POLITIK, Japans

POLITIK: Japans Premier will trotz Wahldebakel weitermachen

21.07.2025 - 06:29:01

Japans MinisterprÀsident Shigeru Ishiba will trotz des Verlusts der Parlamentsmehrheit seiner Koalition weiterregieren.

Man mĂŒsse das Ergebnis "demĂŒtig hinnehmen", sagte Ishiba nach der desaströsen Wahl zum Oberhaus in einer Fernsehsendung. Er fĂŒgte hinzu, dass seine Liberaldemokratische Partei LDP ihre Verantwortung als Regierungspartei wahrnehmen mĂŒsse. Das Regierungslager aus LDP und ihrem Juniorpartner Komeito verfehlte ihr Ziel, die zum Erhalt ihrer Mehrheit im Oberhaus nötigen 50 Sitze zu gewinnen. Im Oktober hatte Ishibas Koalition bereits die Mehrheit im mĂ€chtigeren Unterhaus verloren - sie stellt seither eine Minderheitsregierung.

FĂŒr die seit Jahrzehnten fast ununterbrochen regierende LDP ist es das erste Mal seit ihrer GrĂŒndung im Jahr 1955, dass sie die Mehrheit in beiden Kammern des nationalen Parlaments verloren hat. Ishibas Koalition ist nun auf Hilfe bei jedem einzelnen Vorhaben angewiesen, um weiterregieren zu können, da keine andere Partei willens ist, sich ihr anzuschließen. Ishiba könnte in der LDP unter Druck geraten, zurĂŒckzutreten. Grund fĂŒr das Wahldebakel war die Unzufriedenheit der WĂ€hlerinnen und WĂ€hler mit den steigenden Preisen und der Einwanderungspolitik. Davon profitierten rechtspopulistische Kleinparteien wie die offen auslĂ€nderfeindliche Partei Sanseito. Sie konnte deutlich zulegen.

Beobachter befĂŒrchten eine Phase der politischen InstabilitĂ€t in Japan. "Auch wenn sich die Regierungskoalition jetzt noch an die Macht klammern kann, deutet viel darauf hin, dass sie bei der nĂ€chsten Unterhauswahl abgelöst werden wird", erklĂ€rte Axel Klein, Professor fĂŒr Politikwissenschaft an der UniversitĂ€t Duisburg-Essen, der Deutschen Presse-Agentur in Tokio. "Die WĂ€hlerschaft glaubt jetzt daran, dass die Opposition realistische Chancen auf eine RegierungsĂŒbernahme hat und wird deshalb sehr viel eher bereit sein, bei der nĂ€chsten Wahl fĂŒr eine der Oppositionsparteien zu stimmen", sagte Klein.

@ dpa.de