Warum immer mehr Rentner noch weiter arbeiten
07.10.2024 - 12:53:17In der Gruppe der jĂŒngeren Rentner zwischen 65 und 74 Jahren sind es 13 Prozent, wie das Statistische Bundesamt auf der Grundlage des aktuellen Mikrozensus aus dem vergangenen Jahr berichtet.
Nur eine Minderheit von 33 Prozent nennt dabei finanzielle GrĂŒnde als Motiv. Fast genau so viele (29 Prozent) nennen die "Freude an der Arbeit" als Hauptgrund. 11 Prozent finden den Job lukrativ oder wollen nicht aufhören, weil der Partner oder die Partnerin ebenfalls berufstĂ€tig ist. Die soziale Integration unter Kollegen ist demnach fĂŒr 9 Prozent der Befragten ausschlaggebend.
Viele können sich einen Job im Alter vorstellen
Ăhnliche Ergebnisse hat eine BeschĂ€ftigtenbefragung des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) mit 5000 Teilnehmern erbracht. Danach kann sich sogar ein gutes Drittel (36 Prozent) der abhĂ€ngig BeschĂ€ftigten vorstellen, nach dem Renteneintritt weiterzuarbeiten. Besonders hoch ist die Zustimmung, wenn die Menschen in ihrem derzeitigen Job zufrieden sind und das GefĂŒhl haben, eine wichtige Arbeit zu erledigen.
Mit 75 arbeitet kaum noch wer
Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung waren zum Jahresende 2022 rund 1,35 Millionen der 18,6 Millionen Rentner und Rentnerinnen erwerbstĂ€tig. Mehr als zwei Drittel gingen einer geringfĂŒgigen BeschĂ€ftigung nach, ergĂ€nzt das Institut fĂŒr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Zumeist handelt es sich um jĂŒngere Rentner, denn ab 75 Jahren sinkt die BeschĂ€ftigtenquote deutlich auf 2 Prozent. In dieser Altersgruppe ist nur noch jeder 50. beruflich aktiv.
Nicht zuletzt im Zeichen des FachkrĂ€ftemangels hat der Gesetzgeber in den vergangenen Jahren die Rahmenbedingungen fĂŒr mehr BeschĂ€ftigung im Alter verbessert. Seit 2023 können Altersrentner unbegrenzt hinzuverdienen, ohne dass ihre Rente gemindert wĂŒrde. Allerdings mĂŒssen Rente und Arbeitslohn wie andere Einkommensarten gemeinsam versteuert werden.
Flexibler Renteneintritt
Die Rentenversicherung bietet den Betroffenen mit der sogenannten Flex-Rente allerhand Möglichkeiten, den Renteneintritt aufzuschieben oder sich die Rente zunĂ€chst nur teilweise auszahlen zu lassen. Die Ampel-Regierung hat zudem PlĂ€ne fĂŒr eine neue PrĂ€mie auf den Weg gebracht: Wer mindestens ein Jahr lĂ€nger arbeitet, soll ab 2025 eine zusĂ€tzliche "RentenaufschubprĂ€mie" bekommen. Das entsprechende Gesetz ist aber noch nicht beschlossen.
Laut Mikrozensus gehen MĂ€nner im Alter zwischen 65 und 74 Jahren mit einem Anteil von 16 Prozent hĂ€ufiger einem Job nach als die Frauen, von denen jede zehnte erwerbstĂ€tig ist. Menschen mit höheren BildungsabschlĂŒssen arbeiten mit einem Anteil von 18 Prozent hĂ€ufiger lĂ€nger als solche mit niedrigem (11 Prozent) oder mittlerem Bildungsniveau (12 Prozent).
Blanke Not oder soziale Einbindung?
Umstritten sind die Motive fĂŒr Erwerbsarbeit im Alter. Politiker der Linken wie auch des BĂŒndnisses Sahra Wagenknecht (BSW) betonen die blanke ökonomische Notwendigkeit fĂŒr die Betroffenen angesichts niedriger Durchschnittsrenten selbst nach 45 BeschĂ€ftigungsjahren. Mehr als eine Million LangzeitbeschĂ€ftigter mĂŒsse in Deutschland mit einer Rente von höchstens 1200 Euro im Monat auskommen.
In der IAB-Studie nannten hingegen nur 43 Prozent der "Silver Worker" ihre finanzielle Situation als Grund fĂŒr ihre TĂ€tigkeit. Bei möglichen Mehrfachnennungen fanden die Motive SpaĂ bei der Arbeit, weiter eine Aufgabe zu haben und Kontakt zu anderen Menschen weit höhere Zustimmung oberhalb von 90 Prozent.
Gesundheitliche GrĂŒnde
Doch lĂ€ngst nicht jeder Job kann bis ins hohe Alter erledigt werden, warnen etwa die Gewerkschaften. Nach einem langen Arbeitsleben seien die BeschĂ€ftigten auch oftmals gesundheitlich beeintrĂ€chtigt. TatsĂ€chlich nennen beim IAB zwei von drei nicht mehr berufstĂ€tigen Befragten aus dem untersten Einkommensviertel gesundheitliche GrĂŒnde als Hinderungsgrund. Noch wichtiger ist bei ihnen nur noch die Auffassung, im Leben bereits genug gearbeitet zu haben.

