Immobilienkredite, Zinsen

Immobilienkredite: Zinsen steigen auf höchsten Stand seit 2009

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 21:26 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zehnjährige Darlehen kosten knapp 4,5 Prozent; höhere Monatsraten belasten Käufer und Anschlussfinanzierungen.
Halbfertige Rohbau-Wände eines Wohnhauses auf einer Baustelle unter freiem Himmel Illustration mit AI erstellt.

Die Zinsen für Immobilienkredite in Deutschland haben nach Angaben des Vermittlers Interhyp den höchsten Stand seit dem Jahr 2009 erreicht. Zehnjährige Darlehen liegen demnach bei knapp 4,5 Prozent und übertreffen damit den bisherigen Höchststand von gut 4,4 Prozent von Ende 2023. Noch im Mai 2026 hatte der Satz bei 3,9 Prozent gelegen.

Als wesentlicher Auslöser für den deutlichen Zuwachs gelten Inflationssorgen infolge des Iran-Kriegs. Auch veröffentlichte Bankdaten weisen eine durchschnittliche Verzinsung für zehnjährige Darlehen von aktuell fast 4,5 Prozent aus, während Mitte Juli 2026 noch rund 3,8 Prozent verzeichnet worden waren.

Zunehmende Belastung für Kreditnehmer und Anschlussfinanzierungen

Interhyp-CEO Jörg Utecht erklärte, dass der Iran-Krieg und die damit verbundenen Inflationssorgen die Zinsen antreiben. Die jüngste Zinsanhebung bedeute bei der monatlichen Rückzahlung Mehrkosten von fast 200 Euro. Betroffen von der Verteuerung sind neben Neukäufern auch laufende Anschlussfinanzierungen.

Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) verdeutlichen das Ausmaß des Anstiegs. Ein Kredit über 300.000 Euro bei einer Tilgung von zwei Prozent kostete demnach Anfang 2026 rund 1.450 Euro im Monat. Bei den aktuellen Konditionen liegt die Monatsrate bei gut 1.600 Euro, was einem Zuwachs von mehr als zehn Prozent entspricht.

Wirtschaftsexperten des IW warnen davor, dass die hohen Zinsen zahlungskräftige Haushalte zurück auf den Mietmarkt drängen. Zur Entlastung sollte der Staat mit Bürgschaften für private Immobilienkredite gegensteuern.

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Markterwartungen und Reaktionen der Banken

Bei den zehnjährigen Pfandbrief-Renditen ergab sich seit Jahresbeginn ein Anstieg von rund 0,7 Prozentpunkten, kurzfristig sogar von über einem Prozentpunkt. Auf dem Markt zeigt sich zugleich, dass Verkäufer zunehmend verhandlungsbereit sind.

Hinsichtlich der weiteren Entwicklung zeigen sich die Kreditinstitute uneins. In einer Umfrage von Interhyp vom 15. Oktober 2026 lag der Zehn-Jahres-Schnitt bei rund 4,4 Prozent mit steigender Tendenz. Dabei erwarten 60 Prozent der Banken sinkende Zinsen innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate, während 40 Prozent mit weiteren Anhebungen rechnen.

Eine gesonderte Banken-Umfrage ergab, dass eine Mehrheit für die kommenden ein bis zwei Monate stabile Zinsen erwartet und nur ein Fünftel von einem Rückgang ausgeht.

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Geldpolitik der EZB und Druck auf den Bausektor

Die Entwicklung der Bauzinsen folgt dem langfristigen Trend an den Finanzmärkten. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) lag der durchschnittliche Hypothekenzins in Deutschland Anfang 2022 noch bei 1,48 Prozent, stieg bis Ende 2023 auf 4,15 Prozent, ging Anfang 2025 auf 3,57 Prozent zurück und kletterte im zweiten Quartal 2026 wieder auf 3,91 Prozent.

Die EZB hat ihre Leitzinsen im Jahr 2026 bereits zweimal angehoben, sodass der Einlagesatz nun 2,5 Prozent beträgt. Für den 29. Oktober 2026 ist die nächste Zinsentscheidung der Notenbank angesetzt.

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) lagen die Hauspreise im zweiten Quartal 2026 um 0,6 Prozent über dem Vorjahr. Damit lagen sie mehr als fünf Prozent über dem Tiefststand von 2024, verharrten jedoch 8,2 Prozent unter dem Rekordwert aus dem Jahr 2022.

Die anhaltend hohen Finanzierungskosten belasten den deutschen Immobiliensektor spürbar. Projektentwickler verschieben neue Wohn- und Gewerbebauvorhaben, während gestiegene Finanzierungskosten bereits zu Insolvenzen beigetragen haben. Diese Zurückhaltung im Bausektor verschärft den ohnehin bestehenden Wohnungsmangel in deutschen Großstädten wie München und Berlin weiter, sodass die Auswirkungen auch von Mietern wahrgenommen werden.

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