IW-Analyse, Mittelschicht

IW-Analyse zur Mittelschicht: Ab 6.050 Euro gelten Singles als relativ reich

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 01:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die IW-Auswertung ordnet Haushaltseinkommen nach Typ ein; vier Prozent der Bevölkerung zählen zur Oberschicht.
Moderne Wohnbebauung in einer deutschen Stadt bei Sonnenuntergang mit geometrischen Fassaden. Illustration mit AI erstellt.

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat eine neue Analyse zur Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland vorgelegt. Die Untersuchung zieht konkrete Grenzen für die Zuordnung zu Unter-, Mittel- und Oberschicht.

Als Datengrundlage dienen die EU-SILC-Befragungsdaten aus dem Jahr 2025, die sich auf das Einkommensjahr 2024 beziehen. Betrachtet wurde dabei das monatliche Nettoeinkommen nach Abzug von Steuern und Abgaben sowie unter Einbeziehung von staatlichen Transfers.

Definitionen und Schwellenwerte für Haushalte

In der Untersuchung des IW Köln wird die Mittelschicht im engeren Sinn als jene Gruppe definiert, die zwischen 80 und 150 Prozent des Medianeinkommens zur Verfügung hat. Die Oberschicht beginnt ab 250 Prozent des Medians, während Personen mit bis zu 60 Prozent des Medians als relativ arm gelten. Für das Jahr 2024 lag der Median des bedarfsgewichteten Haushaltsnettoeinkommens bei 2.419 Euro im Monat.

Für Alleinlebende ergeben sich daraus spezifische Abstufungen: Ein monatliches Nettoeinkommen von unter 1.450 Euro bedeutet demnach eine Einstufung als relativ arm.

Zwischen 1.450 und 1.940 Euro liegt die untere Mitte, während die Mittelschicht im engeren Sinn den Bereich von 1.940 bis 3.630 Euro umfasst. Einkommen von 3.630 bis 6.050 Euro markieren die obere Mitte; ab 6.050 Euro monatlich gilt ein Single laut der Auswertung als relativ reich.

Bei Alleinerziehenden mit einem Kind unter 14 Jahren liegt die relative Armutsschwelle bei bis zu 1.890 Euro. Die untere Mitte reicht bis 2.520 Euro, die Mitte bis 4.720 Euro und die obere Mitte bis 7.860 Euro.

Für Paare ohne Kinder galten zum Stichtag am 21. Oktober 2026 folgende Werte: Bis zu 2.180 Euro gelten als relativ arm, 2.180 bis 2.900 Euro als untere Mitte und 2.900 bis 5.440 Euro als Mitte im engeren Sinn. Die obere Mitte reicht von 5.440 bis 9.070 Euro, darüber beginnt die Einordnung als relativ reich.

Leben Paare mit einem Kind unter 14 Jahren zusammen, reicht die Armutsspanne bis 2.610 Euro, die untere Mitte bis 3.480 Euro, die Mitte bis 6.530 Euro und die obere Mitte bis 10.890 Euro.

Bei Paaren mit zwei Kindern unter 14 Jahren steigen die Schwellen auf bis zu 3.050 Euro für relative Armut, bis 4.060 Euro für die untere Mitte, bis 7.620 Euro für die Mitte sowie bis 12.700 Euro für die obere Mitte.

Oberschicht umfasst nur kleinen Teil der Bevölkerung

Lediglich vier Prozent der Menschen in Deutschland zählen laut der Untersuchung des IW Köln zur Oberschicht. Um diese Schwelle zu erreichen, benötigen Singles ein monatliches Nettoeinkommen von mindestens 5.780 Euro, bei Familien liegt der Betrag bei ab 12.140 Euro.

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Studienautorin Judith Niehues führte dazu aus, dass ein Paar ohne Kinder mit einem gemeinsamen Einkommen von mehr als 8.670 Euro bereits zu den einkommensreichsten vier Prozent gehöre.

Wie die Auswertung zum 21. Oktober 2026 ergab, erreichen knapp 12 Prozent der kinderlosen Paare, bei denen beide Partner erwerbstätig sind, gemeinsam mindestens 9.070 Euro. Dies treffe bei ihnen fast dreimal so häufig zu wie im Bevölkerungsdurchschnitt.

Gleichzeitig wies das Institut darauf hin, dass die Wahrnehmung in der Gesellschaft oft verzerrt sei: In Befragungen werde der Anteil der Reichen auf 25 Prozent geschätzt, was etwa sechsmal höher liege als die reale Verteilung.

Akademische Abschlüsse bieten einen deutlichen Einkommensvorteil. Hochschulabsolventen erzielten 2024 im Median ein bedarfsgewichtetes Nettoeinkommen von 3.140 Euro pro Monat und platzierten sich damit im oberen Drittel der Gesamtbevölkerung.

Allerdings betont das IW Köln methodische Grenzen: Selbstgenutztes Wohneigentum sowie regionale Unterschiede blieben in der Analyse unberücksichtigt, zudem dürfe Einkommen nicht mit Vermögen gleichgesetzt werden.

Statistische Rahmendaten zur Armutsgefährdung

Ergänzende Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen das makroökonomische Umfeld auf. Für das Jahr 2025 bezifferte die Behörde den mittleren Bruttojahresverdienst (Median) auf 54.066 Euro, was einem Zuwachs von 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprach; der rechnerische Durchschnitt lag bei 64.441 Euro brutto.

Gleichzeitig waren im Jahr 2025 nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes vom 21. Oktober 2026 rund 13,3 Millionen Menschen beziehungsweise 16,1 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht, nach 15,5 Prozent im Vorjahr.

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Die Armutsgrenze für Alleinlebende lag demnach bei 1.446 Euro netto pro Monat, nachdem sie im Vorjahr 1.381 Euro betragen hatte. Betroffen waren vor allem Alleinlebende mit einer Quote von 30,9 Prozent sowie Alleinerziehende mit 28,7 Prozent.

Bei der Lohnentwicklung meldete das Statistische Bundesamt für das zweite Quartal 2026 ein reales Plus von 1,5 Prozent im Vorjahresvergleich, nach einem Zuwachs von 1,8 Prozent im ersten Quartal 2026, während die Inflationsrate wieder über drei Prozent lag.

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