Bundesbank-PrÀsident, Mini-Wachstum

Bundesbank-PrÀsident: Mini-Wachstum 2025 möglich

16.06.2025 - 09:23:40

Joachim Nagel ist zuversichtlich: FĂŒr die deutsche Wirtschaft zeichne sich das Ende der langen Durststrecke ab. Doch in einer grĂŒnen Oase werde das Land nicht direkt landen.

Die deutsche Wirtschaft könnte nach EinschÀtzung von Bundesbank-PrÀsident Joachim Nagel 2025 knapp am dritten Jahr ohne Wachstum vorbeischrammen. Ein «leichter Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Leistung» könnte im Jahresdurchschnitt möglich sein, sagte Nagel am Montag beim «Frankfurt Euro Finance Summit».

In ihrer Anfang Juni veröffentlichten Konjunkturprognose hatte die Bundesbank fĂŒr dieses Jahr Stagnation vorhergesagt. Bei dieser Prognose konnte Nagel zufolge allerdings nicht mehr berĂŒcksichtigt werden, dass das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal mit plus 0,4 Prozent doppelt so stark ausfiel wie zunĂ€chst errechnet.

Noch ein weiter Weg aus dem Tal

«FĂŒr die deutsche Wirtschaft zeichnet sich das Ende der langen Durststrecke ab», sagte Nagel. «Der Weg fĂŒhrt uns aber nicht direkt in eine grĂŒne Oase, sondern bleibt herausfordernd?–?zwischen wachstumsschĂ€dlichen Zolleffekten und wachstumsfördernder Fiskalpolitik.»

Allgemein erwarten Ökonomen, dass die geplanten Milliardenausgaben fĂŒr Infrastruktur und Verteidigung die Konjunktur spĂ€testens ab 2026 anschieben werden. Nagel betonte jedoch: «Mit Geldausgeben allein ist beileibe nicht alles getan. Ein anhaltend höheres Wachstum in Deutschland lĂ€sst sich nur erreichen, wenn parallel auch strukturelle Anpassungen erfolgen.»

Europa setze große Hoffnungen auf die neue Regierung. «Daraus könnte tatsĂ€chlich eine Turn-Around-Story werden», sagte Nagel. «Deutschland muss eine Erfolgsgeschichte werden.» Es mĂŒsse gelingen, wirtschaftliche Strukturprobleme entschlossen anzugehen und zu lösen.

Reichlich Unsicherheiten 

Neben der sprunghaften Zollpolitik von US-PrĂ€sident Donald Trump gibt es jedoch weitere Unsicherheiten. So lassen sich die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten gegenwĂ€rtig nicht abschĂ€tzen, wie Nagel ausfĂŒhrt. «Sollte es zu einem langanhaltenden, gravierenden Konflikt kommen, könnten beispielsweise die Ölpreise erheblich steigen. Die wirtschaftlichen Perspektiven könnten sich dann spĂŒrbar verĂ€ndern gegenĂŒber dem, was ich Ihnen heute sage? – ?in Bezug auf die Konjunktur ebenso wie auf die Preise», sagte der Bundesbank-PrĂ€sident.

Teuerung stabilisiert sich

Derzeit sei er zuversichtlich, «dass sich die Inflation nachhaltig bei 2 Prozent einpendeln wird und wir damit unser mittelfristiges Inflationsziel erreichen werden», sagte Nagel. Die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) strebt PreisstabilitĂ€t bei einer mittelfristigen Teuerungsrate von 2,0 Prozent im Euroraum an. Je höher die Inflationsrate, umso geringer die Kaufkraft der Menschen, weil sie sich dann fĂŒr einen Euro weniger leisten können.

Nagel, der im EZB-Rat ĂŒber die Geldpolitik im Euroraum mitentscheidet, mahnte zugleich: «Auch wenn die Inflation im Euroraum wieder bei rund 2 Prozent liegt und auch mittelfristig nach einer Delle wieder dort liegen dĂŒrfte, hat die Geldpolitik keinen Grund nachzulassen.»

@ dpa.de