Jobcenter-Sprecher: 'Totalverweigerer' gibt es kaum
19.03.2024 - 08:41:48 | dpa.de"Wir reden da wirklich ĂŒber extreme EinzelfĂ€lle, die sich so im Ein-, Zwei-Prozent-Bereich bewegen. Das zeigt uns auch, dass die DebattenbeitrĂ€ge um das BĂŒrgergeld oft ein sehr verengtes und teilweise auch unzutreffendes Bild wiedergeben, weil sie sich an ExtremfĂ€llen orientieren und nicht an der Allgemeinheit der von uns betreuten Menschen", sagte Graaf am Dienstag auf WDR 5. Die CDU hatte am Montag ihre Vorstellungen fĂŒr einen radikalen Umbau des BĂŒrgergelds zu einer "Neuen Grundsicherung" mit verbindlicheren Anforderungen und Sanktionen vorgestellt. Lehnt ein arbeitsfĂ€higer GrundsicherungsempfĂ€nger ohne sachlichen Grund eine "ihm zumutbare Arbeit ab, soll kĂŒnftig davon ausgegangen werden, dass er nicht bedĂŒrftig ist", heiĂt es im Parteibeschluss.
Oft werde die Vielschichtigkeit der Problemlagen bei BĂŒrgergeld-Beziehern verkannt, sagte Graaf, der auch GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Jobcenters der StĂ€dteregion Aachen ist. "Anders als oft behauptet wollen die meisten Menschen arbeiten und sich aus- beziehungsweise fortbilden. Und anders als auch oft dargestellt haben wir im nennenswerten Umfang keine Menschen zu verzeichnen, die ihre Arbeit kĂŒndigen, um das ach so angeblich angenehme BĂŒrgergeld zu erhalten. Fakt ist, dass auch seit der EinfĂŒhrung des BĂŒrgergelds die Zahl der ĂbergĂ€nge der Menschen aus der BeschĂ€ftigung in den Leistungsbezug im Jahr 2023 nicht gestiegen ist."
Zu dem Argument, dass der Abstand zwischen dem BĂŒrgergeld und den BezĂŒgen im Niedriglohnsektor zu gering sei, sagte Graaf, es sei immer die Frage, ob das Existenzminimum zu hoch angesetzt sei oder die Löhne zu gering seien. "Ein Alleinstehender bekommt im Moment 563 Euro. Da sind circa 196 Euro fĂŒr Nahrungsmittel, GetrĂ€nke drin, da sind 46 Euro fĂŒr Bekleidung und Schuhe drin, da kann jeder fĂŒr sich beurteilen: Ist das zu viel, ist das zu wenig?" Die Politik habe hier auch nur einen begrenzten Entscheidungsspielraum, weil das Bundesverfassungsgericht klare Regelungen getroffen habe, die das Existenzminimum festlegten.
Als "sehr ĂŒberlegenswert" bezeichnete er dagegen den Vorschlag der CDU, dass Menschen, die etwa Termine fĂŒr BeratungsgesprĂ€che im Jobcenter nicht wahrnĂ€hmen, stĂ€rker sanktioniert werden sollten. "Das gehört zur Ehrlichkeit dazu: Es gibt im Moment auch eine Reihe von Menschen, die einfach die zehn Prozent Leistungsminderung, die es gibt bei Termin-Untreue, hinnehmen, und da arbeiten wir mit einem stumpfen Schwert."
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