FachkrÀftemangel, Arbeitsmarkt

Julian Brandt von Social Werk im Interview: Es gibt genug FachkrÀfte, sie arbeiten nur gerade woanders

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 09:42 Uhr | presseportal, AD HOC NEWS
Hamburg - Knapp 100.000 Stellen im Handwerk blieben 2025 laut KOFA-FachkrĂ€ftestudie unbesetzt. Im Schnitt dauert es laut Bundesagentur fĂŒr Arbeit 246 Tage, bis eine offene Stelle wieder besetzt ist. Julian Brandt, GrĂŒnder und GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Social Werk GmbH aus Hamburg, arbeitet seit 2023 mit ĂŒber 200 Partnerbetrieben genau an diesem Problem. Im GesprĂ€ch erklĂ€rt er, warum Betriebe am falschen Ort suchen, was er von Garantieversprechen hĂ€lt und wo fĂŒr ihn die Grenze von kĂŒnstlicher Intelligenz in der FachkrĂ€ftegewinnung liegt.
Julian Brandt von Social Werk im Interview: "Es gibt genug FachkrÀfte, sie arbeiten nur gerade woanders" - Bild: presseportal.de

Herr Brandt, Sie haben mit 18 Ihr erstes Unternehmen gegrĂŒndet. Wie sind Sie beim Handwerk gelandet?

Das Handwerk hat mich schon von klein auf fasziniert. Alles, womit wir tĂ€glich zu tun haben, hĂ€ngt am Ende daran: jedes GebĂ€ude, jede Heizung, jedes Dach. In meinem Umfeld gab es viele Handwerker, und ich habe frĂŒh mitbekommen, wo es in den Betrieben hakt. Nicht bei der Arbeit selbst, die war immer gut. Es hakte bei dem, was nach außen sichtbar war. Da wusste ich: Genau dort kann ich etwas beitragen. Mit 18 habe ich mein erstes Unternehmen gegrĂŒndet, mit dem festen Ziel, Handwerksbetriebe zu stĂ€rken. Diese Branche trĂ€gt unsere Wirtschaft, und sie hat es verdient, dass man sie wertschĂ€tzt.

Gab es einen Moment, an dem Sie gemerkt haben: Die Betriebe suchen am falschen Ort?

Ja, und diese Lektion habe ich ziemlich hart lernen mĂŒssen. Am Anfang war meine Aufgabe, Handwerksbetriebe authentisch nach außen darzustellen. Gute Inhalte, echte Einblicke, mehr Anfragen. Das hat funktioniert. Und dann musste einer meiner ersten Kunden die Zusammenarbeit beenden. Nicht, weil sie nichts gebracht hĂ€tte, sondern weil er die AuftrĂ€ge nicht mehr abarbeiten konnte. Ihm fehlten schlicht die Leute dafĂŒr.

Was lief da schief?

Nichts an der Arbeit, aber alles an der Reihenfolge. Wir hatten die Nachfrage gesteigert, ohne dass der Betrieb personell mithalten konnte. Da habe ich verstanden, wie groß dieses Thema in der Branche wirklich ist. Seitdem geht es bei Social Werk nicht mehr darum, schöne Inhalte zu produzieren. Es geht um Wirkung. Und Wirkung heißt fĂŒr uns nicht Bewerbungen, sondern Einstellungen von FachkrĂ€ften, die auch in zwei Jahren noch im Betrieb sind. Keine Gehaltstouristen.

Viele Inhaber sagen: "Es gibt keine Leute mehr auf dem Markt." Stimmt das?

Nein. Es gibt genug FachkrĂ€fte, sie arbeiten nur gerade in einem anderen Betrieb. Rund 45 Prozent aller BeschĂ€ftigten in Deutschland sind offen fĂŒr einen Wechsel, die wenigsten davon suchen aktiv. Sie schauen nicht auf Stellenportale, sie kennen vielleicht sogar den Betrieb um die Ecke und haben eigene GrĂŒnde zu wechseln: das Team, die Arbeitszeiten, die WertschĂ€tzung, die Perspektive. NatĂŒrlich reicht das nicht fĂŒr jeden Betrieb. Der Markt ist ein Kreislauf: Wer sich nicht um seine Sichtbarkeit als Arbeitgeber kĂŒmmert, wird kleiner, und seine Leute wechseln zu denen, die es tun. Wer sich langfristig aufstellt, bekommt und bindet die guten Mitarbeiter. DafĂŒr braucht es Vertrauen, und das entsteht nicht ĂŒber eine Stellenanzeige, einen Headhunter oder Zeitarbeit. Es entsteht, wenn ein Betrieb sich ehrlich zeigt. Und zwar dort, wo die Menschen ohnehin ihre Zeit verbringen.

