024 lag die Zahl der Kurzarbeitenden nach vorlĂ€ufigen Daten laut Ministerium bei rund 268.000. Das sind 76 Prozent mehr als im Vorjahr â und fast dreimal so viele wie im September 2022.Â
Am stÀrksten betroffen: Deutschlands Maschinenbauer
Das verarbeitende Gewerbe zeigt demnach derzeit den stÀrksten Einsatz von Kurzarbeit, wo allein im August 143.000 BeschÀftigte betroffen waren. Schwerpunkte lagen im Maschinenbau, in der Herstellung von Metallerzeugnissen, von DatenverarbeitungsgerÀten, elektronischen und optischen Erzeugnissen sowie in der Produktion von Kraftwagen und Kraftwagenteilen.
Heil sagte: «Mit der VerlĂ€ngerung des konjunkturellen Kurzarbeitergeldes bauen wir BrĂŒcken: fĂŒr Betriebe, groĂe wie kleine, um gestĂ€rkt aus der Krise zu kommen, und fĂŒr BeschĂ€ftigte, um ihre Arbeit zu halten.» ZusĂ€tzlich stehe mit dem Qualifizierungsgeld ein Instrument zur VerfĂŒgung, dass die Modernisierung der Unternehmen unterstĂŒtzen könne. Dieses Instrument dient dazu, Arbeit und Weiterbildung zu finanzieren. Heil sagte, dies sei immer besser als Arbeitslosigkeit zu bezahlen.
RĂŒckblick: Kurzarbeit bei Corona
WĂ€hrend der Corona-Krise waren ganze Bereiche plötzlich von mangelnden AuftrĂ€gen betroffen. In der Gastronomie, dem Messebau oder der gesamten Kultur- und Freizeitwirtschaft herrschte quasi von einem Tag auf den anderen Open-End-Flaute. In vielen Branchen gingen ganze Belegschaften auf Kurzarbeit. Die Zahl der betroffenen BeschĂ€ftigten stieg auf bis zu rund sechs Millionen in der Hochphase der Corona-Pandemie - und nahm dann zunĂ€chst stark ab. Auch staatliche Corona-ZuschĂŒsse halfen damals.Â
Immer wieder wurden Kurzarbeit-Regelungen verlĂ€ngert, mit abgesenkten BeschĂ€ftigten-Quoten, die von Arbeitsausfall betroffen sein mĂŒssen, bevor Kurzarbeit greifen kann. «Kurzarbeit bleibt weiter eine stabile BrĂŒcke ĂŒber ein tiefes wirtschaftliches Tal», sagte Heil bereits damals.Â
Was Betroffene bedenken sollen
Das Kurzarbeitergeld richtet sich nach dem Nettoentgeltausfall. Faustregel: 60 Prozent des ausgefallenen pauschalierten Nettoentgelts bekommt die oder der BeschĂ€ftigte. Zu bedenken ist fĂŒr die Betroffenen neben dem reduzierten Einkommen, ob es eventuelle KĂŒrzungen bei der UrlaubsvergĂŒtung geben kann oder spĂ€ter Steuernachzahlungen.





