Nordamerikanischer Handelskrieg vorerst abgewendet
04.02.2025 - 02:29:08Ein nordamerikanischer Handelskrieg mit ungewissen Folgen fĂŒr die Weltwirtschaft ist abgewendet - zumindest vorerst. US-PrĂ€sident Donald Trump lieĂ sich nur wenige Stunden vor dem Inkrafttreten der angedrohten Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf Waren aus den NachbarlĂ€ndern Mexiko und Kanada auf ZugestĂ€ndnisse vor allem zur Grenzsicherung ein. DafĂŒr schob er die HandelsbeschrĂ€nkungen mindestens 30 Tage auf.Â
Trump nutzte die Zölle damit faktisch als Hebel fĂŒr Konzessionen - die allerdings nicht gĂ€nzlich neu sind. Manche standen schon vor seiner AmtsĂŒbernahme im Raum. In Bezug auf den wirtschaftlich mĂ€chtigen Rivalen China lieĂ der US-PrĂ€sident nicht mit sich reden: Strafzölle von zehn Prozent auf alle chinesischen Waren sollten um Mitternacht (Ortszeit) in Kraft treten.
Kanada und Mexiko sind die wichtigsten Handelspartner der USA - 2022 betrug das Handelsvolumen etwa 1,7 Billionen Euro. Tausende Unternehmen und Millionen Jobs hÀngen von denen Beziehungen der LÀnder ab.
Milliarden Dollar und Tausende Soldaten
Der kanadische Premier Justin Trudeau teilte mit, dass nun auch die von seiner Regierung angekĂŒndigten Vergeltungszölle auf Einfuhren aus den USA vorerst vom Tisch seien. «Kanada setzt unseren 1,3 Milliarden Dollar (870 Millionen Euro) teuren Grenzplan um â die Grenze wird mit neuen Hubschraubern, Technologie und Personal verstĂ€rkt, die Koordination mit unseren amerikanischen Partnern verbessert und die Ressourcen werden aufgestockt, um den Fluss von Fentanyl zu stoppen», so Trudeau. AuĂerdem wĂŒrden auch weiterhin fast 10.000 KrĂ€fte fĂŒr die Sicherung der Grenze eingesetzt sowie weitere MaĂnahmen gegen grenzĂŒberschreitende KriminalitĂ€t ergriffen.
In den USA hat Fentanyl in den vergangenen Jahren zu einem gewaltigen Drogenproblem mit Zehntausenden Toten gefĂŒhrt. Nach Angaben des fĂŒr die Erforschung von Drogenmissbrauch zustĂ€ndigen US-Instituts starben allein im Jahr 2021 mehr als 70.000 Menschen durch eine Ăberdosis synthetischer Opioide - vor allem Fentanyl. Die Stoffe kommen oft aus Drogenlaboren im Ausland in die Vereinigten Staaten. Die Opioid-Krise mit schwerstabhĂ€ngigen DrogensĂŒchtigen prĂ€gt inzwischen mancherorts das StraĂenbild in amerikanischen StĂ€dten.
Trump: «Fairness fĂŒr alle!»
Trump hatte im Wahlkampf die EindĂ€mmung der Fentanyl-Krise und der GrenzkriminalitĂ€t versprochen. Am Montag schrieb er, als PrĂ€sident sei es seine Aufgabe, die Sicherheit aller Amerikaner zu gewĂ€hrleisten. Trumps Fazit: «Ich bin mit diesem ersten Ergebnis zufrieden.» In den kommenden 30 Tagen mĂŒsse eruiert werden, «ob ein finaler wirtschaftlicher Deal mit Kanada gefunden werden kann, oder nicht», erklĂ€rte er weiter. Das Ziel laute: «Fairness fĂŒr alle!»
Trudeau versucht Trump dabei offenbar mit einem nicht ganz neuen Vorschlag zu beschwichtigen. Einen auf 1,3 Milliarden kanadische Dollar bezifferten Plan zur Grenzsicherung hatte seine Regierung nĂ€mlich bereits im Dezember vorgestellt - nach Lesart kanadischer Medien als ZugestĂ€ndnis an den neu gewĂ€hlten US-PrĂ€sidenten. Die Kosten fĂŒr die angekĂŒndigten MaĂnahmen dĂŒrften nur einen Bruchteil des zu erwartenden wirtschaftlichen Schadens betragen, den gegenseitige Zölle den beiden eng miteinander verwobenen Volkswirtschaften zugefĂŒgt hĂ€tten.Â
Deal auch mit Mexiko
Eine Ă€hnliche Vereinbarung hatte das WeiĂe Haus wenige Stunden zuvor auch mit Mexiko getroffen. PrĂ€sidentin Claudia Sheinbaum sagte, sie habe sich mit Trump darauf geeinigt, dass Mexiko seine Nordgrenze mit 10.000 Soldaten der Nationalgarde verstĂ€rken werde, um den Drogenschmuggel von Mexiko in die Vereinigten Staaten zu verhindern, «insbesondere den Handel mit Fentanyl». Die USA hingegen hĂ€tten sich verpflichtet, den Waffenhandel zu bekĂ€mpfen. Trump hatte bereits im Wahlkampf ein hĂ€rteres Vorgehen Mexikos gegen Migration und die Drogenkartelle gefordert.
Blaupause fĂŒr Europa?
Die Einigungen vom Montag zeigten, dass Trump - vermutlich auch angesichts fallender Börsenkurse und der Gefahr steigender Verbraucherpreise in den USA - trotz aggressiver Rhetorik offen fĂŒr GesprĂ€che ist. Dies könnte auch als Blaupause fĂŒr die EuropĂ€ische Union dienen, der Trump ebenfalls Strafzölle androht.
EuropĂ€ische Politiker, darunter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron, zeigten sich in BrĂŒssel zu GegenmaĂnahmen entschlossen. Als starker Wirtschaftsraum könne man auf Zollpolitik mit Zollpolitiken reagieren, warnte Scholz. «Das mĂŒssen und werden wir dann auch tun.»Â
Trumps ZollplĂ€ne beeinflussen weltweit die MĂ€rkte und verursachten am Montag zum Teil empfindliche AusschlĂ€ge an den Börsen. Einer der GrĂŒnde ist, dass europĂ€ische Autobauer und Zulieferer den wichtigen US-Markt zum Teil ĂŒber ihre Werke in Mexiko versorgen.
Verhandlungen wÀhrend Aussetzung der Zölle
Nun wollen Kanada und Mexiko mit Trump umfassendere Einigungen in Sicherheits- und Handelsfragen erreichen, damit die Drohungen endgĂŒltig vom Tisch sind. Der Republikaner sagte, die Verhandlungen wĂŒrden unter der Leitung der AuĂen-, Handels- und Finanzminister sowie hochrangiger Vertreter Mexikos stattfinden. «Ich freue mich darauf, gemeinsam mit PrĂ€sidentin Sheinbaum an diesen Verhandlungen teilzunehmen und zu versuchen, eine Einigung zwischen unseren beiden LĂ€ndern zu erzielen», sagte Trump.