Warum nicht Zeitarbeit oder Personalvermittlung? Die liefern doch sofort.

Ein flexibles Team fĂŒr Auftragsspitzen kann sinnvoll sein. Als Dauerlösung killt Zeitarbeit die Marge und ist nicht planbar. Bei der Vermittlung kommt dazu: Sie wird sehr teuer, wenn man mehrere Stellen besetzen will. Und man weiß nicht, ob die Leute bleiben, weil sie sich nicht beim Betrieb beworben haben, sondern bei der Vermittlung. Wer fĂŒrs Geld kommt, geht auch wieder fĂŒrs Geld, und mit Jobhoppern kann keiner planbar arbeiten.

Ein Handwerker bekommt heutzutage viele Anrufe von Recruiting-Anbietern. Warum sollte er ausgerechnet Ihnen zuhören?

Weil die meisten davon dasselbe verkaufen: eine Vorlage. Dieselben Anzeigen, dieselben SprĂŒche, dieselben leeren Versprechungen. Das funktioniert kurz, weil Reichweite eingekauft wird, und dann ist der Betrieb wieder da, wo er angefangen hat. Wir bei Social Werk machen seit 2023 nichts anderes als Handwerk, Bau und Industrie. Wir wissen, was einen Gesellen zum Wechsel bewegt und was nicht. Wer mit Social Werk arbeitet, bekommt mich als festen Ansprechpartner. Ich ĂŒbernehme die Verantwortung fĂŒr jeden einzelnen Partnerbetrieb.

Was ist die Social-Werk-Methode?

Drei GrundsĂ€tze. Erstens: Der Betrieb wird sichtbar, und zwar dauerhaft und echt. Arbeitsalltag, Team, Umgang miteinander, keine Stockfotos. Zweitens: Beim Inhaber landen nur Bewerber, die wirklich passen. Wir filtern KI-gestĂŒtzt und qualifizieren mit erfahrenen Menschen vor, damit er nur mit Leuten spricht, die fachlich und menschlich zum Betrieb passen. Als Orientierung: Sechs bis acht qualifizierte Bewerbungen pro Monat und Stelle sind mehr wert als 60 unpassende aus der Stellenbörse. Drittens: Die Leute bleiben. Wir messen uns nicht an Bewerbungen, sondern daran, ob die Mitarbeiter nach zwei Jahren noch da sind.

Ist das nicht Abwerben?

Nein. Abwerben wĂ€re, jemanden persönlich anzusprechen, wie es ein Headhunter tut. Wir zeigen einen Betrieb, wie er ist. Die Leute, die ohnehin ĂŒber einen Wechsel nachdenken, entscheiden selbst. Sie bewerben sich beim Betrieb, nicht bei uns und nicht bei einem Dritten.

Viele Inhaber sagen: "Ich hab dafĂŒr keine Zeit." Was antworten Sie?

Dass das genau der Punkt ist. Unser Kernwert bei Social Werk ist, es fĂŒr den Betrieb und die GeschĂ€ftsfĂŒhrung so zeitsparend wie möglich zu machen. Wir benötigen einmal Einblick in den Betrieb, den Rest ĂŒbernehmen wir. Bis man nur noch GesprĂ€che fĂŒhrt, die sich wirklich lohnen. Einem Inhaber, der jede Woche mit sechs unpassenden Bewerbern plaudert, bleibt deutlich weniger Zeit als einem, der mit uns arbeitet.

Sie sprechen von Mitarbeitern, die bleiben. Wie messen Sie das?

An der Fluktuation. Diese Quote ist in vielen Betrieben viel zu hoch und kostet mehr als jede Stellenbesetzung. Und ja: Auch altersbedingte AbgÀnge gehören dazu. Ich bin mit unseren Partnerbetrieben im stÀndigen Austausch, und das Feedback ist konstant: Die Leute bleiben und packen an. Wenn jemand geht, dann wegen Rente oder Umzug. Und das lÀsst sich nachbesetzen, weil der Betrieb sichtbar bleibt.

