Juniorrollen: Zwei Drittel der Prüfungsgesellschaften bauen ab
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die deutsche Wirtschaft steht vor einem signifikanten Umbruch bei der Rekrutierung von Nachwuchskräften. Einer aktuellen Umfrage von Lünendonk & Hossenfelder zufolge planen zwei Drittel der Prüfungsgesellschaften, in den kommenden Jahren deutlich weniger Berufseinsteiger einzustellen und Juniorjobs abzubauen. Hintergrund dieser Entwicklung ist der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), die verstärkt Aufgaben übernimmt, die bislang klassischen Einstiegspositionen vorbehalten waren.
Rückgang bei Junior-Ausschreibungen und steigende Arbeitslosigkeit
Der Trend zur Reduzierung von Nachwuchsstellen spiegelt sich bereits in aktuellen Marktdaten wider. Nach Auswertungen der Plattform Stepstone lag der Anteil der Stellenausschreibungen für Juniorpositionen zuletzt um mehr als 16 % unter dem üblichen Wert der vergangenen Jahre im Vergleich zum Gesamtmarkt. Diese Entwicklung trifft auf eine ohnehin angespannte Lage für junge Akademiker.
Daten der DZ Bank verdeutlichen die Verschärfung: Die Zahl der unter 30-jährigen arbeitslosen Akademiker hat sich im Zeitraum von 2022 bis 2025 mehr als verdoppelt. Gleichzeitig sei die Arbeitslosenquote in dieser Gruppe fast um die Hälfte gestiegen. Während Routineaufgaben wegfallen, warnt der Oxford-Forscher Stephany vor einer daraus resultierenden Problematik: In fünf Jahren könnten den Unternehmen erfahrene Fachkräfte in Senior-Positionen fehlen, da der natürliche Nachwuchs durch den aktuellen Abbau der Einstiegsebene ausbleibe.
Automatisierung von Routineaufgaben und neue Kompetenzfelder
In Unternehmen wie Otto, EY und SAP übernimmt KI bereits heute zunehmend Tätigkeiten wie den Belegabgleich. Diese Automatisierung betrifft insbesondere Berufe mit hohem Repetitionsanteil. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hatte das Substituierbarkeitspotenzial für Steuerfachangestellte ursprünglich mit 100 % bewertet, senkte diesen Wert jedoch aufgrund der neuen Ausbildungsordnung von 2023 auf 50 %. Ein KI-Resilienz-Check für diese Berufsgruppe kam zuletzt auf eine Note von 4,2, was die Tätigkeit als vergleichsweise leicht ersetzbar einstuft.
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Das PwC AI Jobs Barometer zeigt für den Zeitraum von 2019 bis 2025, dass die Korrelation zwischen der KI-Exponierung eines Berufs und der Veränderung der geforderten Kompetenzen in Deutschland bei lediglich 0,02 liegt und damit nahezu gegen null tendiert. Dennoch veränderten sich die Profile inhaltlich stark. In Berufen mit hoher KI-Relevanz kamen zwischen 2019 und 2025 durchschnittlich 225 neue Kompetenzanforderungen hinzu. Der Stellenmarkt für KI-Spezialisten differenziert sich dabei deutlich: Im Jahr 2025 entfielen 109.400 Stellenanzeigen auf KI-Anwender, während lediglich 15.400 Anzeigen auf spezialisierte Entwickler zielten.
Strategiewechsel in der Ausbildung und Rekrutierung
Die großen Prüfungs- und Beratungsgesellschaften reagieren unterschiedlich auf den technologischen Wandel. Während EY verstärkt auf die Suche nach Generalisten setzt, verfolgt Deloitte ein Modell der dualen Ausbildung, in dem der Umgang mit KI fest integriert ist. Bei SAP berichten Nachwuchskräfte bereits von einer täglichen Nutzung generativer Systeme im praktischen Einsatz.
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Auch auf Seiten der Bewerber hat sich der Umgang mit der Technologie verstetigt. Eine Umfrage von karriere.at unter 1005 Teilnehmern ergab, dass inzwischen jede zweite Person KI für die Erstellung von Bewerbungsunterlagen nutzt. Innerhalb von zwei Jahren stieg dieser Anteil von 27 % auf 50 % an. Dabei verwenden 87 % der Nutzer die Technologie für das Anschreiben und 56 % für den Lebenslauf. Lediglich 11 % greifen bisher auf KI-generierte Bewerbungsfotos zurück. Die Entwicklung deutet darauf hin, dass die technologische Kompetenz nicht nur im Job, sondern bereits beim Zugang zum Arbeitsmarkt zu einer Grundvoraussetzung wird.
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