Insolvenzwelle, ArbeitsplÀtze

Insolvenzwelle Mai: 11.000 ArbeitsplÀtze durch Pleiten gefÀhrdet

11.06.2026 - 00:30:25 | boerse-global.de

Die Insolvenzzahlen sinken im Mai, doch pro Arbeitstag erreichen sie einen Rekordwert. Besonders die Verkehrsbranche leidet unter hohen Kosten.

Unternehmenspleiten Mai 2026: Rekord trotz scheinbarem RĂŒckgang
Insolvenzwelle - Ein unsicher gestapelter Haufen deutscher Euro-MĂŒnzen, im Hintergrund verschwommene Finanzdokumente mit einem roten 'insolvent'-Stempel. 11.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Kalendereffekte und Branchenrekorde zeichnen ein dĂŒsteres Bild.

Weniger Arbeitstage verzerren die Statistik

Im Mai 2026 meldeten 1.518 Unternehmen Insolvenz an. Das sind 15 Prozent weniger als im April. Doch der RĂŒckgang ist trĂŒgerisch: Vergleicht man die Insolvenzen pro Arbeitstag, erreicht der Wert den zweithöchsten Stand seit Beginn der Datenerfassung. Das Leibniz-Institut fĂŒr Wirtschaftsforschung Halle (IWH) warnt vor voreiliger Entwarnung.

GegenĂŒber dem Vorjahresmonat liegt die Zahl der Pleiten um drei Prozent höher. Vor allem die Zahl der betroffenen ArbeitsplĂ€tze bleibt kritisch: Rund 11.000 BeschĂ€ftigte verloren im Mai ihren Job durch Insolvenzen der grĂ¶ĂŸten zehn Prozent der betroffenen Firmen. Das ist zwar eine leichte Entspannung zum April, aber immer noch massiv ĂŒber dem Vorkrisenniveau.

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Verkehrsbranche auf Rekordkurs

Besonders hart trifft es den Sektor Verkehr und Lagerei. Hier verzeichneten die Statistiker im Mai ein neues Rekordhoch bei den Insolvenzmeldungen. Hauptgrund: Die explodierenden Kraftstoffpreise durch den anhaltenden Iran-Krieg. Eine zusĂ€tzliche Belastung droht ab Juni – dann lĂ€uft der staatliche Tankrabatt aus. Die Koalition aus Union und SPD plant keine VerlĂ€ngerung.

Doch die Treibstoffkosten sind nur ein Teil des Problems. Hohe Personalkosten, steigende Zinslasten und die RĂŒckzahlungsverpflichtungen aus Corona-Hilfen drĂŒcken auf die LiquiditĂ€t vieler Betriebe. Die FrĂŒhindikatoren des IWH deuten fĂŒr Juni auf ein weiterhin hohes Insolvenzniveau hin. Eine grundlegende Trendwende? Nicht in Sicht.

BGH verschĂ€rft Haftung fĂŒr GeschĂ€ftsfĂŒhrer

Parallel zur wirtschaftlichen Entwicklung wird die rechtliche Lage fĂŒr Unternehmenschefs ungemĂŒtlicher. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Außenhaftung von GmbH-GeschĂ€ftsfĂŒhrern bei Insolvenzverschleppung prĂ€zisiert. Die Karlsruher Richter machten klar: Wer zu spĂ€t Insolvenz anmeldet, haftet auch fĂŒr SchĂ€den, die NeuglĂ€ubigern entstehen – selbst wenn diese erst nach dem Ausscheiden des GeschĂ€ftsfĂŒhrers VertrĂ€ge mit der maroden Firma schließen.

Voraussetzung: Die durch die Verschleppung geschaffene Gefahrenlage muss fortbestehen. Ein neuer GeschĂ€ftsfĂŒhrer allein unterbricht diesen Zurechnungszusammenhang nicht. Das Urteil erhöht den Druck auf FĂŒhrungskrĂ€fte enorm. Wer ZahlungsunfĂ€higkeit oder Überschuldung ignoriert, geht ein massives persönliches Risiko ein.

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Politik sucht nach Lösungen – vorerst ohne BeschlĂŒsse

Angesichts der angespannten Lage trafen sich am 10. Juni die Spitzen der schwarz-roten Koalition mit ArbeitgeberverbĂ€nden und Gewerkschaften. Drei Stunden diskutierten BDI, DIHK, DGB und die Koalitionsspitzen ĂŒber BĂŒrokratieabbau, Steuerrecht und Arbeitsmarktreformen. Konkrete BeschlĂŒsse? Fehlanzeige. Ein umfassendes Reformpaket soll nun im Koalitionsausschuss Anfang Juli beraten werden.

WĂ€hrend die Politik ĂŒber die Zukunft verhandelt, beschĂ€ftigen die Altlasten der Pandemie die Gerichte. Das Landgericht Bonn verhandelt im Juli ĂŒber eine Schadensersatzklage in Millionenhöhe im Zusammenhang mit Corona-Schutzmasken. Das Bundessozialgericht entscheidet am 18. Juni ĂŒber RĂŒckforderungen aus dem Pflege-Rettungsschirm bei verspĂ€teten AntrĂ€gen. In Österreich bestĂ€tigte der Oberste Gerichtshof bereits, dass Beihilfenlimits pro Konzern gelten – auch dort drohen MillionenrĂŒckforderungen.

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