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Israel will Westjordanland nach Angriff abriegeln

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 14:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Nach einem Angriff im Westjordanland mit zwei getöteten Soldaten kurz vor der Parlamentswahl in Israel hat MinisterprÀsident Benjamin Netanjahu eine Abriegelung des PalÀstinensergebiets in Aussicht gestellt.

Netanjahu habe Israels SicherheitskrĂ€fte angewiesen, sich auf die Abriegelung des gesamten Westjordanlands im Laufe des Tages vorzubereiten, hieß es in einer Mitteilung seines BĂŒros. Gemeint ist, dass alle ÜbergĂ€nge zu dem PalĂ€stinensergebiet geschlossen werden.

Nach einer Lagebesprechung unter anderem mit Verteidigungsminister Israel Katz und Generalstabschef Ejal Zamir habe Netanjahu bereits die Abriegelung der Stadt Hebron angeordnet, hieß es weiter.

Angriff bei Hebron - zwei Soldaten tot

Der AnkĂŒndigung war ein Angriff mit Schusswaffen in der NĂ€he von Hebron im Westjordanland am Morgen vorausgegangen. Dabei wurden MilitĂ€rangaben zufolge zwei Soldaten getötet und drei weitere verletzt. Die zwei mutmaßlich palĂ€stinensischen TĂ€ter aus Hebron wurden getötet.

Die SicherheitskrĂ€fte hĂ€tten dadurch einen "schweren Anschlag" verhindert, sagte Netanjahu nach Angaben seines BĂŒros weiter. Israels EinsatzkrĂ€fte fĂŒhren demnach "umfangreiche Verhaftungswellen" durch. "Wir werden die Hamas-Terroristen und ihre Auftraggeber ĂŒberall und jederzeit verfolgen." Ob die beiden mutmaßlichen TĂ€ter Mitglieder der Hamas waren, war zunĂ€chst unklar.

Hamas lobt den Angriff

Die Terrororganisation Hamas lobte "die heldenhafte Aktion in Hebron", reklamierte sie aber nicht explizit fĂŒr sich.

PrĂ€sident Izchak Herzog sprach von einem "abscheulichen Terroranschlag". Auch er sagte, dass Soldaten "einen großangelegten Anschlag sowie eine weitaus grĂ¶ĂŸere Tragödie" verhindert hĂ€tten.

MilitÀr soll HÀuser in Vierteln der TÀter durchsuchen

Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu sagte laut Angaben seines BĂŒros am Nachmittag am Ort des Geschehens zudem, das MilitĂ€r werde nun in die Viertel der Stadt, aus denen die TĂ€ter stammten, eindringen, dort HĂ€user durchsuchen und "Terrorinfrastruktur" zerstören. Einwohner mĂŒssen demnach die Gegenden verlassen.

Als Vorbild nannte der israelische Regierungschef die grĂ¶ĂŸte Offensive des MilitĂ€rs seit Jahren gegen militante PalĂ€stinenser in mehreren FlĂŒchtlingsvierteln im nördlichen Westjordanland. Dabei wurden zu Beginn des vergangenen Jahres zahlreiche Menschen getötet und Zehntausende vertrieben. Zudem kam es zu massiver Zerstörung in den Vierteln. Die Vereinten Nationen und die EuropĂ€ische Union kritisierten den Einsatz. Vor der Offensive war es im Westjordanland immer wieder zu AnschlĂ€gen auf Israelis gekommen.

PalĂ€stinensische Medien berichteten, mehrere Angehörige der mutmaßlichen TĂ€ter seien bei einer Razzia von israelischen SicherheitskrĂ€ften festgenommen worden.

Immer wieder Gewalt im Westjordanland

Israel hat im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert und hÀlt dieses Gebiet seither besetzt. Dort leben heute inmitten von drei Millionen PalÀstinensern rund 700.000 israelische Siedler.

Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 in Israel und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg noch einmal verschÀrft. Nach Angaben des palÀstinensischen Gesundheitsministeriums wurden im Westjordanland seitdem mehr als 1.100 PalÀstinenser bei israelischen MilitÀreinsÀtzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und eigenen AnschlÀgen getötet.

Aber auch die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen PalÀstinenser hat stark zugenommen. Dem israelischen MilitÀr wird immer wieder vorgeworfen, nicht entschlossen genug gegen solche Angriffe vorzugehen oder sogar mit den Siedlern zu kooperieren. Beobachter warnen infolge der Siedlergewalt bereits vor einem neuen PalÀstinenseraufstand.

Abriegelung vor Wahl nicht ungewöhnlich

Ein Lockdown des Westjordanlands vor der Wahl wĂ€re nicht ungewöhnlich. Auch wĂ€hrend hoher jĂŒdischer Feiertage riegelt Israel das Gebiet hĂ€ufig ab, um eigenen Angaben zufolge AnschlĂ€ge zu verhindern - zuletzt Ende September wĂ€hrend des einwöchigen LaubhĂŒttenfestes (Sukkot).

Werden die ÜbergĂ€nge geschlossen, können die meisten PalĂ€stinenser nicht mehr nach Israel etwa zur medizinischen Behandlung, fĂŒr den Besuch des Jerusalemer Tempelbergs (Al-Haram al-Scharif) mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee oder fĂŒr Verwandtenbesuche einreisen. Sie brauchen dafĂŒr generell eine vorherige Genehmigung. PalĂ€stinenser mit Wohnsitz im arabisch geprĂ€gten Ost-Jerusalem sollten von der möglichen Schließung der ÜbergĂ€nge nicht betroffen sein und diese trotzdem passieren können, war vor Ort zu vernehmen.

Konflikt mit den PalÀstinensern ist wichtiges Wahlkampfthema

Die Menschen in Israel sollen in vier Tagen ein neues Parlament wÀhlen. Der Konflikt mit den PalÀstinensern ist ein wichtiges Wahlkampfthema. Rechte Politiker versuchen bei ihrer WÀhlerschaft zu punkten, indem sie ein hartes Vorgehen gegen palÀstinensische Gewalt versprechen. Die zunehmenden Angriffe radikaler israelischer Siedler auf PalÀstinenser im Westjordanland thematisieren sie dagegen kaum.

Laut Umfragen könnte es sowohl fĂŒr das Lager des amtierenden MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu als auch fĂŒr die Opposition schwierig werden, eine Mehrheit zu sichern.

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