Jugendarbeitslosigkeit, Millionen

Jugendarbeitslosigkeit: 1,012 Millionen NEETs erreichen Höchststand

29.05.2026 - 14:39:11 | boerse-global.de

Großbritannien verzögert die Angleichung des Jugend-Mindestlohns. Eine Studie warnt vor einer wachsenden „verlorenen Generation“ mit ĂŒber einer Million NEETs.

Jugendarbeitslosigkeit: 1,012 Millionen NEETs erreichen Höchststand - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Jugendarbeitslosigkeit: 1,012 Millionen NEETs erreichen Höchststand - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Die britische Regierung will sich nicht auf einen festen Termin fĂŒr die Abschaffung des niedrigeren Mindestlohns fĂŒr 18- bis 20-JĂ€hrige festlegen. StaatssekretĂ€r Torsten Bell machte am Donnerstag klar, dass eine Angleichung an den Erwachsenentarif vor der nĂ€chsten Parlamentswahl, die spĂ€testens 2029 stattfinden muss, nicht zugesagt werde.

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Aktuelle Lohnunterschiede und ihre Folgen

Derzeit verdienen Arbeitnehmer zwischen 18 und 20 Jahren umgerechnet 12,70 Euro pro Stunde – ein Anstieg von 26 Prozent seit Juli 2024. Wer 21 oder Ă€lter ist, erhĂ€lt dagegen 14,88 Euro, was einem Plus von elf Prozent im selben Zeitraum entspricht. Die Regierung hatte der zustĂ€ndigen Low Pay Commission im MĂ€rz zwar mehr Spielraum fĂŒr den Zeitplan der Angleichung eingerĂ€umt, doch ein konkretes Datum nannte auch das Wahlprogramm der Labour-Partei nicht.

Die ZurĂŒckhaltung kommt nicht von ungefĂ€hr: Immer mehr Unternehmen fĂŒhren steigende Lohnkosten als Grund fĂŒr zurĂŒckhaltende Einstellungen an. Besonders im Einzelhandel und in der Gastronomie fĂŒrchten Arbeitgeber, dass weitere Lohnerhöhungen fĂŒr JĂŒngere die ohnehin schwierige Personalsuche verschĂ€rfen könnten. Das renommierte Institute for Fiscal Studies (IFS) hĂ€lt dagegen: Es gebe keine klaren Belege dafĂŒr, dass die Mindestlohnhöhe der Haupttreiber fĂŒr Jugendarbeitslosigkeit sei.

Die „verlorene Generation" wĂ€chst

VerschĂ€rft wird die Debatte durch einen alarmierenden Bericht, den Alan Milburn am Mittwoch vorlegte. Die Untersuchung warnt vor einer heranwachsenden „verlorenen Generation": Im ersten Quartal 2026 waren 1,012 Millionen junge Menschen weder in Ausbildung noch in Arbeit oder BeschĂ€ftigung (NEET). Das entspricht 13,5 Prozent der 16- bis 24-JĂ€hrigen – der höchste Stand seit 2013.

Die Zahlen sind alarmierend:

  • Langfristige Perspektivlosigkeit: Rund 60 Prozent der aktuellen NEETs haben noch nie einen Job gehabt. 2005 waren es noch 40 Prozent.
  • Schrumpfender Arbeitsmarkt: Die Zahl der niedrig- und mittelqualifizierten Stellen ist in den letzten zwei Jahrzehnten um 1,6 Millionen gesunken. Allein die BeschĂ€ftigung in der Gastronomie hat sich binnen vier Jahren fast halbiert.
  • Milliardenschwere Kosten: Jugendarbeitslosigkeit und -inaktivitĂ€t belasten die britische Wirtschaft mit schĂ€tzungsweise 146 Milliarden Euro jĂ€hrlich. Davon entfallen 44 Milliarden auf entgangenes Wachstum, 74 Milliarden auf langfristige „Vernarbungseffekte" bei den spĂ€teren Einkommen.
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Premierminister Keir Starmer nannte die Ergebnisse am Donnerstag „ernĂŒchternd" und betonte, die Regierung wolle einen dauerhaften Verlust an Potenzial unter jungen BĂŒrgern verhindern.

Europas Kampf um faire Löhne

WĂ€hrend Großbritannien um die Lohnuntergrenzen ringt, tun sich andere europĂ€ische LĂ€nder mit der Umsetzung neuer Regularien schwer. In Deutschland bestĂ€tigte die Bundesregierung am Donnerstag, dass sie die Frist zur Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie am 7. Juni reißen wird. Die Richtlinie zielt darauf ab, die geschlechtsspezifische LohnlĂŒcke – in Deutschland derzeit 16 Prozent – zu schließen. Unternehmen mit mehr als 100 BeschĂ€ftigten mĂŒssten dann Gehaltsspannen offenlegen und dĂŒrften nicht mehr nach frĂŒheren BezĂŒgen fragen.

Das Bundesfamilienministerium rechnet nun mit einem Inkrafttreten der Kernbestimmungen Anfang 2027, die vollstĂ€ndigen Berichtspflichten sollen bis Juni 2028 warten. Grund seien Abstimmungsbedarf und der Wunsch, die BĂŒrokratie fĂŒr die Wirtschaft gering zu halten. Auch in Österreich forderte die Partei NEOS am Donnerstag eine Aussetzung der Umsetzung – aus Sorge vor zu hohen Verwaltungskosten.

Trotz der regulatorischen Verzögerungen zeigt sich der Arbeitsmarkt in Teilen dynamisch. Laut Daten des Statistischen Bundesamtes vom Donnerstag stiegen die Reallöhne in Deutschland im ersten Quartal 2026 um 1,8 Prozent. Besonders Geringverdiener und Azubis profitierten mit nominalen ZuwĂ€chsen von 7,0 beziehungsweise 6,8 Prozent – angetrieben vor allem durch die gesetzlichen Anpassungen bei MindestausbildungsvergĂŒtung und Mindestlohn.

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