Wildberger, InnenstÀdte

Wildberger: «Wir investieren weiter in die InnenstÀdte»

18.02.2024 - 04:58:33

In deutschen InnenstÀdten fehlt es Karsten Wildberger oft an Inspiration. Er verrÀt, wie er Kunden in die Filialen locken will - und was deutsche HÀndler von Onlineshops wie Temu lernen können.

Insolvenzen, Konsumflaute und mĂ€ĂŸige UmsĂ€tze: Der stationĂ€re Einzelhandel in Deutschland erlebt schwierige Zeiten. Der ElektronikhĂ€ndler MediaMarktSaturn will trotzdem langfristig auf seine Filialen setzen.

«Wir investieren weiter in die InnenstÀdte und werden dort auch in Zukunft prÀsent sein. Deswegen sind wir auch immer auf der Suche nach neuen Standorten», sagte Karsten Wildberger, Chef von Ceconomy sowie dessen Tochterunternehmen MediaMarktSaturn. Die Elektronikkette hat in Deutschland gut 400 MÀrkte mit knapp 20.300 BeschÀftigten.

«Sehr deutsche Diskussion»

Die Debatte ĂŒber eine mangelnde AttraktivitĂ€t der InnenstĂ€dte ist fĂŒr Wildberger eine «sehr deutsche Diskussion». In Italien und Spanien sieht er viele Beispiele fĂŒr erfolgreich konzipierte Stadtzentren. «In den Niederlanden gelingt das im Bereich Einzelhandel sehr gut, die InnenstĂ€dte sehen toll aus.»

Dort werde in Sauberkeit, Erreichbarkeit und gute Parkmöglichkeiten investiert. Es gebe eine richtige Mischung aus GeschĂ€ften und Gastronomie, viele Orte zum Verweilen und ein anderes Bewusstsein. In Deutschland sei das genauso möglich. «Auch bei uns gibt es schöne InnenstĂ€dte, aber hĂ€ufig fehlt die Inspiration.» HĂ€ndler und Politik seien gefragt, fĂŒr mehr AttraktivitĂ€t zu sorgen.

Die erneute Insolvenz von Galeria Karstadt Kaufhof sieht Wildberger mit Sorge und rechnet mit Auswirkungen fĂŒr die InnenstĂ€dte, wenn die Warenhauskette dort weniger prĂ€sent sein sollte. Â«Ăœber die GrĂŒnde will ich nicht spekulieren. Jedes Unternehmen muss fĂŒr sich den richtigen Weg finden, das geĂ€nderte Kundenverhalten in seinem GeschĂ€ftsmodell abzubilden.» Er erwartet nach eigenen Worten nicht, dass Media-Markt und Saturn das gleiche Schicksal droht. «Wir mĂŒssen den Kunden auf allen KanĂ€len das anbieten, was er sucht. Die Menschen haben heute eine höhere Erwartungserhaltung. Dem mĂŒssen wir gerecht werden.»

MĂ€rkte renoviert

Die Elektronikhandelskette habe viel Nachholbedarf gehabt, sagte Wildberger. Nun sieht er das Unternehmen gut aufgestellt. Man habe in Schulungen der Mitarbeiter investiert, die HĂ€lfte der MĂ€rkte renoviert und Erlebnisbereiche eingefĂŒhrt. Die Kunden könnten Staubsauger ausprobieren, sich Kaffeemaschinen nicht mehr nur anschauen, sondern auch testen, und Jugendliche könnten in speziellen Bereichen Computerspiele spielen. «Wir bieten den Kunden auf der FlĂ€che ein Erlebnis an und sehen, dass das gut angenommen wird.»

Dass es schwieriger wird, Besucher in die Filialen zu holen, glaubt Wildberger nicht. Es sei wichtig, sich Produkte anzuschauen, auszuprobieren und vergleichen zu können. «Von einem Fachberater im Markt erhalten die Kunden oft viel mehr Informationen als im Netz.» Er setzt auf ein kanalĂŒbergreifendes GeschĂ€ftsmodell. Die Verzahnung von Online und stationĂ€rem GeschĂ€ft gelinge gut. 38 Prozent der Kunden holten die Waren in den MĂ€rkten ab und gingen dann noch einkaufen. Wildberger sieht fĂŒr sein GeschĂ€ftsfeld einen Vorteil: «Technik wird das Leben von Menschen immer mehr beeinflussen. Der Trend ist fĂŒr uns also sehr positiv.» Gleichzeitig steige der Bedarf, sich in einer komplexen Welt zurechtzufinden.

Mit Interesse verfolgt Wildberger die Ausbreitung chinesischer Onlineshops wie Temu. Viele der asiatischen Unternehmen setzten stark auf Social Commerce. «Sie vertreiben ihre Produkte sehr zielgruppengerichtet ĂŒber soziale Netzwerke wie TikTok und anderen Plattformen oder nutzen Influencer. Davon können wir uns viel abgucken.» Bei allen Anbietern mĂŒsse jedoch sichergestellt sein, dass sie sich an europĂ€ische Gesetze hielten. «Die Umsetzung der Regularien zu Einfuhrbestimmungen, Nachhaltigkeit und Lieferketten muss gewĂ€hrleistet werden. Wir brauchen die gleichen Spielregeln fĂŒr alle.»

@ dpa.de