Backhandwerk auf dem RĂŒckzug - Doch die Brotindustrie wĂ€chst
10.03.2025 - 10:45:36Die Deutschen kaufen ihr Brot immer hĂ€ufiger bei GroĂbĂ€ckereien oder im Supermarkt. WĂ€hrend das klassische BĂ€ckerhandwerk seit Jahren schrumpfe, expandiere die Brotindustrie, teilte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-GaststĂ€tten (NGG) auf Grundlage einer Branchenanalyse mit. Die NGG spricht von einer «zunehmenden Dominanz von GroĂfilialisten und Brotindustrie».
Der Umsatz der gesamten Backwarenbranche mit 282.000 BeschĂ€ftigten sei 2023 zwar auf 21,8 Milliarden Euro gestiegen - die Zahl der Betriebe des klassischen BĂ€ckerhandwerks sei allerdings in den vergangenen zehn Jahren um 30 Prozent gesunken. Im gleichen Zeitraum seien 20.000 ArbeitsplĂ€tze verloren gegangen, heiĂt es in der Analyse der NGG in Kooperation mit der Hans-Böckler-Stiftung.Â
Brot und Brötchen sind in den vergangenen Jahren ĂŒberdurchschnittlich teurer geworden. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts von Ende April stiegen die Preise fĂŒr die Backwaren von 2019 bis 2023 um gut ein Drittel. Die Backwarenbranche klagt - wie andere Branchen - ĂŒber hohe Energiekosten, Personalmangel und viel BĂŒrokratie.
55 Betriebe machen mehr als ein Drittel des Umsatzes
WĂ€hrend viele traditionelle BĂ€ckereien verschwinden, expandieren andere. Die Zahl der groĂen LieferbĂ€ckereien wie Harry Brot oder Lieken Urkorn, die SupermĂ€rkte mit abgepacktem Brot beliefern, und GroĂfilialisten wie SchĂ€fers, Kamps oder Steinecke ist der Analyse zufolge von 2014 bis 2024 um rund 20 auf 133 gestiegen. «Die Branchenstruktur hat sich also weiter in Richtung der GroĂen verschoben, auf die auch das Gros der UmsĂ€tze entfĂ€llt», heiĂt es. 55 von insgesamt 8.100 Betrieben hĂ€tten mit jeweils ĂŒber 50 Millionen Euro Umsatz einen Marktanteil von 36 Prozent.
Auch bei der Zahl der BeschĂ€ftigten gibt es eine Verschiebung zu GroĂbetrieben. Hier arbeiten mittlerweile fast 62.000 - 9.000 mehr als noch vor zehn Jahren. Bei kleineren und mittleren Unternehmen ging die Zahl dagegen um 26.000 auf 139.000 zurĂŒck.
Zwar habe die Zahl der BeschĂ€ftigten «parallel zu der sich erholenden GeschĂ€ftsentwicklung vieler Betriebe bis 2024 insgesamt um 2.000 BeschĂ€ftigte zugenommen». Jedoch sei das Wachstum allein auf mehr Minijobs zurĂŒckzufĂŒhren. «Diese Entwicklung zeigt eine Verschiebung hin zu weniger stabilen und tendenziell schlechter abgesicherten ArbeitsverhĂ€ltnissen», beklagte der NGG-Vorsitzende Guido Zeitler.Â
GrundsĂ€tzlich klagen viele BeschĂ€ftigte der Analyse zufolge ĂŒber eine hohe Arbeitsbelastung - vor allem VerkĂ€uferinnen und VerkĂ€ufer in den Filialen. Dies sei unter anderem auf Personalmangel und Zeitdruck zurĂŒckzufĂŒhren, sagte Studienleiter Stefan Stracke von wmp consult.
Fast jeder vierte BĂ€ckerlehrling bricht die Ausbildung ab
Der Personal- und FachkrĂ€ftemangel bleibt eine der gröĂten Herausforderungen der Branche. Einige Betriebe des BĂ€ckerhandwerks suchten bereits in SĂŒdostasien und Nordafrika nach Auszubildenden. Fast ein Viertel der Azubis im Backgewerbe habe einen Migrationshintergrund.Â
Positiv bewertet die Gewerkschaft die jĂŒngste Entwicklung bei den Auszubildenden-Zahlen. «Mehr junge Menschen wollen wieder in BĂ€ckereien arbeiten», teilte die NGG mit. 2024 habe es 11,4 Prozent mehr BĂ€cker-Azubis gegeben als im Vorjahr, bei den FachverkĂ€ufern sogar 22,5 Prozent mehr. Insgesamt waren es 11.000 Azubis und damit rund 1.000 mehr als im Vorjahr. Zuvor sei die Zahl der Auszubildenden jahrelang rĂŒcklĂ€ufig gewesen. Ob dies ein nachhaltiger Trend sei, bleibe abzuwarten.Â
Arbeit von der Nacht in den Tag verlagern
Viele Lehrlinge brechen ihre Ausbildung auĂerdem ab. Bei den BĂ€ckereifachverkĂ€ufern lag die Quote der Analyse zufolge von 2018 bis 2023 zwischen 25 und 29 Prozent gelegen, bei den BĂ€ckerlehrlingen waren es 18 bis 23 Prozent.
Um das BĂ€ckerhandwerk attraktiver zu machen, könne die Arbeit von der Nacht in den Tag verlagert werden, heiĂt es. In der Breite gebe es bislang eher selten Schritte zur umfassenden Verlagerung. Viele Betriebe seien jedoch bestrebt, vorbereitende Arbeiten bestmöglich tagsĂŒber vorzunehmen. Doch es gibt Grenzen: «Nachts muss gebacken werden, auch Aufgaben wie die Auslieferung von Waren an die Filialen erfolgen weiterhin nachts beziehungsweise in den frĂŒhen Morgenstunden.»





