IT-Sicherheit: 95% der Teams haben kritische Qualifikationslücken
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 14:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der anhaltende Mangel an qualifizierten IT-Sicherheitsexperten stellt kleine und mittlere Unternehmen (KMU) vor wachsende Herausforderungen bei der Umsetzung wirksamer Sicherheitsstrategien. Wie Branchenanalysen und aktuelle Studien zeigen, führt die personelle Unterbesetzung zu messbaren Defiziten im Schutz gegen Ransomware-Angriffe, wobei insbesondere die Überwachung und die schnelle Reaktion auf Vorfälle betroffen sind.
Hohe Verschlüsselungsraten und fehlendes Monitoring bei KMU
Untersuchungen von Sophos verdeutlichen die Verwundbarkeit von Unternehmen mit 100 bis 500 Mitarbeitern. Den Daten zufolge gelingt es Angreifern bei 74 Prozent der Ransomware-Attacken auf KMU, Daten erfolgreich zu verschlüsseln. Ein wesentlicher Grund für diese Quote ist die mangelnde Überwachung der IT-Infrastruktur: Etwa 33 Prozent der betroffenen Betriebe verfügen über kein aktives Monitoring.
Zudem gestaltet sich die Bewältigung von Sicherheitswarnungen für die vorhandenen Teams als schwierig. Laut der Erhebung finden 96 Prozent der Unternehmen die Untersuchung von Warnmeldungen kompliziert, während 75 Prozent angeben, Vorfälle nicht rechtzeitig beheben zu können.
Aaron Bugal von Sophos wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass 91 Prozent der Ransomware-Angriffe außerhalb der regulären Geschäftszeiten stattfinden, was die Notwendigkeit einer Rund-um-die-Uhr-Überwachung unterstreicht.
Fachkräftemangel und Gehaltsdynamik im IT-Sektor
Die angespannte Personalsituation wird durch eine Umfrage des Branchenverbandes Bitkom unter 850 Unternehmen bestätigt. Demnach rechnen 80 Prozent der Befragten mit einer weiteren Verschärfung des Fachkräftemangenls.
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Während 42 Prozent einen zusätzlichen Bedarf durch die Einführung künstlicher Intelligenz (KI) sehen, planen gleichzeitig 27 Prozent der Firmen einen Stellenabbau. Ungeachtet dessen bleibt die Nachfrage nach IT-Security-Spezialisten, IT-Architekten und KI-Experten auf einem hohen Niveau.
Diese Nachfrage spiegelt sich in den Gehaltsstrukturen wider, wie Daten von Robert Half belegen. Ein IT-Security-Architekt kann demnach mit einem Gehalt von 81.250 Euro rechnen, während Software-Architekten bis zu 109.500 Euro erzielen. KI-Entwickler werden mit 92.000 Euro und Machine-Learning-Engineers mit 87.000 Euro bewertet, was den Wettbewerb um spezialisierte Talente zusätzlich intensiviert.
Qualifikationslücken und Fokus auf KI-Kompetenzen
Die ISC2 Cybersecurity Workforce Study 2025 verdeutlicht die Tiefe der Kompetenzkrise: 95 Prozent der Sicherheitsteams weisen demnach mindestens eine Qualifikationslücke auf, die in 59 Prozent der Fälle als kritisch eingestuft wird. Die am häufigsten fehlenden Kompetenzen liegen in den Bereichen KI (41 Prozent) und Cloud-Sicherheit (36 Prozent).
In einer ergänzenden Untersuchung zu Trainingstrends für das Jahr 2026 gaben 43 Prozent der deutschen Security-Verantwortlichen an, KI-Wissen zu priorisieren. Obwohl 73 Prozent der Unternehmen ihre Budgets für Fortbildungen erhöht haben, bleibt Zeitmangel für 53 Prozent das größte Hindernis.
Bemerkenswert ist, dass 54 Prozent den konkreten Trainingsbedarf erst zum Zeitpunkt eines System-Rollouts festlegen. Als effektivste Form der Weiterbildung bewerteten 67 Prozent herstellerneutrale Zertifizierungen.
Strategische Lösungsansätze und staatliche Lagebewertung
Angesichts der Bedrohungslage – das Bundesinnenministerium registrierte für das Jahr 2025 insgesamt 1.041 angezeigte Ransomware-Angriffe, was einer Steigerung von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht – raten Experten zu neuen Verteidigungsansätzen.
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Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bewertet die aktuelle IT-Sicherheitslage weiterhin als besorgniserregend. Laut Bitkom sind die durch Ransomware verursachten Schäden seit 2019 um 358 Prozent gestiegen.
Stefan Karpenstein von G DATA CyberDefense wies auf die Überlastung interner IT-Teams hin und empfahl den Einsatz von Managed Security Operation Centers (SOCs) mit einer 24/7-Überwachung. Bei der Anbieterwahl sollten Unternehmen auf einen EU-Sitz achten, da US-Anbieter dem Cloud Act unterliegen. Den dennoch bleibe die Verantwortung für die Behebung von Schwachstellen letztlich beim Unternehmen selbst.
Sven-Ove Wähling von Netzlink betonte die Bedeutung präventiver Maßnahmen wie der Netzwerksegmentierung, die in 80 bis 90 Prozent der Fälle eine Ausbreitung von Schadsoftware verhindern könne.
Da über 80 Prozent der Sicherheitsvorfälle durch menschliches Verhalten verursacht werden, bleibe die Sensibilisierung der Mitarbeiter ein zentraler Faktor. Ergänzend dazu beobachten Dienstleister wie das Systemhaus Cramer, dass KMU zunehmend ins Visier für Phishing und Datendiebstahl geraten, und raten zu regelmäßigen Sicherheitsüberprüfungen.
