UN-Chef, Sicherheitsrat

UN-Chef drĂ€ngt Sicherheitsrat außergewöhnlich stark zu Gaza-Handeln

07.12.2023 - 06:29:03

In einem seltenen Vorgang hat UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres den Weltsicherheitsrat dringend aufgefordert, sich fĂŒr die Abwendung einer humanitĂ€ren Katastrophe im Gazastreifen einzusetzen.

In einem Brief an den Sicherheitsrat berief sich der UN-Chef dazu am Mittwoch erstmals seit seinem Amtsantritt 2017 auf den Artikel 99 der UN Charta. Dieser erlaubt dem GeneralsekretÀr, den Sicherheitsrat auf "jede Angelegenheit hinzuweisen, die seiner Meinung nach die GewÀhrleistung von internationalem Frieden und Sicherheit gefÀhrden kann" und ist den UN zufolge seit Jahrzehnten nicht angewandt worden.

"Ich fordere die Mitglieder des Sicherheitsrats auf, darauf zu drĂ€ngen, eine humanitĂ€re Katastrophe zu verhindern", hieß es in dem Brief, der der Deutschen Presse-Agentur vorlag. "Ich wiederhole meinen Aufruf, dass ein humanitĂ€rer Waffenstillstand ausgerufen werden muss. Das ist dringend. Der zivilen Bevölkerung muss grĂ¶ĂŸeres Leid erspart bleiben."

Der UN-Chef habe sich angesichts des großen Verlusts von Menschenleben im Gazastreifen und in Israel innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitraums fĂŒr die Berufung auf Artikel 99 der UN-Charta entschieden, hieß es von den Vereinten Nationen. In der Geschichte der UN ist das bisher nur sehr selten vorgekommen. Symbolisch verleiht der GeneralsekretĂ€r seinem Aufruf damit eine grĂ¶ĂŸere Bedeutung. "Das ist ein sehr dramatischer, ein sehr starker Akt und wir hoffen, dass er die Mitglieder des Sicherheitsrates und die internationale Gemeinschaft bewegt", sagte ein Sprecher des GeneralsekretĂ€rs.

Direkte Folgen hat eine Berufung auf Artikel 99 nicht. Es sei aber zu erwarten, dass sich der Sicherheitsrat daraufhin noch in dieser Woche zu dem Thema zusammensetzen werde und auch UN-Chef Guterres dabei sein werde, sagte der Sprecher. Zudem werde der GeneralsekretĂ€r in den kommenden Tagen darĂŒber hinaus auch noch telefonisch und persönlich mit den Mitgliedern des Sicherheitsrates kommunizieren.

Normalerweise entscheiden die Mitglieder des Sicherheitsrats selbst, welche Angelegenheiten sie als Bedrohung fĂŒr den Weltfrieden wahrnehmen und deshalb auf die Tagesordnung setzen wollen. Zum Gaza-Krieg hat das mĂ€chtigste UN-Gremium bislang eine Resolution verabschiedet, sich aber ansonsten hĂ€ufig zerstritten gezeigt.

Israels Außenminister kritisierte Guterres Schritt scharf. "Sein Antrag, Artikel 99 zu aktivieren und die Forderung nach einem Waffenstillstand in Gaza stellen eine UnterstĂŒtzung der Terrororganisation Hamas dar", schrieb Eli Cohen auf X. "Jeder, der den Weltfrieden unterstĂŒtzt, muss die Befreiung Gazas von der Hamas unterstĂŒtzen." Guterres Amtszeit gefĂ€hrde den Weltfrieden. Das VerhĂ€ltnis zwischen Israel und den Vereinten Nationen gilt als sehr belastet. In den UN-Organen spiegelt sich die Haltung der LĂ€nder der Welt, von denen die Mehrheit Israel gegenĂŒber kritisch oder gar feindlich eingestellt ist.

Auslöser des Krieges war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der Hamas sowie anderer Terrorgruppen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze zum Gazastreifen verĂŒbt hatten. Mehr als 1200 Menschen wurden getötet. Bei den israelischen Angriffen auf den Gazastreifen sind nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums seitdem mehr als 16 200 Menschen in Gaza getötet worden. UnabhĂ€ngig lĂ€sst sich diese Angabe gegenwĂ€rtig nicht ĂŒberprĂŒfen. Die UN und Beobachter weisen aber darauf hin, dass sich die Zahlen der Behörde in der Vergangenheit als insgesamt glaubwĂŒrdig herausgestellt hĂ€tten.

@ dpa.de