Fast jeder Inhaber kennt jemanden, der schon Geld in eine Agentur gesteckt und nichts bekommen hat. Wie gehen Sie damit um?

Diese Skepsis nehme ich ernst, weil sie meistens berechtigt ist. In der Regel war das einer der ĂŒblichen VerdĂ€chtigen: schwach angefangen und stark nachgelassen (Brandt schmunzelt). Entweder wurde der Betrieb nicht so gezeigt, dass jemand sagt: Da will ich hin. Dann schauen die Leute, bewerben sich aber nicht. Oder es kommen 60 Bewerbungen, von denen 55 unbrauchbar sind, und der Chef verbringt eine Woche mit sinnlosen GesprĂ€chen. Reichweite allein ist wertlos. Ich sage den Betrieben dann: Genau deshalb sprechen wir. Bei Social Werk gibt es keinen Start, bevor ich den Betrieb nicht verstanden habe.

Was fÀllt Ihnen aktuell im Markt negativ auf?

Zwei Dinge. Erstens Anbieter, die konkrete Personen versprechen: "Wir haben da zwei Gesellen fĂŒr Sie." Diese Leute werden dann quasi verkauft. Das klingt verlockend, kostet viel Geld, und sie bleiben nicht. Sie haben sich nicht beim Betrieb beworben, weil sie dort arbeiten wollten, sondern weil sie vermittelt wurden. Vorausgesetzt, es hat sie ĂŒberhaupt jemals gegeben, was oft nicht der Fall ist. Zweitens Dienstleister, die schlicht nicht leisten können, womit sie werben. Da wird mit Garantien und Bewerberzahlen um sich geworfen, die im Kleingedruckten niemals eingelöst werden. Beides schadet dem Betrieb und dem Ruf der ganzen Branche.

Welche Rolle spielt kĂŒnstliche Intelligenz bei Social Werk? Und wo hört sie auf?

KI öffnet uns extrem viele TĂŒren und wird in vielen Bereichen das Leben erleichtern. Aber gerade im Handwerk sieht man jeden Tag: Sie kann nicht alles ĂŒbernehmen. Kein Algorithmus fĂ€hrt morgens zum Kunden. Deshalb nutzen wir KI dort, wo sie einfach besser ist als der Mensch: beim Auswerten, beim Filtern, bei der Geschwindigkeit. FĂŒr die Vorqualifizierung und die Einstellung braucht es weiterhin erfahrene Menschen. Genau wie im Handwerk gilt auch in der Mitarbeitergewinnung: Menschen vertrauen Menschen.

Was ist der hÀufigste Fehler, den Sie bei Betrieben sehen?

Aufschieben. Das Thema wird mehrere Jahre vor sich hergeschoben, weil gerade ein Großauftrag lĂ€uft oder der Winter kommt. Und dann Ă€ndert sich nichts, obwohl die richtigen Leute mit den richtigen Schritten da wĂ€ren. Der zweite Fehler folgt direkt daraus: Wenn der Druck zu groß wird, stellt man als Notlösung irgendwen ein. Das hilft kurz und kostet lang. Wer einen Quereinsteiger anstelle eines Facharbeiters einstellt, hat kein Problem gelöst, sondern ein neues geschaffen.

Gibt es Betriebe, mit denen Sie nicht arbeiten?

Ja. Betriebe, die sich komplett vom Thema Online-Sichtbarkeit distanzieren und sich nicht bewegen wollen, habe ich abgelehnt. Nicht aus Arroganz, sondern weil es dann nicht funktioniert. Wer sein Team halten oder wachsen will, muss sich hier richtig aufstellen. Das ist kein Nice-to-have mehr, sondern Pflicht.

Kostenloses ErstgesprÀch

Betriebe aus Handwerk, Bau und Industrie, die FachkrÀfte suchen, können unter www.social-werk.de ein kostenloses ErstgesprÀch mit Julian Brandt vereinbaren.

Das Interview wurde von der Social Werk GmbH gefĂŒhrt und veröffentlicht.

Pressekontakt:

Social Werk GmbH
Julian Brandt, GeschĂ€ftsfĂŒhrer
Schillerstraße 45
22767 Hamburg
Telefon: (040) 64 56 1702
E-Mail: kontakt@social-werk.de
www.social-werk.de

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