Tarifkonflikt bei der Bahn: Konzern legt neues Angebot vor
25.05.2023 - 17:33:14Bei der Deutschen Bahn gibt es ĂŒber Pfingsten keine Warnstreiks. Im Tarifkonflikt mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG hat der bundeseigene Konzern ein neues Angebot vorgelegt. Die Gewerkschaft schloss daraufhin aus, in den nĂ€chsten Tagen zu Arbeitsniederlegungen aufzurufen. «Wer verhandelt, streikt nicht», sagte EVG-VerhandlungsfĂŒhrer Kristian Loroch in Fulda. Die Bahn forderte die Gewerkschaft auf, sich bis Dienstag zum neuen Angebot zu Ă€uĂern. Die EVG wiederum teilte mit, dass sie die Tarifverhandlungen in der kommenden Woche weiterfĂŒhren möchte.
Das neue DB-Angebot fĂŒr gut 180.000 BeschĂ€ftigte sieht zwölf Prozent mehr Geld fĂŒr die unteren, zehn Prozent mehr fĂŒr die mittleren und acht Prozent mehr fĂŒr die oberen Einkommensgruppen vor. Die Erhöhungen sollen in zwei Stufen erfolgen, die erste im Dezember 2023. AuĂerdem bietet die DB die Zahlung von 2850 Euro InflationsausgleichsprĂ€mie an - 1450 Euro voraussichtlich im Juli, weitere 1400 Euro im November. Die Laufzeit liegt im Angebot bei 24 Monaten - und damit doppelt so hoch wie von der EVG gefordert.
Hoffnung auf Einigung
«Es gibt mehr Geld und es gibt frĂŒher mehr Geld, das ist die wesentliche gute Botschaft», sagte DB-Personalvorstand Martin Seiler in Fulda zum neuen Angebot. «Wir haben uns noch mal deutlich gestreckt. Wir hoffen nun, dass auf dieser Basis ein Ergebnis gefunden werden kann.»
Die EVG will bei den Verhandlungen mindestens 650 Euro mehr pro Monat und zwölf Prozent fĂŒr die oberen Einkommen erreichen.
Dass nun ĂŒber Pfingsten nicht gestreikt wird, dĂŒrfte nicht nur alle Bahnreisenden, sondern auch den Konzern selbst freuen. Das Feiertagswochenende gehört zu den reisestĂ€rksten im gesamten Jahr. Weil die FahrgĂ€ste bei einem Warnstreik Anspruch auf EntschĂ€digung haben, wĂ€re ein Ausstand sehr teuer geworden - und unabhĂ€ngig von den Kosten hĂ€tte mutmaĂlich der Frust ĂŒber die Bahn zugenommen.
Andauernde Verhandlungen
DB und EVG verhandeln seit Ende Februar ĂŒber einen neuen Tarifvertrag. Zu Beginn gingen die GesprĂ€che nur sehr stockend voran, zweimal rief die EVG daher zum Warnstreik auf und versuchte, den Druck auf die Bahn schnell zu erhöhen. Ein dritter, 50 Stunden langer Warnstreik wurde kurzfristig abgesagt, weil beide Seiten vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt am Main einem Vergleich zustimmten.
Die vierte Verhandlungsrunde begann am Dienstag in Fulda. Loroch bezeichnete die GesprÀche der vergangenen Tage als «konstruktiv im Vergleich zu den vorherigen Runden, weil wir mal in die Themen einsteigen konnten». Immer wieder wurde in kleineren Runden und Arbeitsgruppen verhandelt, Zwischenergebnisse ausgetauscht, am Dienstag und Mittwoch dauerten die GesprÀche jeweils bis in die Abendstunden an. «Die letzten Tage haben sehr deutlich gezeigt, dass es Sinn macht, dass wir weiter verhandeln und dass wir weiter sprechen», sagte Loroch.
Die Bahn schĂ€rfte zum Abschluss der Verhandlungsrunde bei ihrem neuen Angebot an mehreren Stellen nach, die die Gewerkschaft vorab als besonders wichtig herausgestellt hatte: Die Laufzeit wurde von 27 auf 24 Monate gesenkt und fĂŒr die unteren Lohngruppen zwölf statt zuvor zehn Prozent mehr Geld in Aussicht gestellt. Zudem wurde die erste Tabellenerhöhung noch in das laufende Jahr vorgezogen (statt MĂ€rz 2024). Die Gewerkschaft pochte zuletzt aber auch auf einer Festbetragserhöhung statt einem prozentualen Plus.


