Insolvenzfonds droht Kollaps: 160 Millionen Euro Lücke bis 2027
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 16:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bundeskanzler Christian Stocker kündigt eine Lösung für den klammen Insolvenzentgeltfonds (IEF) an. Dem Fonds fehlen bis 2027 rund 160 Millionen Euro.
Der IEF sichert bei Firmenpleiten ausstehende Löhne und Abfertigungen der Beschäftigten ab. Jetzt drohen die Reserven zu versiegen. Schuld sind sinkende Einnahmen und eine Häufung großer Insolvenzen.
Beitragssenkung rächt sich
2022 halbierte die Regierung den Arbeitgeberzuschlag zur Insolvenzentgeltsicherung von 0,2 auf 0,1 Prozent. Gleichzeitig belasteten Großpleiten wie Signa, KTM, Kika/Leiner und Palmers die Rücklagen erheblich.
Die Rechnung für 2027 ist ernüchternd: Einnahmen von 162 Millionen stehen Ausgaben von bis zu 350 Millionen gegenüber. Stocker will nun klären, ob es sich um eine systemische Lücke oder Nachwirkungen der Coronamaßnahmen handelt. Eine Erhöhung der Lohnnebenkosten schloss er aus.
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Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann sieht dagegen die Gesetzeslage klar: Bei drohenden Verlusten muss das Ministerium entweder Kredite aufnehmen oder den Beitragssatz anpassen. Gemeinsam mit Arbeiterkammer (AK) und ÖGB fordert sie die Rückkehr zu 0,2 Prozent.
Streit um die Finanzierung
In der Koalition und Opposition gehen die Meinungen auseinander. Die Grünen halten eine Beitragserhöhung für gesetzlich geboten. ÖVP und NEOS lehnen höhere Lohnnebenkosten strikt ab.
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Grünen-Sprecher Markus Koza kritisierte die Haltung von Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung scharf. Der Gesetzgeber habe eine Anpassung schließlich vorgesehen.
Staatssekretär Josef Schellhorn brachte derweil Rücklagen der Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer als alternative Finanzquelle ins Spiel. Die Arbeitnehmervertreter erteilten dem eine klare Absage. PRO-GE-Chef Reinhold Binder betonte, die Arbeitgeber dürften sich nicht aus der Verantwortung stehlen.
Finanziert wird der Fonds primär durch den IESG-Zuschlag der Arbeitgeber. Ob staatliche Kredite, höhere Beiträge oder Umschichtungen die Lücke schließen, entscheiden die kommenden Verhandlungen.
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