Immobilienmarkt, VerkÀufe

Immobilienmarkt: 54,3 Prozent der VerkÀufe dauern lÀnger als sechs Monate

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 19:25 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Höhere Bauzinsen belasten Anschlussfinanzierungen, wĂ€hrend Verkaufszeiten zunehmen und PreisrĂŒckgĂ€nge regional wahrscheinlicher werden.
Eine ruhige Wohnstraße mit modernen EinfamilienhĂ€usern bei Sonnenuntergang. Illustration mit AI erstellt.

Gestiegene Zinsen und teurere Anschlusskredite sorgen fĂŒr eine spĂŒrbare ZĂ€sur am Immobilienmarkt. Eine verĂ€nderte Marktlage schlĂ€gt sich zunehmend in lĂ€ngeren Vermarktungszeiten nieder, wĂ€hrend EigentĂŒmer und Kaufinteressenten gleichermaßen vor neuen finanziellen Rahmenbedingungen stehen.

Wie aus einer Analyse hervorgeht, dauern ImmobilienverkÀufe inzwischen deutlich lÀnger als in den vergangenen Jahren. Einer Maklerumfrage aus dem Oktober 2026 zufolge nimmt die Vermarktung bei 54,3 % der Objekte mehr als sechs Monate in Anspruch, nachdem dieser Anteil im Vorjahr noch bei 32,7 % lag.

Zudem halten rund 70 % der befragten Branchenexperten die aufgerufenen Angebotspreise um 10 bis 30 % fĂŒr ĂŒberhöht. Auch die Erwartungen kĂŒnftiger Wertentwicklungen trĂŒben sich ein: In Wachstumsregionen rechnen 31,9 % der Makler mit sinkenden Preisen, verglichen mit 9,9 % im Vorjahr. In strukturschwĂ€cheren Regionen geht sogar fast zwei Drittel von PreisrĂŒckgĂ€ngen aus.

Erheblicher Anpassungsbedarf bei Anschlusskrediten

Der Druck auf den Markt speist sich maßgeblich aus dem Zinsumfeld fĂŒr Bau- und Immobilienfinanzierungen. Mitte September 2026 lagen die Bauzinsen fĂŒr zehnjĂ€hrige Darlehen im Durchschnitt bei rund 4,28 % und erreichten damit Niveaus, wie sie zuletzt 2011 verzeichnet worden waren.

Im Oktober 2026 bezifferte Interhyp das Zinsniveau fĂŒr zehnjĂ€hrige Darlehen auf rund 4,5 % nach 3,9 % im Mai und 3,6 % im MĂ€rz. Der Vermittler Dr. Klein wies am 18. Oktober 2026 einen Bestzins von 4,01 % sowie am 20. Oktober 2026 einen Effektivzins von 4,09 % fĂŒr eine zehnjĂ€hrige Zinsbindung aus.

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Diese Zinsentwicklung verschĂ€rft insbesondere die Lage bei anstehenden Refinanzierungen. Angaben der Deutschen Bundesbank zufolge mĂŒssen bis 2027 rund 20 % des ausstehenden deutschen Wohnimmobilienkreditvolumens refinanziert werden. Dabei könnten sich die ZinssĂ€tze fĂŒr Kreditnehmer von durchschnittlich rund 2,5 % auf ĂŒber 4 % erhöhen. Mitte 2025 waren laut Bundesbank gut 1 % der deutschen Wohnimmobilienkredite notleidend.

Die finanzielle Mehrbelastung verdeutlicht eine Modellrechnung: Ein ursprĂŒngliches Darlehen ĂŒber 400.000 Euro bei einem Zinssatz von 1 % und einer anfĂ€nglichen Tilgung von 1 % erforderte eine monatliche Rate von circa 667 Euro. Nach einer zehnjĂ€hrigen Laufzeit verbleibt eine Restschuld von etwa 358.000 Euro.

Bei einem Anschlusszins von 4 % und einer Tilgung von 2 % steigt die monatliche Belastung auf circa 1.790 Euro. Eine weitere Modellrechnung aus dem Oktober 2026 zeigt fĂŒr ein Darlehen ĂŒber 300.000 Euro mit 2 % Tilgung, dass sich die monatliche Rate von 875 Euro bei einem Zinssatz von 1,5 % auf 1.625 Euro bei 4,5 % erhöht.

VerbraucherschĂŒtzer und Finanzexperten raten Kreditnehmern daher dazu, sich spĂ€testens ein Jahr vor Ablauf der Zinsbindung ĂŒber Folgelösungen zu informieren.

Preisdynamik verliert an Schwung

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Die ZurĂŒckhaltung potenzieller KĂ€ufer dĂ€mpft die Wertentwicklung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lagen die Wohnimmobilienpreise bundesweit im zweiten Quartal 2026 lediglich 0,6 % ĂŒber dem Vorjahreswert. In den sieben grĂ¶ĂŸten StĂ€dten sanken die Preise fĂŒr Wohnungen im gleichen Zeitraum sogar um 0,4 % unter das Vorjahresniveau.

Hendrik Richter, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Portals ohne-makler, geht davon aus, dass sich die vollen Effekte der gestiegenen Bauzinsen erst nach sechs Monaten am Markt entfalten.

Das Berlin-Hyp-Trendbarometer spiegelt die uneinheitliche Gesamtlage wider: Am Markt zeichnet sich demnach kein dominanter Stimmungstrend ab, da sich negative und zuversichtliche EinschÀtzungen derzeit die Waage halten und 35 % der Akteure eine erkennbare Tendenz aufweisen. Im Interhyp-Kreditbarometer gehen derweil 80 % der Banken von einer SeitwÀrtsbewegung der Zinsen aus, wÀhrend 20 % mit fallenden SÀtzen rechnen.

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