ROUNDUP, Blinken

Blinken deutet FlexibilitÀt bei Einsatz von US-Waffen in Russland an

30.05.2024 - 06:31:17

In der Debatte um den Einsatz westlicher Waffen durch die Ukraine gegen militĂ€rische Ziele in Russland hat US-Außenminister Antony Blinken FlexibilitĂ€t angedeutet.

Seit Beginn des Krieges habe die US-Regierung ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine an die sich verĂ€ndernden Bedingungen angepasst, sagte Blinken am Mittwoch wĂ€hrend eines Besuchs im kleinen Nachbarland Moldau. Und er sei "zuversichtlich, dass wir das auch weiterhin tun werden".

Blinken war bei einer Pressekonferenz mit Moldaus PrĂ€sidentin Maia Sandu in der Hauptstadt Chisinau von einem Journalisten gefragt worden, ob US-PrĂ€sident Joe Biden zu einer Aufhebung der bestehenden EinschrĂ€nkungen bewegt werden könne. Blinken entgegnete, die US-Regierung habe Angriffe mit US-Waffen auf Ziele außerhalb der Ukraine weder ermöglicht noch dazu ermutigt. Die Ukraine mĂŒsse selbst entscheiden, wie sie sich am besten verteidigen könne. "Wir werden dafĂŒr sorgen, dass sie die dafĂŒr notwendige AusrĂŒstung erhĂ€lt."

Wörtlich betonte Blinken, ein Kennzeichen der amerikanischen UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine in den mehr als zwei Jahren seit Kriegsbeginn sei es stets gewesen, "sich anzupassen, wenn die Bedingungen sich verĂ€ndern, wenn das Schlachtfeld sich Ă€ndert, wenn Russland sein Handeln verĂ€ndert (...). Wir haben uns ebenfalls daran angepasst und verĂ€ndert, und ich bin zuversichtlich, dass wir das auch weiterhin tun werden."

Frankreichs PrÀsident Emmanuel Macron hatte am Dienstag deutlich gemacht, der Ukraine erlauben zu wollen, militÀrische Stellungen auf russischem Territorium auch mit westlichen Waffen anzugreifen. Zuletzt hatte auch Nato-GeneralsekretÀr Jens Stoltenberg Druck gemacht, bestehende BeschrÀnkungen in dieser Frage aufzuheben.

Die USA stellen der Ukraine ihre Waffen bislang zur VerfĂŒgung, damit diese ihre besetzten Gebiete befreit, aber nicht fĂŒr Angriffe auf Russland selbst. Offiziell geĂ€ndert hat die US-Regierung ihre Position nicht.

"Es gibt keine Änderung unserer Politik: Wir ermutigen weder dazu, noch ermöglichen wir den Einsatz von US-Waffen auf russischem Boden", sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, am Mittwoch. Er Ă€ußerte sich vor Journalisten, wĂ€hrend Blinken noch in Moldau war. Gleichzeitig betonte auch Kirby, dass die USA ihre UnterstĂŒtzung schon bisher an die sich verĂ€ndernden Bedingungen auf dem Schlachtfeld und die BedĂŒrfnisse der Ukraine angepasst hĂ€tten. Dies werde auch kĂŒnftig der Fall sein.

Die "New York Times" hatte vor einigen Tagen berichtet, Blinken werbe innerhalb der Regierung dafĂŒr, der Ukraine den Einsatz von US-Waffen gegen Ziele innerhalb russischen Gebiets zu ermöglichen. Er wolle PrĂ€sident Biden dazu bewegen, die EinschrĂ€nkungen aufzuheben, hieß es. Das Außenministerium wollte den Bericht damals weder dementieren noch bestĂ€tigen.

Pistorius Ă€ußert sich zurĂŒckhaltend zu Waffeneinsatz

Verteidigungsminister Boris Pistorius Ă€ußerte sich zu der Diskussion mit Blick auf von Deutschland gelieferte Waffen derweil zurĂŒckhaltend. "Klar sollte sein, im Interesse auch militĂ€rischer Taktik und Strategie, dass man nicht öffentlich darĂŒber diskutiert, was geht, was erlaubt ist und was wir möchten oder sehen möchten oder nicht", sagte der SPD-Politiker beim Besuch der Flugabwehrraketengruppe 21 in Sanitz in Mecklenburg-Vorpommern, die das Waffensystem Patriot einsetzt. "Das Völkerrecht lĂ€sst das alles zu. Was dann im Einzelnen geregelt ist zwischen den Staaten, das hat der Kanzler gestern gesagt, ist eine Regelung zwischen den Staaten."

Selenskyj: Russland kann Friedensgipfel nicht mehr untergraben

Rund zweieinhalb Wochen vor dem geplanten Ukraine-Friedensgipfel in der Schweiz Ă€ußerte sich der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj derweil hoffnungsvoll mit Blick auf die Veranstaltung. Russland ĂŒbe zwar Druck auf Staaten aus, damit diese nicht teilnehmen, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Ansprache am Mittwoch. Es sei aber "nicht lĂ€nger in der Lage, den Gipfel zu stören, auch wenn es sich große MĂŒhe gibt, das zu tun".

Die Schweiz organisiert das Treffen auf Wunsch der Ukraine am 15. und 16. Juni auf dem BĂŒrgenstock bei Luzern. Der Gipfel soll mehr internationale UnterstĂŒtzung fĂŒr das von Russland angegriffene Land mobilisieren. Die Ukraine hofft, neben UnterstĂŒtzerlĂ€ndern auch neutrale oder gar mit Russland befreundete Staaten von ihrer Position zu ĂŒberzeugen. Vor allem China wird umworben.

Es geht bei dem Treffen nicht um direkte Verhandlungen mit Russland, sondern in einem ersten Schritt um die Ausarbeitung von Friedensperspektiven. Moskau ist nicht eingeladen, lehnt eine Teilnahme aber ohnehin ab.

Was am Donnerstag wichtig wird

Die Außenministerinnen und Außenminister der 32 Nato-Staaten wollen an diesem Donnerstag und Freitag bei einem informellen Treffen in Prag die Vorbereitungen fĂŒr den nĂ€chsten BĂŒndnisgipfel vorantreiben. Bei dem Spitzentreffen im Juli in Washington soll unter anderem beschlossen werden, Aufgaben zur UnterstĂŒtzung der Ukraine, die bislang von den USA ĂŒbernommenen wurden, auf das BĂŒndnis zu ĂŒbertragen.

@ dpa.de