ING-Chefvolkswirt warnt vor möglicher Gasmangellage im kalten Winter
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 06:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski hat vor einer möglichen Gasmangellage in Deutschland gewarnt. Angesichts historisch niedriger GasspeicherstĂ€nde hĂ€lt er Probleme im Falle eines auĂergewöhnlich kalten Winters fĂŒr denkbar.
Warnung vor EngpÀssen
Bei einem normalen Winter seien keine Versorgungsprobleme zu erwarten, sagte Brzeski. Sollte es jedoch mehrere sehr kalte Monate hintereinander geben, könne sich die Lage deutlich verschÀrfen.
Nach seinen Angaben sollten die zustĂ€ndigen Stellen deshalb frĂŒhzeitig prĂŒfen, aus welchen LĂ€ndern zusĂ€tzlich LNG beschafft werden könnte. Als weitere Möglichkeit nannte er vorĂŒbergehend einen stĂ€rkeren Einsatz von Kohle.
Erwartungen bei Gas, Ăl und Inflation
Brzeski rechnet auĂerdem mit steigenden Gaspreisen und sieht Risiken fĂŒr kleinere Versorger. Diese hĂ€tten schon 2022 hohe Marktpreise tragen mĂŒssen, ohne sie sofort an Kunden weitergeben zu können.
Auch beim Ăl erwartet er im dritten Quartal hohe Notierungen. FĂŒr Autofahrer hĂ€tte das spĂŒrbare Folgen, zugleich dĂŒrfte der Inflationsdruck nach seiner EinschĂ€tzung lĂ€nger bestehen bleiben.
Brzeski geht davon aus, dass die Inflationsrate in Deutschland bis zum Jahresende ĂŒber drei Prozent liegen wird. Auch im August könnte die Marke nach seiner EinschĂ€tzung erreicht oder spĂ€testens im September ĂŒberschritten werden.
Blick auf die Versorgungslage
FĂŒr die Bundesregierung steht damit erneut die Frage im Raum, wie sich Beschaffung, SpeicherbefĂŒllung und Krisenvorsorge miteinander verbinden lassen. Entscheidend bleibt, ob sich die Versorgungslage vor dem Winter weiter entspannt oder ob die Marktpreise bei kĂŒhler Witterung schnell wieder anziehen.
FĂŒr Verbraucher, Unternehmen und Kommunen ist das Thema deshalb doppelt relevant: Es geht um die Sicherheit der WĂ€rmeversorgung und zugleich um die Kostenentwicklung in einer ohnehin preissensiblen Phase. Weiterleiten Sie den Artikel an Freunde.
Die Warnung des ING-Chefvolkswirts knĂŒpft an ein bekanntes Muster an: Im SpĂ€tsommer entscheidet sich oft, wie robust die Energieversorgung fĂŒr den Winter ist. Wenn SpeicherstĂ€nde niedrig bleiben und zugleich kĂ€ltere Phasen eintreten, steigen die Anforderungen an Beschaffung, FlexibilitĂ€t und Koordination spĂŒrbar.
FĂŒr Deutschland ist dabei vor allem relevant, dass Gas nicht nur Haushalte und WĂ€rmeversorgung betrifft, sondern auch Industrie, Strommarkt und Preisentwicklung. Höhere Gaspreise wirken schnell auf Kosten vieler Unternehmen, auf WĂ€rmeabrechnungen und indirekt auf die Inflationsrate. Deshalb haben EinschĂ€tzungen zu SpeicherstĂ€nden und Beschaffungsstrategien eine Bedeutung, die weit ĂŒber den Energiemarkt hinausreicht.
Worauf es im Winter ankommt
Brzeski stellt die Frage der Vorsorge in den Mittelpunkt: zusĂ€tzliche LNG-Mengen, mögliche Alternativen wie mehr Kohleeinsatz und ein frĂŒhzeitiges Handeln der Politik. Der Kern seiner Warnung ist ökonomisch nachvollziehbar: Wer knappe Mengen erst unter Zeitdruck beschafft, zahlt meist mehr. Genau deshalb sind Speicher, Importquellen und Reserveoptionen im Herbst zentrale Stellschrauben.
Folgen fĂŒr Preise und Inflation
Wenn Gas und Ăl zugleich teuer bleiben, erhöht das den Druck auf Verbraucherpreise und auf die Kalkulation kleinerer Versorger. FĂŒr Leser bedeutet das vor allem: Die Kostenentwicklung bei Energie bleibt ein wichtiger Taktgeber fĂŒr das Preisniveau, und sie kann sich mit Verzögerung in anderen Lebensbereichen bemerkbar machen. Ob es tatsĂ€chlich zu EngpĂ€ssen kommt, hĂ€ngt dabei wesentlich vom Wetterverlauf, von den Importen und vom Verbrauch ab.
