China, Automobilindustrie

Welche Folgen Chinas Luxussteuer fĂŒr deutsche Autobauer hat

Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 03:00 Uhr | dpa.de

In China lĂ€uft es fĂŒr deutsche Premium-Autobauer schon lĂ€nger nicht rund. Dann wurde vor einem Jahr eine Steuerregelung fĂŒr Luxusautos geĂ€ndert. Wie hat das Mercedes, BMW, Porsche und Audi getroffen?

  • Verband sieht negative Auswirkungen durch Luxussteuer fĂŒr deutsche Autobauer in China. (Archivbild) - Bild: Johannes Neudecker/dpa
    Verband sieht negative Auswirkungen durch Luxussteuer fĂŒr deutsche Autobauer in China. (Archivbild) - Bild: Johannes Neudecker/dpa
  • Porsche zur Luxussteuer: Einzelne Derivate betroffen. (Archivbild) - Bild: Johannes Neudecker/dpa
    Porsche zur Luxussteuer: Einzelne Derivate betroffen. (Archivbild) - Bild: Johannes Neudecker/dpa
Verband sieht negative Auswirkungen durch Luxussteuer fĂŒr deutsche Autobauer in China. (Archivbild) - Bild: Johannes Neudecker/dpa Porsche zur Luxussteuer: Einzelne Derivate betroffen. (Archivbild) - Bild: Johannes Neudecker/dpa

China war jahrelang das gelobte Land fĂŒr Deutschlands Premium-Autobauer, doch in den vergangenen Jahren hat es sich zum Problemkind entwickelt. Die AbsĂ€tze sind stark eingebrochen, weil das Geld bei den Kundinnen und Kunden etwa durch die Immobilienkrise nicht mehr so locker sitzt. Oder weil die Wahl auf chinesische Modelle fĂ€llt.

Vor einem Jahr gab es dann auch noch eine Änderung der Steuerregelung fĂŒr Luxusautos. Die Grenze, ab der die Abgabe fĂ€llig wird, wurde von bisher 1,3 Millionen Yuan fĂŒr Neufahrzeuge ohne Mehrwertsteuer auf 900.000 Yuan (derzeit etwa 116.000 Euro) herabgesetzt. 

Welche Folgen hatte das fĂŒr die deutschen Premium-Hersteller und den chinesischen Automobilmarkt?

VDA: Besonders negativ zulasten deutscher Hersteller ausgewirkt

«Die Anpassung der chinesischen sogenannten Luxussteuer auf Fahrzeuge im vergangenen Jahr hat sich erwartbar besonders negativ zulasten europÀischer und insbesondere deutscher Hersteller ausgewirkt, da sie auf besonders werthaltige Fahrzeuge zielt», teilte eine Sprecherin des Verbands der Automobilindustrie (VDA) auf Anfrage mit. 

Die Maßnahme sei zu einem Zeitpunkt gekommen, an dem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in China ohnehin anspruchsvoll waren und es noch immer sind. Die Steueranpassung dĂ€mpfe die Verbraucherstimmung in China weiter und belaste zudem das bilaterale Handelsklima zwischen der EU und China. «Eine PrĂŒfung der Folgen der Maßnahme wĂ€re notwendig», so die VDA-Sprecherin.

Chinesischer Verband: ZusĂ€tzliche Belastung fĂŒr deutsche Hersteller

Nach EinschĂ€tzung von Cui Dongshu, GeneralsekretĂ€r des chinesischen Pkw-Verbandes CPCA, hat die gesenkte Schwelle fĂŒr die Luxussteuer den Markt strukturell verĂ€ndert. Besonders die Nachfrage nach Verbrennern zwischen 900.000 und 1,3 Millionen Yuan sei «deutlich zurĂŒckgegangen». Deutsche Hersteller mĂŒssten die zusĂ€tzliche Belastung entweder ĂŒber höhere Endpreise weitergeben und damit ihre WettbewerbsfĂ€higkeit schwĂ€chen oder zulasten ihrer Margen selbst tragen. Zugleich wĂŒrden teure Sonderausstattungen gestrafft und Preise gezielt unter der Steuerschwelle gehalten. Verbraucher wichen verstĂ€rkt auf chinesische Oberklassemodelle mit Elektro- oder Hybridantrieb sowie auf gĂŒnstigere gebrauchte Luxusautos aus.

Die Steuer ist aus Cuis Sicht jedoch nicht das Hauptproblem der deutschen Hersteller. Den Aufstieg chinesischer Premiummarken bezeichnete er als «entscheidenden Schlag», wĂ€hrend Preiskampf und Steuerpolitik lediglich «kurzfristigen zusĂ€tzlichen Druck» erzeugten. Am dringendsten sei der «ernsthafte RĂŒckstand bei der Lokalisierung intelligenter Fahrzeugtechnik und bei der Elektrifizierung».

Was die deutschen Hersteller dazu sagen

Bei BMW betreffe die Steuer «einzelne Oberklassemodelle, die nach China importiert werden». Der Fahrzeugpreis betreffe insofern geringe Volumina, die von einer kaufkrÀftigen Kundenschicht geordert werden. Der abgesenkte Schwellenwert habe daher «kaum Auswirkungen auf unseren Gesamtabsatz im Markt», teilte BMW mit.

Der VW-Tochter Audi zufolge betreffe die Regelung «nur eine sehr begrenzte Anzahl der in China verkauften Modelle des Volkswagen-Konzerns». Beim Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche, ebenfalls VW-Tochter, seien einzelne Derivate betroffen, teilte ein Sprecher mit. 

Die konkreten Auswirkungen ließen sich nur schwer isoliert betrachten, teilte ein Sprecher von Mercedes-Benz mit. GrundsĂ€tzlich habe sich der Wettbewerb in den vergangenen Quartalen ĂŒber alle Segmente hinweg weiter intensiviert. Dies betreffe sowohl internationale als auch lokale Hersteller. Der Anteil der betroffenen Fahrzeuge liege bei Mercedes in China bei weniger als fĂŒnf Prozent des Gesamtabsatzes. Diese Fahrzeuge befĂ€nden sich ausschließlich im Top-End-Segment, insbesondere im Umfeld der S-Klasse und der Mercedes-Maybach-Modelle.

Fakt ist: Die AbsĂ€tze sind zuletzt weiter zurĂŒckgegangen. Bei Porsche sanken die Auslieferungen in China im ersten Halbjahr um 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Bei Mercedes sank der Pkw-Absatz in China im ersten Halbjahr um 28 Prozent. Bei BMW sackte der Absatz im gleichen Zeitraum um 20 Prozent ab, bei Audi um 19 Prozent.

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