IWF-Prognose, Deutsche Wirtschaft

IWF hebt Deutschlands Wachstum 2026 auf 1,3 Prozent an

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 04:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der Internationale Währungsfonds erwartet für Deutschland 2026 ein Wachstum von 1,3 Prozent. Rückenwind kommen vor allem von staatlichen Investitionen und Exporten, zugleich warnt der IWF vor Energie- und KI-Risiken.

Der IWF blickt deutlich optimistischer auf die deutsche Wirtschaft. (Archivbild) - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Der IWF blickt deutlich optimistischer auf die deutsche Wirtschaft. (Archivbild) - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Investitionen bestimmen Deutschlands Erholung

  • Der IWF hebt seine Wachstumsprognose für Deutschland 2026 von 0,7 auf 1,3 Prozent an.
  • Für 2027 rechnen die Ökonomen mit einem Plus von 1,1 Prozent.
  • Zwei Drittel der Aufhellung entfallen auf staatliche Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben.

Der Internationale Währungsfonds erwartet für die deutsche Wirtschaft 2026 ein deutlich kräftigeres Wachstum als bislang.

IWF folgt der Bundesregierung

Nach der neuen Prognose soll das Bruttoinlandsprodukt um 1,3 Prozent zulegen. Im Juli hatte der IWF noch ein Wachstum von 0,7 Prozent vorausgesagt. Für 2027 erhöhte das Institut seine Erwartung um 0,1 Punkte auf 1,1 Prozent.

Damit liegt der IWF auf derselben Linie wie die Bundesregierung, die in der vergangenen Woche identische Werte veröffentlicht hatte. Das Bundeswirtschaftsministerium führt den optimistischeren Ausblick auf die überraschende Widerstandsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zurück.

Staatliche Ausgaben geben Impulse

Nach Angaben von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) gehen zwei Drittel der Verbesserung auf staatliche Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung zurück. Ein weiteres Drittel entfällt auf Exporte.

Der deutsche Außenhandel profitierte zeitweise von weltweiten Engpässen. Wegen des Konflikts in der Golfregion stockten Käufer ihre Lagerbestände mit energieintensiven Gütern wie Stahl, Dünger und Aluminium auf. Zudem profitierten deutsche Zulieferer vom Boom der künstlichen Intelligenz.

Irland und Spanien treiben Eurozone

Auch für die Eurozone korrigierte der IWF seine Prognose nach oben. Für 2026 erwartet er ein Wachstum von 1,1 Prozent, 0,2 Punkte mehr als im Juli. 2027 soll die Wirtschaft des Währungsraums um 1,2 Prozent wachsen.

Den Ausschlag geben vor allem die kräftige Erholung Irlands und die anhaltende Dynamik in Spanien. In den übrigen Euroländern blieb die Wirtschaftsaktivität nach Einschätzung des IWF weitgehend stabil. Höhere Energiepreise und ein schwaches Verbrauchervertrauen bremsen dort weiterhin.

Energiekrise belastet ärmere Länder

Für die Weltwirtschaft rechnet der IWF 2026 mit einem Wachstum von 3,1 Prozent statt bislang 3,0 Prozent. Die Prognose für 2027 bleibt bei 3,4 Prozent.

Der Fonds erklärt die Widerstandsfähigkeit mit einer höheren Ölförderung außerhalb des Persischen Golfs, dem Rückgriff auf strategische Reserven und einer geringeren Nachfrage aus China. Die Folgen der Energiekrise treffen vor allem arme und energieimportierende Länder, in denen steigende Kosten und schwächere Währungen die Armut verschärfen können.

KI treibt Wachstum und Risiken

Der IWF bewertet den Einfluss künstlicher Intelligenz ambivalent. In einzelnen Bereichen seien Produktivitätssprünge messbar, in gesamtwirtschaftlichen Daten wie den Löhnen zeige sich der Effekt aber bislang nur zögerlich.

Die IWF-Chefökonomin Silvana Tenreyro sagte in Bangkok, der Handel mit KI-bezogenen Gütern habe wesentlich zur Entwicklung des Welthandels beigetragen. Ohne diesen Handel wäre das Wachstum etwa halb so stark ausgefallen.

Gleichzeitig warnt der Fonds vor einem möglichen Abverkauf von Technologieaktien, falls sich die Erwartungen an den KI-Boom als überzogen erweisen. Die globale Inflationsrate soll 2026 bei 4,7 Prozent und 2027 bei 4,1 Prozent liegen.

USA behalten Wachstumstempo

Für die US-Wirtschaft änderte der IWF seine Prognose nicht. Er erwartet sowohl 2026 als auch 2027 ein Wachstum von 2,3 Prozent.

Stützend wirken laut Fonds der private Konsum, Investitionen in neue Technologien, staatliche Wirtschaftspolitik, günstige Kredite und eine hohe Unternehmensproduktivität. Als Nettoenergieexporteur seien die direkten Belastungen der USA durch die Energiekrise begrenzt.

Staatsausgaben tragen den Aufschwung

Die IWF-Prognose rückt Deutschland aus der Phase nahezu stagnierender Entwicklung heraus. Entscheidend ist dabei weniger ein breit angelegter Konsumboom als die erwartete Wirkung öffentlicher Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung. Diese Ausgaben können kurzfristig Nachfrage schaffen und Unternehmen Aufträge sichern, erhöhen aber zugleich den Finanzierungsbedarf des Staates.

Die deutsche Erholung bleibt außerdem eng mit dem Außenhandel verbunden. Exporte energieintensiver Güter und Lieferungen von Zulieferern für die digitale Wirtschaft stützen die Industrie. Das macht die Prognose anfällig für neue Handelshemmnisse, geopolitische Spannungen und eine schwächere Nachfrage wichtiger Absatzmärkte.

Risiken bleiben global verteilt

Für die Eurozone fällt der Ausblick ebenfalls freundlicher aus, wobei Irland und Spanien den Durchschnitt besonders stark prägen. In vielen anderen Mitgliedstaaten bremsen hohe Energiepreise und geringes Verbrauchervertrauen weiter. Die bessere Gemeinschaftsprognose sagt daher wenig über die Lage einzelner Haushalte und Unternehmen aus.

Weltweit bleibt der Aufschwung trotz Energiekrise und höherer Inflation moderat. Der IWF sieht in der künstlichen Intelligenz einen wichtigen Wachstumstreiber, warnt aber vor einer möglichen Korrektur an den Technologiemärkten. Für Deutschland bedeutet das: Die verbesserten Aussichten schaffen Spielraum, ersetzen jedoch keine Maßnahmen für dauerhaft höhere Produktivität, stabile Energieversorgung und wettbewerbsfähige Exportbedingungen.

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