Tesla, GrĂŒnheide

ArbeitsunfÀlle und mehrere Umwelt-Havarien in Tesla-Fabrik

28.09.2023 - 16:13:30

In der Fabrik von Autobauer Tesla hat es seit der Bauphase mehrere schwere ArbeitsunfÀlle gegeben. Der Bundesarbeitsminister zeigt sich besorgt, die Brandenburger Landesregierung sieht dagegen nichts Ungewöhnliches.

In der Fabrik des US-Elektroautoherstellers Tesla in GrĂŒnheide bei Berlin haben sich seit 2021 sieben schwere ArbeitsunfĂ€lle ereignet. In drei FĂ€llen seien Tesla-BeschĂ€ftigte betroffen gewesen, in vier FĂ€llen BeschĂ€ftigte von Bau- oder Montagefirmen der Großbaustelle, teilte das Brandenburger Sozialministerium mit. Das Ministerium stufte die Zahlen nicht als ungewöhnlich ein.

Der «Stern» berichtete von auffallend vielen ArbeitsunfĂ€llen. So habe Tesla 190 meldepflichtige UnfĂ€lle zwischen Juni und November 2022 angegeben - das wĂ€re praktisch tĂ€glich. Der Autobauer verwies auf engmaschige Kontrollen der Behörden. Seit der Eröffnung im MĂ€rz 2022 meldete Tesla außerdem 26 Umwelt-Havarien.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) zeigte sich besorgt. «Arbeitsschutz schĂŒtzt in Deutschland im Zweifelsfall auch Leben und deshalb bin ich tief besorgt ĂŒber die Nachrichten, die da ĂŒber ein großes Unternehmen in die Öffentlichkeit gekommen sind», sagte Heil RTL und n-tv. Er erwarte konsequente LĂ€nder-Kontrollen. Der Linke-Bundestagsfraktionschef Dietmar Bartsch forderte im «Stern»: «Lassen sich die Bedingungen nicht zĂŒgig verbessern, sollte letztlich auch ĂŒber einen Entzug der Betriebserlaubnis debattiert werden.»

Brandenburgs Sozialministerium hĂ€lt die Zahl schwerer UnfĂ€lle im Vergleich der Arbeitsschutzkontrollen nicht fĂŒr ungewöhnlich. «Gerade vor dem Hintergrund der BetriebsgrĂ¶ĂŸe - dem grĂ¶ĂŸten Industriestandort von Brandenburg - ist das fĂŒr uns ein normales Geschehen», sagte Ministeriumssprecher Gabriel Hesse der Deutschen Presse-Agentur. «Wir haben keine Hinweise, dass hier ĂŒbermĂ€ĂŸig viele ArbeitsschutzverstĂ¶ĂŸe vorfallen.» Tesla werde regelmĂ€ĂŸig kontrolliert. MinisterprĂ€sident Dietmar Woidke (SPD) sagte dem «Stern» auf die Frage nach den UnfĂ€llen, dies sei ihm nicht unbekannt, er verwies aber auf Tesla.

Gewerkschaft fordert Ende von MissstÀnden

Nach Angaben der Berufsgenossenschaft Holz und Metall traten 2022 statistisch bei Auto- und Autoteilherstellern 16 meldepflichtige UnfĂ€lle bei 1000 BeschĂ€ftigten auf. Tesla meldete im Mai 2022 mehr als 4000 BeschĂ€ftigte. FĂŒr diese Mitarbeiterzahl lĂ€ge die statistische Zahl meldepflichtiger UnfĂ€lle der Branche bei 64 - deutlich weniger als im «Stern»-Bericht. Die Genossenschaft nannte keine Zahlen und betonte, nicht alle UnfĂ€lle könnten dem Unternehmen zugeordnet werden. Auch seien die Betriebe unterschiedlich groß.

Die Gewerkschaft IG Metall sprach von MissstĂ€nden. «Wir sind schon seit lĂ€ngerem besorgt ĂŒber die Arbeitssicherheit bei Tesla in GrĂŒnheide», sagte der Bezirksleiter fĂŒr Berlin, Brandenburg und Sachsen, Dirk Schulz. Dem «Stern» sagte er: «Ich habe die grĂ¶ĂŸte Sorge, dass irgendwann jemand zu Tode kommt.»

Ein schwerer Arbeitsunfall liegt bei Verletzungen mit voraussichtlich mehr als sechs Wochen stationÀrer Behandlung oder bleibendem Körperschaden mit Anspruch auf Unfallrente vor. Meldepflichtig ist ein Arbeitsunfall, wenn BeschÀftigte mehr als drei Tage arbeitsunfÀhig sind oder getötet werden.

Teil des GelÀndes im Wasserschutzgebiet

Zu den 26 Umwelt-Havarien zĂ€hlen ausgetretene Stoffe wie 15.000 Liter Lack, 13 Tonnen Aluminium sowie 50 und 150 Liter Diesel. Das geht aus Daten des Landesamts fĂŒr Umwelt hervor, ĂŒber die der «Stern» berichtete und die auch der dpa vorliegen. Bei den VorfĂ€llen handelt es sich laut Behörde um Betriebsstörungen, nicht um StörfĂ€lle im Sinn der Störfallverordnung. Ein Teil des GelĂ€ndes liegt im Wasserschutzgebiet.

Tesla rĂ€umte ein, dass es auf dem FabrikgelĂ€nde wĂ€hrend der Bauarbeiten und seit der Inbetriebnahme mehrere VorfĂ€lle gegeben habe. Bei keinem Vorfall habe es sich aber um einen Störfall nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz gehandelt, bei keinem Vorfall sei es zu UmweltschĂ€den gekommen, heißt es bei dem Unternehmen. Wenn nötig, seien Korrekturmaßnahmen umgesetzt worden.

Der Forschungsgruppenleiter fĂŒr Ökologie und Management von FlĂŒssen und Seeufern am Leibniz-Institut fĂŒr GewĂ€sserökologie und Binnenfischerei, Martin Pusch, sprach von einer grundsĂ€tzlich hohen GefĂ€hrdung mit Blick auf das Trinkwasser. «Es ist ein hohes Risiko der BeeintrĂ€chtigung der Trinkwasserversorgung aufgrund der geringen RĂŒckhaltekapazitĂ€t des Untergrunds», sagte Pusch der dpa.

Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (GrĂŒne) rĂ€umte auf Anfrage des «Stern» ein, dass Probleme auf dem WerksgelĂ€nde aufgetaucht seien, sah aber keine Gefahr. Auf die Frage, ob er ausschließen könne, dass das Grundwasser unter der Fabrik verseucht ist, sagte er laut «Stern»: «Kann ich ausschließen. Die Überwachung funktioniert.»

Tesla stellt seit MĂ€rz 2022 in GrĂŒnheide Elektroautos her. Umwelt- und NaturschĂŒtzer sehen Gefahren. In der Fabrik arbeiten nach Angaben des Unternehmens rund 11.000 Mitarbeiter, die hochgerechnet etwa 250.000 Fahrzeuge im Jahr herstellen. Tesla will das Werk ausbauen.

@ dpa.de