Unerlaubte Einreisen gehen zurĂŒck - Folge neuer Kontrollen?
31.10.2024 - 10:42:58Das zeigen vorlÀufige Zahlen der Bundespolizei, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.
Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Frage der Linken-Bundestagsabgeordneten Clara BĂŒnger hervorgeht, traf die Polizei im Zeitraum vom 16. September bis 6. Oktober an den Landgrenzen auf insgesamt 3.464 AuslĂ€nder, die ohne Erlaubnis einreisen wollten. 2.073 von ihnen wurden an der Grenze zurĂŒckgewiesen. Vom 26. August bis einschlieĂlich 15. September waren es 3.984 unerlaubte Einreisen und insgesamt 2.353 ZurĂŒckweisungen.
Kontrollen an allen Landgrenzen gibt es seit eineinhalb Monaten
Seit dem 16. September kontrolliert die Bundespolizei auf Anordnung von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) an den Landgrenzen zu Frankreich, Luxemburg, Belgien, den Niederlanden und DĂ€nemark. An den Grenzen zu Polen, Tschechien und der Schweiz gibt es Kontrollen schon seit Mitte Oktober 2023, an der deutsch-österreichischen Landgrenze wurden sie bereits im Herbst 2015 eingefĂŒhrt. An allen Grenzabschnitten wird zwar nicht jeder einzelne Reisende ĂŒberprĂŒft, es muss aber jeder damit rechnen, kontrolliert zu werden.
Seit EinfĂŒhrung der stationĂ€ren Kontrollen nahm die Zahl der unerlaubten Einreisen an den Grenzen zu Luxemburg, Belgien und den Niederlanden zu. An der deutsch-französischen Grenze, wo es dieses Jahr schon wegen sportlicher GroĂereignisse vorĂŒbergehende Kontrollen gegeben hatte, war im betrachteten Zeitraum dagegen ein leichter RĂŒckgang von 766 auf 567 unerlaubte Einreisen festzustellen.
RĂŒckgang unerlaubter Einreisen im Osten
Weniger unerlaubte Einreisen gab es seit dem 16. September auch an den Grenzen zu Polen, Tschechien, der Schweiz und Ăsterreich. An der deutsch-polnischen Grenze stellte die Bundespolizei in den drei Wochen danach beispielsweise 631 unerlaubte Einreisen fest, nachdem sie im gleichen Zeitraum davor 847 Menschen ohne gĂŒltige Aufenthaltserlaubnis registriert hatte.
An der deutsch-dÀnischen Grenze ist die Zahl der festgestellten unerlaubten Einreisen ohnehin sehr niedrig. In den drei Wochen vor Beginn der stationÀren Kontrollen fielen dort 25 Menschen auf. In den drei Wochen danach stellte die Polizei 23 unerlaubte Einreisen fest.
Grenzkontrollen sind im Schengen-Raum eigentlich nicht vorgesehen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) begrĂŒndete die Anordnung stationĂ€rer Kontrollen an allen Landgrenzen gegenĂŒber der EU-Kommission mit irregulĂ€rer Migration sowie dem Schutz vor islamistischen Terroristen und grenzĂŒberschreitender KriminalitĂ€t.
Von einer unerlaubten Einreise spricht die Polizei, wenn ein AuslĂ€nder ohne gĂŒltigen Aufenthaltstitel die Grenze ĂŒberqueren will. ZurĂŒckweisungen sind nach Auffassung der Bundesregierung nur erlaubt, wenn jemand kein Asylbegehren Ă€uĂert oder wenn fĂŒr ihn eine zeitweilige Wiedereinreisesperre gilt. Das ist etwa der Fall, wenn jemand zuvor abgeschoben wurde, oder bei Menschen, die aus sogenannten sicheren HerkunftslĂ€ndern kommen, wenn ihr Asylantrag zuvor bereits als "offensichtlich unbegrĂŒndet" abgelehnt wurde.
Ohne stationĂ€re Kontrollen direkt an der Grenze sind ZurĂŒckweisungen nicht möglich. AuĂerdem mĂŒssen Schleuser, wenn es solche Kontrollen gibt, eher damit rechnen, von der Polizei entdeckt zu werden. Dass sich Schleuserbanden, wenn an einem Grenzabschnitt strenger kontrolliert wird, oft andere Routen suchen, ist ein Argument fĂŒr umfassende Kontrollen. Diese erhöhen allerdings die Arbeitsbelastung der Bundespolizei.
Weniger irregulÀre Migranten kommen nach Europa
Ein Grund dafĂŒr, dass die unerlaubten Einreisen zuletzt zurĂŒckgingen, ist sicher, dass in Europa in den zurĂŒckliegenden Monaten weniger Migranten irregulĂ€r ankamen. Nach Angaben der EU-Grenzschutzagentur Frontex sank die Zahl der unerlaubten Einreisen an den AuĂengrenzen der EuropĂ€ischen Union in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 42 Prozent auf rund 166.000 unerlaubte GrenzĂŒbertritte. Ob sich hier schon ein Abschreckungseffekt der im Oktober 2023 eingefĂŒhrten deutschen Binnengrenzkontrollen im Osten und an der Grenze zu Schweiz ablesen lĂ€sst, ist fraglich.
Laut Frontex war der RĂŒckgang auf der zentralen Mittelmeerroute - die von Nordafrika nach Italien und Malta fĂŒhrt - mit minus 64 Prozent besonders stark. Ăber die Westbalkanroute kamen demnach 79 Prozent weniger Menschen, was mit intensiveren Kontrollen in RumĂ€nien und Bulgarien zusammenhĂ€ngen könnte.
Einen deutlichen Anstieg stellte Frontex dagegen auf der fĂŒr die Migranten oft sehr gefĂ€hrlichen Westafrikaroute fest, die das spanische Festland oder die Kanaren zum Ziel hat sowie auf der Ăstlichen Landroute (plus 192 Prozent).
BĂŒnger forderte Faeser auf, die Binnengrenzkontrollen einzustellen. "Den politischen Wettstreit mit den Rechten, wer die Grenzen angeblich besser bewacht, wird sie nicht gewinnen", sagte sie. AuĂerdem wĂŒrden pro-europĂ€ische KrĂ€fte durch "die einseitige nationalstaatliche MaĂnahme" geschwĂ€cht.
Zuletzt wurden an den deutschen FlughĂ€fen und Landgrenzen pro Monat nach dpa-Informationen im Schnitt etwa 1500 unerlaubte Einreisen pro Woche gezĂ€hlt. - deutlich weniger als vor einem Jahr. Die meisten von ihnen stammen aus Syrien, Afghanistan und der TĂŒrkei. Ăber Frankreich kamen zuletzt jedoch auch einige irregulĂ€re Migranten aus Marokko und Algerien. Via Tschechien wollten auch einige russische StaatsbĂŒrger ohne Aufenthaltstitel einreisen.

